WIRTSCHAFT
18/12/2015 12:14 CET

Die Kassenbeiträge steigen deutlich: 7 Fragen und Antworten

Ulrike Schmitt-Hartmann via Getty Images
Da bekommt man Bauchschmerzen: Deutsche Krankenversicherungen erhöhen teilweise ihre Beiträge.

Für die Krankenversicherten wird es nach Neujahr teils deutlich teurer. Dabei gibt es einen Ausreißer nach oben: Die DAK-Gesundheit legt um 0,6 Prozentpunkte zu und ist damit bei einem Gesamtbeitrag von 16,1 Prozent die wohl teuerste Krankenkasse. Doch auch andere Versicherungen müssen anheben - denn die Kostensteigerungen durch die aktuellen Gesundheitsgesetze gehen vor allem zu ihren Lasten. Bei den gesetzlichen Kassen nimmt deshalb der Unmut über Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zu.

1. Warum steigen die Krankenkassenbeiträge überhaupt?

Weil die Ausgaben der Kassen stärker wachsen als die Einnahmen. So haben sie in den ersten drei Quartalen 2015 ein Defizit von 395 Millionen Euro eingefahren. Für die Ärzte gaben die Kassen vier Prozent je Versicherten mehr aus, für Arzneimittel 4,4 Prozent, für Klinikbehandlungen 3,1 und für das Krankengeld fünf Prozent mehr.

2. Was zeichnet sich bei den Finanzen künftig ab?

Bessere, aber auch teurere Medikamente und Medizingeräte sowie eine alternde Bevölkerung treiben die Kosten hoch. Aber auch die jüngsten Reformen etwa zugunsten der Pflege in den Kliniken oder der Palliativversorgung gibt es nicht zum Nulltarif. "Seit der vergangenen Legislaturperiode hat es nur Gesetze gegeben, die mehr Geld kosten", sagt der Vorstandschef der Barmer GEK, Christoph Straub. Die GKV werde 2016 mit 1,4 und 2017 mit drei Milliarden Euro zusätzlich belastet. "Wir haben Druck im System."

3. Erschüttert der Anstieg der DAK-Gesundheit das ganze Kassensystem?

"Zu erwarten ist, dass eine nennenswerte Zahl von Versicherten reagieren wird", sagt der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem. Schon als die DAK vor fünf Jahren mit wenigen anderen Kassen als erste den Zusatzbeitrag von damals acht Euro einführte, kündigten Zehntausende Mitglieder.

"Ich gehe aber davon aus, dass die DAK-Gesundheit die Folgen ihrer Erhöhung schon eingepreist hat", sagt Wasem. Eine Insolvenz erwartet er nicht. Und selbst wenn eine Kasse wie die DAK ins Straucheln geriete - Versicherte würden weiter ihre Leistungen bekommen, Ärzte und Kliniken weiter bezahlt werden, wie Wasem erläutert. Zunächst müssen die anderen Ersatzkassen sie stützen, dann die gesamte gesetzliche Krankenversicherung.

4. Wie entwickeln sich die Beiträge längerfristig?

Der allgemeine Beitragssatz liegt bei 14,6 Prozent - von Arbeitnehmern und Arbeitgebern jeweils zur Hälfte zu zahlen. Unter dem Druck wachsender Kosten steigt der dazukommende durchschnittliche Zusatzbeitrag der Kassen 2016 von 0,9 auf 1,1 Prozentpunkte. Insgesamt sind es im Schnitt dann also 15,7 Prozent. Die Differenzen zwischen den einzelnen Kassen wachsen. Nach Schätzungen der Kassen werden die Beiträge bis 2020 um jährlich durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte weiter ansteigen. Insgesamt wären es dann 16,6 Prozent - im Durchschnitt. Manche dürften deutlich darüber liegen. Der Wettbewerbsdruck steigt, größere Wanderungsbewegungen zwischen den Kassen werden wahrscheinlicher.

5. Was bedeutet das für den Geldbeutel der Versicherten?

Pro 2000 Euro Bruttoeinkommen bedeutet ein Beitragsschritt von 0,2 Prozentpunkten 4 Euro - geht es also binnen einiger Jahre um 2 Prozent hoch, sind das rein rechnerisch 40 Euro mehr pro Monat.

6. Wie reagieren die Kassen?

Sie wollen die Kosten etwa in den Griff bekommen, indem sie gezielt auf Krankengeld-Bezieher zugehen und sie zu gesundem Leben und passenden Therapien anhalten. Sie wollen durch Leistungen punkten. Aber auch weitere Fusionen unter den derzeit noch gut 120 Kassen stehen an. Vor allem bei den vielen vergleichsweise kleinen Betriebskrankenkassen ist der Druck immens.

Anfang des Jahres schließen sich gleich vier zusammen: Die BKK VBU mit 410.000 Versicherten geht mit BKK Basell, BKK Schleswig-Holstein und BKK Demag Krauss-Maffei zusammen. Bei den Kassengiganten steht zum 1. Januar 2017 der Zusammenschluss der Barmer GEK und Deutschen BKK an. Nach heutigem Stand lösen sie die TK als größte Kasse ab.

7. Was fordern Kassen und Opposition?

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) fror den Arbeitgeberanteil bei 7,3 Prozent ein - in der Hoffnung, so Arbeitsplätze zu sichern. Kassen, Opposition und Gewerkschaften wollen auch die Arbeitgeber an den Kostensteigerungen beteiligen, indem sie den gesamten Beitrag wieder bis hin zur völligen Parität auf beide Seiten verteilen. Zudem wollen Ersatz- und Betriebskrankenkassen den Risikostrukturausgleich zwischen den Kassen neu regeln, da sie der Auffassung sind, dass er zur Zeit die AOKen besserstellt. Ausgeglichen werden soll, dass manche Kassen mehr Menschen mit bestimmten oft teuren, chronischen Krankheiten haben.

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