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18/12/2015 13:17 CET | Aktualisiert 18/12/2015 13:52 CET

Ausgerechnet ein Ort in Norddeutschland hat ein Problem gelöst, bei dem Deutschland seit Jahren versagt

AP

Dass es so nicht weitergehen kann, ist eigentlich allen klar. Kohlekraftwerke stoßen massenhaft schädliches CO2 aus, Gas ist teuer. Und Atomenergie hat enorme Nebenwirkungen.

Deswegen will Deutschland schon in wenigen Jahren einen Großteil seines Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen bestreiten. Bis 2020 soll der Anteil von derzeit fast 28 auf fast 50 Prozent steigen.

Das Problem: Kein Experte weiß, wie das gehen soll.

Es gibt große Schwankungen im Stromnetz. Grünstrom ist stark wetterabhängig - an Sommertagen etwa speisen Solarfarmen mehr Strom ins Netz ein, als die Deutschen brauchen. An düsteren Wintertagen hingegen ist es umgekehrt. Es gibt für dieses Problem noch keine Antwort - Stromtrassen etwa, die Nord- und Süddeutschland verbinden, gibt es schlicht nicht.

Eine Gemeinde im Norden der Republik aber schafft, woran ganz Deutschland scheitert. Pellworm zählt zu den ärmsten Gemeinden Deutschlands - und gilt dennoch als vorbildhaft in Sachen Erneuerbare Energien. Sie könnte zum Vorbild für das ganze Land werden.

Auf der Insel steht eines der größten Solarfelder Europas

Erreicht hat die 'grüne' Insel das mit einem Energiemodell, das innovativ und nachhaltig ist. 1983 entstand auf der 1000-Einwohner-Insel eines der ersten Solarfelder Deutschlands. Das Hybrid-Kraftwerk ist bis heute eines der größten in Europa.

Außerdem stehen auf der Insel verteilt zahllose Windräder. Einige der Windparks sind im Besitz von Pellwormer Bürgern. Eine Biogasanlage rundet den Energiemix ab.

Der ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch extrem effizient: Auf der 37 Quadratkilometer großen Insel wird drei Mal so viel Strom produziert wie die Bewohner benötigen. 22 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugen die Energiequellen pro Jahr, der Insel reichen sieben Millionen.

Strom kann in hochmodernem System gespeichert werden

Doch die grünen Kraftwerke allein reichen nicht. Um die überschüssige Energie in Zeiten nutzen zu können, in denen die Sonne nicht scheint und kein Wind weht, haben die Pellwormer ein sogenanntes hybrides Speichersystem gebaut.

Bislang ließ sich die Energie nicht speichern. Nun fließt überschüssiger Strom in zwei Großspeichersysteme aus Lithium-Ionen-Batterien. Zudem speichern die Batterien von Elektroautos und Haushaltsgeräten auf der Insel überschüssigen Strom.

Weht der Wind einmal nicht, setzt ein intelligentes, computergesteuertes System diese Energie wieder frei.

“Leistungsstarke Batterien, Haushaltsspeicher, Elektrospeicherheizungen sowie Elektroautos ermöglichen das lokale Speichern von regenerativ erzeugtem Strom”, sagte der Projektleiter SmartRegion Pellworm, Dieter Haack, dem WirtschaftsWoche-Portal “WiWo Green”. “So brennt das Licht auch dann noch, wenn sich die Mühlen bei Flaute mal nicht drehen.”

Vorbild in der Energiewende für ganz Deutschland

Das Entscheidende ist: Alle erneuerbaren Stromquellen sind in einem intelligenten Netz miteinander verknüpft und lassen sich in Kombination steuern. Das ist revolutionär - und nicht nur Vorbild für Deutschland, sondern für die ganze Welt.

Denn die Energiewende kann nur funktionieren, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien gesteuert und gespeichert werden kann.

Das autarke System auf Pellworm hat noch einen Vorteil: Weil die Insel ihren gesamten Strom selbst generiert und nicht auf Energie vom Festland angewiesen ist, kann sie den Bewohnern den Strom billiger anbieten..

Pellworm zeigt, wie dank erneuerbarer Energien aus einer unbedeutenden, verarmten Gemeinde ein Vorbildmodell für ganz Deutschland werden kann. Und: Die kleine Insel macht vor, wie die Energiewende praktisch funktionieren kann.

Im Video erfahrt ihr mehr über die grüne Insel Pellworm:

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