POLITIK
18/12/2015 06:51 CET | Aktualisiert 18/12/2015 07:15 CET

Münchner Verein gibt den perfekten Knigge für Flüchtlinge heraus

FOL/WOCHIT
Münchner Verein gibt Knigge für Flüchtlinge herausgeben

Das Münchner Forum für Islam hat einen Knigge für muslimische Flüchtlinge herausgegeben. Dem Verein ist in Zusammenarbeit mit der Stadt München mit der 16-seitigen Broschüre „Willkommen in Deutschland“, die es in Deutsch, Englisch und Arabisch gibt, etwas gelungen, woran schon einige gescheitert sind.

Der Knigge erklärt, begründet – und verletzt nicht. Thematisiert werden die großen Themen wie das Grundgesetz und die Würde des Menschen, die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Er erklärt die kleineren Themen wie Mülltrennung. Und praktische Dinge wie die richtige bayerische Grußformel in Bayern.

Für die deutschen Regeln hat der Verein eine islamische Legitimation gesucht. Meist sind es Koranverse, seltener auch Überlieferungen aus dem Propheten Mohammed.

Die spannendsten Erklärungen:

  1. Integration

    Der Verein hält Integration für notwendig, auch wenn das "langwierig und schwierig" sein könne.

    „Der Muslim, der sich in die Gemeinschaft einfügt und integriert und so die Beschwernisse auf sich nimmt, die von Menschen kommen könnten, ist besser als diejenigen, die solche Beschwernisse meiden.“ (Prophet Muhammed)

  2. Grüßen

    In Bayern werde man traditionell mit "Grüß Gott" begrüßt, heißt es im Heftchen. "Weil Muslime gern und jeden Tag von, über und mit Gott sprechen, ist „Grüß Gott“ auch islamisch ganz korrekt und eine Art bayerisches ,as-salamu aleikum’!“

    „Wenn ihr mit einem Gruß gegrüßt werdet, grüßt mit einem schöneren zurück oder erwidert ihn.“ (Koran 4:86)

  3. Bildung

    „Deutschland ist ein Bildungsparadies. Der Schlüssel zum Erfolg in diesem Land liegt im Beherrschen der deutschen Sprache“, heißt es im Leitfaden. Es folgt ein Appell, die Schule wichtiger zu nehmen „als alles andere“ und mit den Lehrern zusammenzuarbeiten und an Elternsprechtagen teilzunehmen. Schwimmunterricht sei auch für Mädchen Pflicht.

    „Gott erhöht diejenigen von euch, die glauben, und diejenigen, denen das Wissen gegeben worden ist, um Rangstufen.“ (Koran 58:11)

  4. Primat des Grundgesetzes

    Weltliches und religiöses Gesetz seien keine konkurrierenden Systeme. Wer sich entschieden habe, in Deutschland zu leben, sei vom Koran verpflichtet, das Grundgesetz zu erfüllen. „Da die Demokratie das System ist, das nicht nur den Prinzipien und Lehren des Islam am nächsten kommt, sondern auch dasjenige, das der menschlichen Vernunft am meisten entspricht, sind wir aufgefordert, uns für seinen Fortbestand einzusetzen, es innerlich zu akzeptieren, vorbehaltlos zu verteidigen und mit Leben zu füllen.“

    „O ihr, die ihr Glauben erlangt habt! Gebt acht auf Gott und gebt acht auf den Gesandten und auf jene von euch, die mit Autorität (ulu-l-amr) betraut worden sind.“ (Koran 4:59)

  5. Umgang mit Pöbeleien

    In der Broschüre wird auch die Fremdenfeindlichkeit thematisiert, die Migranten entgegenschlagen kann. In so einem Fall solle man sich Hilfe von der Polizei holen, aber nur nicht selbst aggressiv werden.

    Denn: „Sei nachsichtig mit ihnen und sag: ,Friede!’“ (Koran 43:89)

Natürlich kann man auch über diese Broschüre diskutieren. Sicher werden islamische Theologen da auch andere Argumente bringen können. Aber dieser Knigge ist ein Leitfaden auf Augenhöhe – und wenn er als Diskussionsgrundlage dient, ist schon viel erreicht.

Zwar ist der Leitfaden für Migranten gedacht. Aber Deutsche können da genauso viel lernen. Deutschland hat in den vergangenen Tagen viel über ein Integrationspflichtgesetz diskutiert, das CDU-Vize Julia Klöckner ins Spiel gebracht hatte. Vielleicht zeigt die Broschüre, worauf man aufbauen könnte. Oder dass man doch gar nicht so weit voneinander entfernt ist.

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