POLITIK
19/12/2015 05:30 CET | Aktualisiert 18/01/2016 08:37 CET

Hans-Werner Sinn: "Griechenland nutzt die Flüchtlingskrise aus"

dpa

Er ist einer der bekanntesten Ökonomen Deutschlands: Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts, sorgt mit seinen Thesen zur Integrationspolitik und zum Wohlstand der Deutschen regelmäßig für Schlagzeilen.

Drei Monate vor seiner Pensionierung hat er jetzt wieder einmal zugeschlagen - und zwar mit einer Behauptung, die enorme politische Sprengkraft hat. Sinn ist nämlich der Meinung, dass sich Griechenland derzeit auf Kosten Europas bereichert. „Die Griechen nutzen die Flüchtlingskrise, um ihre Banken auf Kosten der Euro-Gemeinschaft zu retten“, sagte Sinn dem "Tagesspiegel".

Tspiras wolle den griechischen Banken noch in diesem Jahr 15 Milliarden Euro zuschustern, lautet Sinns These. „Wenn das Ganze erst 2016 über die Bühne ginge, würden die Eigentümer ihr Geld verlieren, manche Gläubiger müssten einen Schuldenschnitt hinnehmen, und der Abwicklungsfonds würde zum Miteigentümer der Banken“, sagte Sinn dem Blatt.

Das wolle die Athener Regierung jedoch verhindern und habe es daher besonders eilig mit der Bankenrettung, will Sinn wissen. Wenn das Geld nämlich noch 2015 fließt, müssten die derzeitigen Eigentümer der Banken, „meistens reiche griechische Familien“, nicht haften und könnten ihr Eigenkapital behalten.

„Die Rettungsgelder sollen jetzt noch schnell zur Rettung der Reichen genutzt werden. Das ist skandalös, weil es den vereinbarten Abwicklungsmechanismus unterläuft“, sagte Sinn.

Zuletzt war bekannt geworden, dass die vier größten Banken Griechenlands weitere Milliarden benötigen. Die Europäische Zentralbank (EZB) attestierte den Instituten Alpha Bank, Eurobank, National Bank of Greece (NBG) und Piraeus Bank eine Kapitallücke von bis zu 14,4 Milliarden Euro, falls die Wirtschaft des angeschlagenen Landes in den kommenden Jahren nicht auf die Beine kommt. Sollte sich die Konjunktur wie erwartet entwickeln, liege der Kapitalbedarf der ohnehin schon vom Staat gestützten vier Banken immer noch bei 4,4 Milliarden Euro.

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