WIRTSCHAFT
19/12/2015 15:04 CET

Warum Deutschland heimlich seinen legendären Goldschatz nach Hause holt

Deutsche Bundesbank
Warum Deutschland heimlich seinen legendären Goldschatz nach Hause holt

Der Goldschatz der Bundesbank ist legendär: Mit mehr als 270.000 Barren, 3384 Tonnen schwer, ist er der zweitgrößte der Welt. Aktuell sind die Barren 109 Milliarden Euro wert. Allerdings schwanken die Preise: Der Marktwert der Goldreserven lag 1997 umgerechnet bei nur 25,2 Milliarden Euro, seinen Höchststand erreichte er 2012 mit 137,5 Milliarden Euro.

Noch befindet sich der Großteil des Edelmetalls im Ausland. Doch von 2013 bis 2020 sollen 674 Tonnen nach Frankfurt verlagert werden.

Heimlich aber bringt die Bundesbank deswegen tonnenweise Gold nach Deutschland, auch in diesem Jahr. Es kommt aus den Tresoren US-Notenbank Fed und der Banque de France. Die Vorräte in der Bank of England in London sollen dort bleiben. Zu den Transportwegen macht die Notenbank aus Sicherheitsgründen keine Angaben.

Die Lagerung im Ausland hat historische Gründe. Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder - die Vorgängerin der Bundesbank - Goldreserven auf. In den 1950er und 1960er Jahren wuchs der deutsche Goldschatz rasant: Die Wirtschaftswunderjahre brachten der Bundesrepublik dank des Exports viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht werden konnten. “Bis zur deutschen Einheit hatten wir nur 77 Tonnen in Deutschland - aus Sicherheitserwägungen zu Zeiten des Kalten Krieges”, sagt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele.

Die Lagerung in Paris ergibt jetzt keinen Sinn mehr. Seit der Euro-Einführung dies- und jenseits des Rheins ist jedoch zumindest für den Standort Paris das Argument hinfällig, man könne das dort gelagerte Gold im Krisenfall in Devisen umtauschen. Daher wird dieser Lagerort komplett aufgelöst.

Für New York und London gilt das nicht. Daher werden aus den USA nur 300 von mehr als 1500 Tonnen Gold nach Deutschland überführt, die 35 640 Barren in London bleiben komplett unberührt. Das hat handfeste Gründe, wie Thiele betont: "Es ist wichtig, für Krisenfälle Vorsorge zu betreiben. Deshalb werden wir einen Teil des Goldes in dem Land mit der größten Leitwährung der Welt lassen - das ist die USA mit dem Dollar. Und einen anderen Teil lassen wir in der Bank of England in London als größtem Goldhandelsplatz der Welt."

Die Lagerung im Ausland hatte die Öffentlichkeit bis hin zum Bundesrechnungshof ist misstrauisch gemacht, ob das deutsche Gold nach Jahrzehnten in Tresoren anderer Notenbanken sicher und noch vollständig vorhanden ist - und ob Deutschland im Krisenfall darauf zugreifen könnte. Thiele versichert, solche Sorgen seien unbegründet. Dieses hätten die Eingangskontrollen der angelieferten Barren bestätigt. Zudem bestünden an der Integrität der Partnernotenbanken nicht die geringsten Zweifel.

Deutschland trennt sich außerdem Jahr für Jahr von wenigen Tonnen: Der Goldbestand sinkt durch Verkauf an das Bundesfinanzministerium für das Prägen von Goldmünzen, 2014 schrumpfte die Reserve so um 2930 Kilogramm.

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