POLITIK
17/12/2015 06:41 CET

Nach CDU-Vorstoß: Ärzte sprechen sich für gesetzliche Impfpflicht für deutsche Kinder aus

Sick girl laying in bed with teddy bear
Tom Merton via Getty Images
Sick girl laying in bed with teddy bear

Es war einer der wenigen kontroversen Vorschläge beim CDU-Parteitag: Die Partei will eine gesetzliche Impfpflicht für Kleinkinder in Deutschland. Die Bundesregierung soll demnach Pflichtimpfungen unter anderem gegen Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Mumps, Masern, Röteln und Windpocken einführen. Die Delegierten des Bundesparteitags in Karlsruhe sprachen sich am Dienstag mit knapper Mehrheit für einen entsprechenden Antrag der Jungen Union aus.

Die "gesetzliche Grundimpfpflicht für Kleinkinder" stößt auch beim Koalitionspartner SPD auf Zustimmung. Eine solche Regelung sei "völlig richtig", vor allem bei Masern, sagte SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach gegenüber "RP Online".

Ärzteverbände stellten sich bei der Forderung ebenfalls hinter die CDU. "Wir begrüßen das sehr und fordern die Impfpflicht schon lange", sagte Hermann Josef Kahl vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) der dpa. Bislang kann in Deutschland jeder selbst entscheiden, ob er sich oder seine Kinder schützen lässt.

Ärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery hält den Vorstoß für richtig. "Wir müssen den ernsthaften Versuch unternehmen, für alle Kinder Impfschutz herzustellen, auch wenn es immer Eltern geben wird, die sich trotz Aufklärung verweigern", sagte Montgomery "RP Online". Mit Impfungen übernähmen Eltern nicht nur Verantwortung für das eigene Kind, sondern auch für die gesamte Gesellschaft, erklärte er.

Nach einer Masern-Epidemie in Berlin war in diesem Jahr eine heftige Debatte um die Einführung der Impfpflicht in Deutschland entbrannt. Betroffen waren vor allem Menschen ohne Impfschutz. Ein Kleinkind starb im Februar infolge der Masern. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) führte daraufhin eine verpflichtende Impfberatung ein. Kritiker wie der BVKJ hatten diese Maßnahme als zu lax bezeichnet.

Ein Nationaler Aktionsplan sieht vor, Masern und Röteln bis 2020 in Deutschland dauerhaft verschwinden zu lassen. Gröhe rief wiederholt Ärzte, Kitas, Schulen und Eltern zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung auf, um die Impflücken zu schließen.

mit Material von dpa

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