WIRTSCHAFT
18/12/2015 03:43 CET | Aktualisiert 18/12/2015 04:28 CET

"Seid doch nicht so feige" - Jungunternehmer Christopher Obereder rechnet mit seiner Generation ab

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Mit 13 programmierte Christopher Obereder erfolgreiche Webseiten. Mit 16 gründete er sein erstes Unternehmen und baute zudem ein Facebook-Imperium mit vielen Millionen Fans auf. Dann investierte Microsoft in seine App Inlope. Mittlerweile spielen weit über zehn Millionen Menschen weltweit seine Spiele wie Okay? auf dem Smartphone. Heute ist er 24 Jahre alt, hat fertig studiert und beschäftigt zehn Mitarbeiter. Längst haben die "Financial Times", "Business Insider" und "Wired" über ihn geschrieben.

Dennoch sagt Christopher über sich: "Ich bin kein Überflieger. Ich bin nur einer, der für Dinge brennt." Und er hat eine klare Meinung: Seine Generation habe die besten Chancen seit Jahren. Doch die meisten seien zu feige, zuzugreifen:

Christopher, die Generation Y ist ja angeblich eine Generation, die die Freiheit liebt und die Dinge hinterfragt. Eigentlich die optimale Unternehmergeneration.

Obereder: Könnte man denken. Und ich kenne auch viele Leute in meinem Alter, die neue Dinge versuchen. Aber die meisten landen dann doch in Konzernen.

Wieso das?

Viele, die ich kennengelernt habe, sind gradliniger. Sie wollen schnell in einen festen Job. Als Lehrer, Banker oder Berater. Die einen wollen Sicherheit, die anderen schnell Geld verdienen. Wieder andere beides. Ich dachte, meine Generation wäre offener. Doch ich erlebe immer mehr das Gegenteil.

Kann man ja niemandem vorwerfen.

Nein. Ich habe es auch mit einem Job bei der Deutschen Bank in London versucht. Aber in Konzernen kommt man schnell an eine Grenze, an der man nicht weiterkommt. Was die eigene Entwicklung angeht - aber auch finanziell.

Viele Konzerne zahlen sehr gut.

Aber nur, wenn man schnell aufsteigt. Das schaffen eben die wenigsten.

Wieso üben die Konzerne dann so eine enorme Anziehungskraft auf junge Menschen aus?

Die Unternehmen kommen an die Unis und versprechen den Studenten das Blaue vom Himmel. BMW, Daimler, Deutsche Bank. An denen kommt kaum ein BWLer vorbei. Und wenn man dann einmal dort eingestiegen ist, dann schafft man es kaum wieder raus.

Warum?

Du verdienst recht gut, hast Aussicht auf Lohnzusatzdinge wie Dienstwagen und Altersvorsorge. Deshalb sind dann viele zu bequem oder schlicht zu feige, etwas Eigenes zu versuchen.

Nicht alle Absolventen haben so tolle Aussichten.

Nach allem, was ich in München sehe, war es für Absolventen aller Fächer noch nie so leicht, nach der Uni einen Job zu finden. Viele Unternehmer suchen ja auch gezielt Sozialwissenschaftler.

Was ist das Problem?

Grundsätzlich ist das alles in Ordnung. Nur genau das ist schädlich für eine Unternehmerkultur. Denn das Konzernleben fühlt sich dann schnell zu nett an. Da springt kaum einer später ab und wagt noch einmal was. Die Leute werden dann mit ihren Ideen alt und sehen frustriert, wie andere ihre Ideen groß machen.

Wie lässt sich das lösen?

Man muss früher anfangen.

Nicht jeder hat mit 13 Jahren den Drang wie du. Viele würden dich eher als Überflieger bezeichnen.

Das bin ich nicht. Ich bin einer, der für Dinge brennt. Aber wer im Studium beginnt, an einer Idee zu bauen, hat genau die Verrückten um sich, mit denen man solche Dinge ausprobieren kann. Später fragt dann jeder erst einmal: Wie viel zahlst du mir?

Ist es wirklich realistisch, neben der verschulten Uni ein Unternehmen aufzubauen?

Klar. Ich habe das auch so gemacht. Mir hat die Doppelbelastung sogar geholfen, mich in beiden Feldern stärker zu fokussieren. Das Problem ist: Wer eine eigene Idee erfolgreich aufzieht, ist in der Regel vorher mehrfach gescheitert. Damit sollte man früh anfangen.

Das Scheitern fürchten die Deutschen wie kaum etwas anderes.

Die Angst vor dem Scheitern ist der größte Killer der deutschen Unternehmerkultur. Gerade die Vertreter meiner Generation träumen alle von der perfekten Idee in der perfekten Stadt im perfekten Leben. Aber so funktioniert das nicht. Wer etwas aufbauen will, fängt oft klein an, fällt hin, steht wieder auf, fällt wieder hin. Dennoch war es noch nie so einfach wie heute, ein eigenes Unternehmen aufzubauen.

Wieso das?

Über Facebook, Snapchat und Instagram kann jeder über Nacht unglaubliche Reichweite aufbauen. Wir haben beispielsweise mit Websites und Facebook-Fanseiten experimentiert und nach einigen Monaten über eine Million Fans gewonnen. Mit denen wiederum haben wir dann unsere erfolgreichen App-Spiele wie Okay?, Pancake - The Game oder Burger - The Game promotet.

Das versuchen viele.

Das stimmt. Aber es entstehen immer neue Plattformen mit immer neuen Möglichkeiten. Gerade wächst Snapchat massiv. Hier gewinnen gerade die ersten Stars richtig Reichweite. Bekannte von mir mixen beispielsweise den ganzen Tag Drinks und haben damit Zehntausende Fans gesammelt.

Das ist aber noch kein Business-Modell.

Klar. Aber mit der Reichweite lässt sich später sicher etwas machen. Schau dir einfach an, wie viele Youtuber ihre Reichweite nutzen. Die einen verdienen Geld über Product Placement, die anderen entwickeln Spiele wieder andere werden zu Experten. Wir sollten uns in Deutschland nicht so schnell auf das Geschäftsmodell fokussieren. Deshalb sind auch Facebook und Snapchat auch nicht bei uns entstanden.

Das musst du erklären.

Ganz einfach: Solche Reichweitenmodelle können nur entstehen, wenn man erst einmal viele Fans und Nutzer gewinnt. Wenn die dann da sind, findet sich in der Regel auch ein Geschäftsmodell. Und das verstehen viele Jüngere auch gerade. Ich glaube, dass einige von denen das Potenzial haben, die großen Stars und Medienunternehmer von Morgen zu sein.

Du meinst Youtuber?

Ja. Youtuber werden in zehn Jahren die wichtigsten Promis sein, so wichtig wie Popstars heute. Aber ich meine auch die vielen Leute, die jetzt neue Dienste entwickeln: Snapchat natürlich. Solche Unternehmen gehören zu den Medienimperien von Morgen. Aber auch die vielen Leute, die gerade neue social optimierte Angebote entwickeln. Hier verdienen gerade viele junge Unternehmer ihre erste Million. Das wird auch in Deutschland passieren.

Hast du sie schon verdient?

Ich bin noch dran.

christopher obereder

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