POLITIK
18/12/2015 16:41 CET

Assads verlogenstes Interview: So redet sich der syrische Diktator sein Terror-Regime schön

dpa

Es ist schwer Worte zu finden für die Verbrechen, für die der syrische Diktator Baschar al-Assad verantwortlich ist.

Er führt Krieg gegen sein Volk. Seit dem Beginn des Aufstands gegen ihn 2011 sind mehr als 250.000 Syrer gestorben. Darunter auch Tausende Kinder. Er ließ Giftgas und Fassbomben auf Schulen und öffentlichen Plätzen niedergehen. In Folterkellern starben Regimegegner - 2014 gelang es einem syrischen Militärpolizisten, Fotos von zehntausenden Regimegegnern aus dem Land zu schmuggeln.

Doch Assad will von all dem nichts wissen. In einem Interview mit dem niederländischen TV-Sender "Nieuwsuur", über das die "Welt" berichtet, zeichnete er ein ganz anderes Bild, das rein gar nichts mit der Realität zu tun hat.

Zu den Vorwürfen, die Human Rights Watch und die Vereinten Nationen erheben, sagt er:

Die Fakten entscheiden, was wahr ist oder nicht. Wenn man Menschen foltert, tötet und so weiter, wie könnte man da ohne öffentliche Unterstützung bestehen – und das nun schon beinahe seit fünf Jahren? Wir werden von westlichen Regierungen angefeindet, von den stärksten und den reichsten Ländern der Welt, wie den Golfstaaten.

Diese Argumentation ist geradezu absurd - vor allem, weil bislang über vier Millionen Menschen aus dem Land geflüchtet sind. Dass die nicht nur vor dem IS, sondern auch vor seinem Terrorregime geflohen sind, davon will Assad nichts wissen. Ganz im Gegenteil - er gibt sogar dem Westen die Schuld daran.

Sie sind wegen der Terroristenangriffe und des Embargos des Westens geflüchtet. Ich denke, dass die meisten dieser Menschen bereit sind, in ihr Land zurückzukommen, das sie noch immer lieben.

Assad inszeniert sich in dem Interview lieber als patriotischer Machthaber, der seit Jahren unermütlich gegen Terroristen kämpft. Das er vor allem gegen seine eigene Bevölkerung Krieg führt, das Land deswegen völlig instabil ist und so Organisationen wie der IS die Chance hatten, das Land zu überrollen - davon will Assad nichts wissen.

Wir haben den Terrorismus von Beginn an bekämpft. Es gab die Nusra-Front, al-Qaida, viele Terroristen. Aber der Westen kämpfte nicht. (...) Die westliche Politik gegenüber Terrorismus ist nicht objektiv, nicht realistisch und aktuell nicht sehr produktiv. Im Gegenteil: Sie ist kontraproduktiv.

Mehr noch: Assad gibt Europa die Schuld daran, dass Terroristen in Syrien so stark werden konnte. Die Flut der Islamisten, die aus westlichen Ländern nach Syrien reisen, um sich dem IS anzuschließen, sei die Verantwortung Europas.

Hierherzukommen ist logisch. Syrien wurde von Europa, der Türkei, Katar und Saudi-Arabien zu einer Brutstätte des Terrors gemacht. Es herrscht Chaos. Das zieht Terroristen aus der ganzen Welt an. Aber die Kernfrage bleibt: Warum gab es diese Leute in Europa? Zum einen versäumten es die europäischen Regierungen, diese Leute in ihre Gesellschaften zu integrieren.

mit Material von dpa

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