POLITIK
15/12/2015 10:27 CET | Aktualisiert 18/01/2016 08:43 CET

Forschungsinstitut warnt vor zunehmendem Populismus in der EU

Europa steht vor einer dramatischen Wende - und könnte daran zugrunde gehen
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Europa steht vor einer dramatischen Wende - und könnte daran zugrunde gehen

Keine Entwicklung hat Europa in den vergangenen Monaten so gespalten wie die Flüchtlingskrise. Arbeitsmarkt, privater Konsum, demografischer Wandel - es gibt kaum ein Thema, das derzeit nicht mit dem Zustrom der Flüchtlinge in Verbindung gebracht wird.

Dabei könnte die Flüchtlingskrise sogar noch weitreichendere Folgen für Europa haben.Das behauptet zumindest das britische Forschungsinstitut Control Risks. Demnach stellt die populistische Reaktion auf die Flüchtlingskrise eine Bedrohung für den Kontinent dar.

Wachsender Nationalismus in der EU verhindere einen koordinierten Umgang mit den beiden großen Risiken des kommenden Jahres: "der gestiegenen terroristischen Bedrohung und der Flüchtlingskrise", heißt es in dem jetzt veröffentlichten Report "RiskMap 2016".

Die hohe Anzahl an Flüchtlingen allein werde die EU nicht ins Wanken bringen, sagen die Experten voraus. Die Bedrohung für Europas Wirtschaft entstehe vielmehr, wenn die Themen Flüchtlinge und Terrorismus vermischt würden.

"Sollten diese Art der Diskussion und die hohen Flüchtlingszahlen anhalten, führt dies zu weiterem Druck auf das Schengen-Abkommen", heißt es in dem Bericht weiter. Einige EU-Länder könnten dann einen Sonderweg beschreiten, Grenzkontrollen einführen und verstärken sowie ihre Nachbarländer beeinflussen, es ihnen gleichzutun.

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Für Europas Wirtschaft stelle dies "ein größeres Risiko dar, als es der Austritt eines oder mehrerer Mitgliedsländer der EU jemals war", prognostizieren die Experten.

Laut den Machern der Studie geht die Bedrohung für Europa jedoch über das Wirtschaftliche hinaus. In der "RiskMap 2016" sind fünf weitere Bedrohungen für die EU-Staaten aufgelistet:

  • 1. Terrorismus und Islamischer Staat (IS): Die Anschläge in Beirut, Paris und Ankara hätten gezeigt, dass der IS nicht nur fähig ist, in seinem Kerngebiet Syrien zu agieren, sondern auch weit außerhalb. Control Risks ist dennoch der Meinung, dass der IS im kommenden Jahr vor allem sein Ziel verfolgen wird, die Positionen in Syrien und im Nordwesten des Iraks auszubauen und seine Version eines Kalifats im Nahen Osten zu etablieren.

  • 2. Bürgerkrieg in Syrien: Die Entwicklungen in Syrien und die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft müssten 2016 genau beobachtet werden. Russlands werde seine Beteiligung an dem Konflikt 2016 fortsetzen und damit Einfluss auf dessen Ausgang nehmen. "Auch die Reaktionen von Saudi-Arabien und dem Iran in Kombination mit deren Kampf um Vormachtstellung im Nahen Osten werden eine Rolle spielen", sagen die Experten voraus.

  • 3. Cyber-Risiken: Kompromittierung von Hardware, staatliche Spionage und kriminelle Angriffe seien die Top 3 Cyber-Risiken für 2016. Control Risks erwartet eine steigende Anzahl an Nationen, die im Bereich Cyber-Spionage tätig werden. Die Angriffe und deren negative Auswirkungen würden zunehmen.

  • 4. Zukunft der EU: Die EU hat in den letzten Jahren eine große Anzahl an Krisen absorbieren müssen: die Schuldenkrise Griechenlands, Russlands Annexion der Krim und Intervention in der Ost-Ukraine, sowie die noch andauernde Flüchtlingskrise. Die Angriffe in Paris hätten die EU in Unruhe versetzt und Luftangriffe Frankreichs in Syrien ausgelöst, heißt es im Report. "Es bleibt abzuwarten, wie die EU auf die weiteren Entwicklungen in 2016 reagieren kann und wird."

  • 5. Chinas Sechs-Prozent-Realität: Unsicherheit über Chinas Fähigkeit, sich an die neue Sechs-Prozent-Wachstum-Ära anzupassen, führt laut Control Risks dazu, dass viele Unternehmen ihre Tätigkeiten in China kritischer hinterfragen als in den vergangenen Jahren.

"Es wäre jedoch zu einfach zu behaupten, dass die Welt nie zuvor so unsicher, unruhig oder riskant war", sagte Michael Müller, Director Control Risks Deutschland GmbH. Unternehmen und Investoren dürfen nicht vergessen, dass trotz aller Risiken, die 2016 bereithält, die Welt schon immer unvorhersehbar gewesen sei, fügte er hinzu. "2016 ist also keine Ausnahme und die Chancen sollten stets im Auge behalten werden."

Die RiskMap bietet Unternehmen und öffentlichen Institutionen einen detaillierten Einblick in politische und sicherheitsrelevante Entwicklungen des kommenden Jahres.

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