POLITIK
21/12/2015 11:16 CET | Aktualisiert 21/12/2015 12:01 CET

Bildungsexperten fordern Abschaffung von Hausaufgaben - "Sie bringen nichts und sind pädagogischer Unsinn"

Robert Daly via Getty Images
Viele Schüler verzweifeln an den Hausaufgaben. Foto: DPA

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Kaum etwas ist bei Schülern so verhasst wie die nachmittäglichen Hausaufgaben. Das bringt doch nichts, so das Credo vieler Heranwachsender. Auch viele Eltern denken so - und die moderne Erziehungswissenschaft gibt ihnen Recht.

Der renommierte Bildungsjournalist Armin Himmelrath hat sich mit dem Nutzen von Hausaufgaben befasst. Es gebe keine wissenschaftliche Studie, welche die Wirksamkeit dieser Lernmethode belege, sagte er im Interview mit dem „Deutschlandfunk“. Die überwiegende Zahl der Forschungsarbeiten komme zu dem Ergebnis: "Sie bringen nichts, sie sind pädagogischer Unsinn und sie sind so gesehen Zeitverschwendung."

Schüler verbessern ihre Leistung durch Hausaufgaben nicht

So wollen etwa Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden bereits 2008 herausgefunden haben, dass Hausaufgaben keinen Effekt auf die Schulleistungen hätten. "Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser", resümierte Hans Gängler von der Fakultät Erziehungswissenschaften der TU Dresden damals.

Zudem würden schlechte Schüler durch bloßes Wiederholen noch lange nicht begreifen, „was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben". Der Effekt auf die Zeugnisnote werde durch die Schularbeiten nicht beeinflusst - egal ob ein Kind die Mathe-Aufgaben direkt nach der Schule, nachts unter der Bettdecke oder überhaupt nicht mache.

Seit mehr als einem halben Jahrtausend gibt es Hausaufgaben im deutschen Schulsystem. Für den Bildungsexperten Himmelrath ist klar: Weil sie im kollektiven Gedächtnis der Menschen fest verankert seien, halte man an ihnen fest. "Es gibt einen großen Teil von Menschen, die es schwer finden, zu akzeptieren, dass Hausaufgaben vorne und hinten nicht funktionieren."

Erste Schulen nehmen Abschied von den Hausaufgaben

Der Journalist plädierte im „Deutschlandfunk“ stattdessen für sogenannte Schulaufgaben - also Zeiten, in denen Kinder im schulischen Umfeld selbstständig lernen können. Denn das Lernen zuhause sei ein „Zufallsprodukt“ - je nachdem, ob es beispielsweise Hilfe der Eltern gebe oder nicht.

Noch immer halten fast alle deutschen Schulen an den Hausaufgaben fest. In den vergangenen drei Jahren hat sich immerhin eine Reihe von Grundschulen von dieser Lernform verabschiedet. So etwa die Liebfrauenschule in der Frankfurter Innenstadt und die Frankfurter Holzhausenschule.

Viele berufstätige Eltern erwarteten, dass sie sich nach einem langen Arbeitstag nicht noch mit den Kindern an den Schreibtisch setzen müssen, begründete das Direktorat Holhausenschule damals diesen Schritt.

In der Vergangenheit forderten auch einzelne Bildungspolitiker von SPD und Grünen, die Hausaufgaben endlich abzuschaffen. Vor allem Union und FDP halten jedoch dagegen. Die Debatte dürfte nun an Schärfe gewinnen.

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