POLITIK
15/12/2015 23:17 CET | Aktualisiert 16/12/2015 06:38 CET

Zehnjähriger in den Fängen der Terroristen: "Als der IS kam, mussten wir Kinder unsere Achselhöhlen zeigen"

Ahmed A. war gerade zehn Jahre alt. Nachdem der Islamische Staat (IS) im August 2014 seine Heimatstadt Kocho eingenommen hatte, musste er sich mit Hunderten anderen jesidischer Jungen in einer Reihe aufstellen.

Die Kämpfer wollten kontrollieren, welche Jungen Achselhaare haben. Der Grund war grausam: Jungen mit Achselhaaren wurden als zu alt und nicht mehr indoktrinierbar angesehen. Sie wurden erschossen. Die Jüngeren dagegen erhielten Islamunterricht und eine militärische Ausbildung. Das berichtet Ahmed in einem Gespräch mit Lara Whyte von der "International Business Times".

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Das Massaker in Kocho ist gut dokumentiert. Überlebende gaben an, dass bei dem Massaker mehr als 800 Menschen getötet wurden - die jüngsten waren gerade Mal zwölf Jahre alt. Andere sprachen von 80 Toten. Doch übereinstimmend wurde berichtet, dass der IS Männer, Jungen, Frauen und Mädchen trennte. Die Frauen wurden versklavt, die Männer erschossen und die Jungen zu Kindersoldaten gemacht. Ahmeds jüngere Schwestern wurden nach Mossul und Rakka gebracht und als Sklaven verkauft.

Ahmed, nun 11 Jahre alt, lebt heute in Stuttgart. Ein Programm des Landes Baden-Württemberg erlaubt es überlebenden jesidischen Frauen und Kindern, mit einem Visum nach Deutschland einzureisen. Der Junge lebt nun mit 70 anderen Frauen und Kindern in einem Heim, wo sie psychologische Betreuung erhalten. Seine Mutter ist im Irak geblieben, weil sie auf eine Nachricht von seinem Vater hofft.

Ahmed erinnert sich mit Schrecken an seine Ausbildung. "Bei Daesh ging ich nicht mit Mädchen zur Schule. Ich habe kein Mathe gelernt. Ich ging zu einem Ort mit vielen anderen Kindern. Wir lernten, Waffen zu benutzen. Mädchen waren nicht zugelassen." Daesh ist die Bezeichnung, die Gegner des IS im Nahen Osten für die Terrormiliz verwenden.

Das Programm wird von dem Psychologen Jan Kizilhan beaufsichtigt. Er sagt der "International Business Times", dass die meisten Jungen in der Gefangenschaft des IS eine militärische Ausbildung erhalten hätten.

Kizilhan hat insgesamt 1200 ehemalige Gefangene des IS interviewt. Er kam zu dem Schluss: "Die Boshaftigkeit und Brutalität des IS wurde unterschätzt, denn sie haben keine Menschlichkeit gegenüber ihren Opfern - den Frauen und Kindern."

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