POLITIK
19/12/2015 08:22 CET | Aktualisiert 19/12/2015 09:05 CET

"Putin wirkte äußerst verwirrt": Mit diesem Verhalten hat Russlands Präsident seine Landsleute verstört

dpa

Syrien, Türkei, Wirtschaftskrise: Die Liste der drängendsten Probleme in Moskau ist lang. Auf der traditionellen Jahrespressekonferenz hatte Kreml-Chef Wladimir Putin am Donnerstag keine wirkliche Antwort auf die aktuellen Fragen. Dafür sorgte er mit einem ungewohnt zerstreuten Auftritt für Verwunderung.

So schreibt Putins früherer PR-Stratege Gleb Pawlowskij in einer Analyse für das Onlineportal „Rus2Web“, aus der "Focus Online" zitiert: "Putin sah aus wie jemand, der äußerst verwirrt ist.“

Will denn keiner diese Frage stellen?

Und auch die russische Analystin Tatjana Stanowaja vom unabhängigen Moskauer Thinktank Zentrum für Politische Technologie zeigt sich im Nachhinein verwundert über die Ansprache des russischen Präsidenten.

„Putin hielt es offenbar nicht für nötig oder für interessant, die Informationen auf den neuesten Stand bringen zu lassen“, schreibt sie in einem Gastbeitrag für das Moskauer Carnegie-Zentrum, aus dem das Nachrichten-Portal ebenfalls zitiert.

Putin hatte unter anderem über die russische Wirtschaftskrise gesagt, dass ihr Höhepunkt "überschritten" sei.

Was die Regierung tun soll, wenn der Ölpreis weiter sinkt, wisse Putin nicht, schreibt Stanowaja weiter. "Und er versteckt nicht einmal, dass er es nicht weiß.“

Das weiß niemand

In der Tat war Putin ungewohnt einsilbig, als es bei der Jahrespressekonferenz um einige der wichtigen Themen ging. Auf die Frage, ob staatliche Unternehmen privatisiert werden sollten, antwortete er lediglich "Das weiß niemand".

Und angesprochen auf einen Korruptionsskandal im Umfeld des russischen Generalstaatsanwalts, forderte er die versammelten Journalisten dazu auf, ihn doch lieber über Fernfahrer zu befragen ("Will denn keiner diese Frage stellen?").

„Der Präsident ging selbst für seine Verhältnisse zu oft Antworten aus dem Weg“, bemerkte Pawlowskij in seinem Beitrag. Und Stanowaja vermutet: „Putin will, was ihm langweilig erscheint, nicht wissen oder verstehen. Sollen sich doch Ministerpräsident Medwedjew, Finanzminister Siluanow, der Geheimdienst FSB, seine Präsidialadministration oder das Innenministerium mit diesen Dingen beschäftigen.“

Das einzige, was Putin noch interessiere, seien „die Kampfhandlungen in Syrien und alles, was damit zusammenhängt“, analysiert Stanowaja.

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