POLITIK
19/12/2015 02:24 CET

SPD-Politiker Albig: "Wir haben 60.000 Flüchtlinge durchreisen lassen"

dpa

Diese Worte wird Kanzlerin Angela Merkel nicht gerne hören: Über Schleswig-Holstein sind nach Einschätzung von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) in diesem Jahr wohl Zehntausende Flüchtlinge unregistriert weitergereist.

"Aufs Jahr gerechnet haben wir wohl über 60.000 Flüchtlinge nach Skandinavien durchreisen lassen", sagte Albig der "Welt". Zur Wahrheit gehöre also, dass Deutschland damit auch gegen Dublin III verstoßen haben", sagte Albig der "Welt".

Machen nichts anderes als die Österreicher

Zugleich habe man damit jedoch für Entlastung in Deutschland gesorgt, fügte der SPD-Mann hinzu. Nach dem Dublin-Abkommen müssen Asylbewerber von den EU-Mitgliedsländern aufgenommen werden, in denen sie als erstes in der Europäischen Union ankommen.

Die Behörden hätten diese Flüchtlinge offiziell nie gezählt, weil diese klar gesagt hätten, dass sie nach Schweden wollten, sagte Albig. "Bisher machen wir ja im Kern nichts anderes als die Österreicher, denen Deutschland vorgeworfen hat, die Flüchtlinge zu uns durchreisen zu lassen." Man spreche sich aber intensiv mit Kopenhagen und Stockholm ab, sagte der SPD-Politiker.

Albig kritisierte zudem das positive Bild der Kanzlerin. "Dann ist da der CDU-Parteitag, die Kanzlerin hält eine mittelprächtige Rede ohne jeden Esprit. Aber weil es trotzdem zehn Minuten Applaus gibt, reden alle vom Triumph", sagte Albig. Und weiter: "Was hat sie denn gesagt? Wir können die Flüchtlingsströme begrenzen, aber fragt mich bitte nicht wie. Aber alles jubelt und tobt."

Albig ist bekannt für seine klaren Worte in der Flüchtlingskrise. Zuletzt hatte der SPD-Politiker den Befürwortern einer Flüchtlingsobergrenze Zynismus vorgeworfen. Sie täten bei den Flüchtlingen so, "als hätten wir es mit Menschen zu tun, die sich bei Saturn zu Weihnachten einen Fernseher kaufen wollen und deswegen nach Deutschland kommen", sagte er Ende Oktober.

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