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19/12/2015 10:20 CET | Aktualisiert 19/12/2015 12:58 CET

Plastiktüten nur gegen Gebühr: Aus der freiwilligen Selbstverpflichtung der Händler wird nichts

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Plastiktüten bleiben doch kostenlos - vorerst

Deutschland schafft die kostenlosen Plastiktüten im April doch nicht ab. Noch vor zwei Monaten hatte es geheißen, dass Plastiktüten am dem 1.4.2016 überall mindestens 20 Cent kosten würden. Das hatten der Deutsche Handelsverband (HDE) und das Bundesumweltministerium so ausgemacht. Das Ziel: den Verbrauch der umweltschädlichen Plastiktüten zu senken.

Der Verband der Textileinzelhändler hat sich nun gegen eine Selbstverpflichtung ausgesprochen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Der Verband wolle lieber ein Gesetz haben. Jürgen Dax, Geschäftsführer Verbandes, sagte der Zeitung: „Für viele Geschäfte wäre als letzter Ausweg eine staatliche Regelung, die in allen Läden gleich gilt, und die dem Kunden nicht als mangelnder Service des einzelnen Geschäftes erscheint, vorzuziehen.“ Die Zwangsregelung kann der Verband haben.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wird ein Gesetz erlassen, wenn sich sonst der Tütenverbrauch nicht reduzieren lässt. Auch wenn ihr dem Vernehmen nach eine freiwillige Regelung lieber gewesen wäre.

Jeder Mensch in Deutschland verbraucht im Schnitt 76 Plastiktüten pro Jahr, heißt es bei der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung. Das wären 11.700 Tüten pro Minute. Der HDE kam in seiner Schätzung auf 71 Tüten pro Jahr - etwas, wenn auch nicht viel weniger. Bis zum Jahr 2025 soll er auf 40 Tüten sinken - das sieht eine EU-Verordnung vor.

Ökologisch sinnvoll wären laut Deutscher Umwelthilfe eigentlich nur Mehrwegtüten. Denn nicht nur Einwegtüten aus Polyethylen (das aus fossilem Rohöl gewonnen wird), sondern auch angeblich biologisch abbaubare oder aus Recycling-Plastik hergestellte Plastiktüten belasten die Umwelt massiv. Ebenso Papiertüten, deren Produktion einen hohen Einsatz von Chemie erfordere. Doch auch die beliebten Stoffbeutel müssten 32 Mal benutzt werden, um in der Öko-Bilanz besser abzuschneiden als eine normale Plastiktüte.

Der Favorit der Umwelthilfe: Die ganz dünnen stoffartigen Taschen aus Polyester, die meist als zusammenfaltbare Varianten mit Hülle angeboten werden und dann nur noch so groß sind wie eine Packung Taschentücher.

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