POLITIK
18/12/2015 02:09 CET | Aktualisiert 18/12/2015 02:09 CET

"Boshafte Form der Naivität": So rechnet der Grünen-Chef mit der Flüchtlingspolitik der CSU ab

dpa

Grünen-Chef Anton Hofreiter hat den Kurs der CSU in der Flüchtlingspolitik scharf kritisiert. "Hinter der Forderung der CSU nach einer Obergrenze für den Flüchtlingszuzug steckt eine boshafte Form der Naivität“, sagte er der "Welt". Zum einen würde durch solche Forderungen die Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft kaputtgeredet und zum anderen werde der falsche Eindruck erweckt, es kämen dann weniger Flüchtlinge nach Deutschland.

Hofreiter stellte vor allem die Umsetzbarkeit der CSU-Linie in Frage. Niemand könne ihm die Frage beantworten, was mit den Bürgerkriegsflüchtlingen geschehen solle, die herkämen, wenn eine ausgerufene Obergrenze bereits erreicht sei. "Werden die dann nach Syrien zurückgeschickt? Oder niedergeknüppelt wie in Ungarn?“

Wenn Deutschland gewisse humane Standards aufrechterhalten wolle, sei eine Obergrenze nicht umsetzbar. "Deswegen ist auch Angela Merkel dagegen. Die Kanzlerin weiß, dass eine Obergrenze ein unrealistisches Versprechen wäre", sagte der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion der Zeitung. Der Kurs der CSU in der Flüchtlingspolitik mache eine schwarz-grüne Koalition nach der Bundestagswahl 2017 "eher schwieriger“.

Mit den Vorschlägen von Merkel kann sich der Grünen-Chef eher anfreunden.Ihr gab Hofreiter Rückendeckung für den Vorschlag, Flüchtlinge aus Syrien künftig in Kontingenten sicher über das Mittelmeer nach Europa zu holen und dort zu verteilen. "Wir brauchen jetzt ein Mindestmaß an europäischer Solidarität, um jedes Jahr ein paar Hunderttausend Menschen auf sicherem Weg in unsere europäische 500-Millionen-Gesellschaft aufzunehmen“, sagte Hofreiter der "Welt“. "Klug wäre, wenn die EU jedes Jahr einem festgelegten Kontingent von mehreren Hunderttausend Flüchtlingen eine sichere Schifffahrt über das Mittelmeer organisieren würde.“

Dies wäre ein sicherer Weg, und es würde das Geschäft des Schlepper zerstören. "Und wen wir nicht in einem Jahr per Fähre nach Europa bringen, dem versprechen wir die Überfahrt im nächsten Jahr.“ Wer vorerst in den Flüchtlingslagern bleiben müsse, werde mithilfe von EU-Mitteln anständig ernährt und medizinisch versorgt, erklärte Hofreiter. "Neben dieser Kontingentlösung gilt das individuelle Asylrecht selbstverständlich weiter.“

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