POLITIK
15/12/2015 05:31 CET | Aktualisiert 15/12/2015 05:34 CET

Ohne eine Spur: Eine uralte Islamische Tradition macht die Geldströme von Terroristen unaufspürbar

Eine Taliban-Wache vor einer Bank in Pakistan
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Eine Taliban-Wache vor einer Bank in Pakistan

Ein Mann sitzt in einem Café in Jordaniens Hauptstadt Amman. Er schaut auf sein Handy, schreibt SMS und Nachrichten per Whatsapp. Was die Gäste nicht ahnen können: Der Mann, der sich Mohammed nennt, ist eine wandelnde Bank.

In den Taschen hat er dicke Geldbündel. Hin und wieder geht er auf die Straße, um dort seinen Kunden Geld zu übergeben oder es in Empfang zu nehmen. Im Gespräch mit der "Welt" erklärte er, wie dieses System zum Versenden von Geld funktioniert: Hawala.

Es ist eine uralte Methode für Geldtransfers: Sie basiert allein auf dem gegenseitigen Vertrauen aller Beteiligten. Im Gegensatz zu Bank-Überweisungen und Western-Union-Transfers ist es anonym und hinterlässt keine Spuren.

Die meisten von Mohammeds Kunden sind Flüchtlinge. Sie wollen ihren Verwandten Geld zukommen lassen. Sie schicken kleinere Beträge in jordanischen Dinar, meist ein paar Hundert Euro. Doch auch Terrorgruppen schätzen die diskrete Art der Geldverwaltung.

Denn das System basiert auf allein auf Bargeld. Dabei übergibt der Sender einem Vertrauensmann eine Summe Geld. Der ruft daraufhin einen weiteren Vertrauensmann am Ort des Empfängers an, und bittet ihn, die gewünschte Summe an den Empfänger auszuzahlen. Der erhält sein Geld sofort - ohne das Geld überwiesen oder Bares mit einem Boten geschickt werden musste.

Experten vermuten, dass auf diese Weise täglich Milliarden durch die Welt geschickt werden. Eine Möglichkeit der Überwachung gibt es für Staaten nicht - das Geld fließt vorbei an Banken, Zollämtern und Steuerbehörden.

Auch von Europa aus fließt so Geld in den Nahen Osten - und landet bei Terrororganisationen. Im Januar berichtete die spanische Zeitung "El Pais", dass in Spanien ein Netzwerk von 250 Kleinunternehmen zur Finanzierung islamistischer Terrorgruppen beiträgt. Dazu gehörten Telefonläden, Fleischereien und Lebensmittelgeschäfte, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Polizei- und Geheimdienstkreise. Die Kleinunternehmen überwiesen ohne jede Kontrolle Gelder an Terrorzellen von Al Kaida oder des Islamischen Staates in Syrien.

Im Zuge der Krisen im Nahen Osten hat sich das Netz weiter ausgebreitet. "Die Dschihadisten werben hier nicht nur Terroristen an, sondern versorgen die Terrorgruppen auch von Spanien aus mit Geld", zitierte das Blatt einen Beamten. "Das Netz hat sich in letzter Zeit stark ausgebreitet und umfasst jetzt etwa 250 Hawala-Unternehmen in Spanien."

Ob und wie der IS diese Methode nutzt, ist umstritten.Soweit bekannt, nutzt der IS das Vertrauenssystem nicht oder nur in geringem Maße. Bei anderen Terrorgruppen ist dies allerdings nachgewiesen.

Sicher ist, dass die Taliban Hawala nutzen. 2010 verurteilte ein US-Gericht Mohammad Younis, weil dieser 7000 US-Dollar an den pakistanischen Terroristen Faisal Shahzad ausgezahlt hatte. Der wollte dieses Geld für einen Bombenanschlag auf den Times Square in New York ausgeben. Shahzad hat später zugegeben, dass die Geldsendung von einem Taliban-Netzwerk kam.

Auch Al-Kaida soll Hawala nutzen. Die US-Regierung bezeichnete es als die Hauptmethode, mit der Al-Kaida Geld empfing und versendete: "Seit dem elften September hat der Kern von Al-Kaida sich auf Bargeldüberweisungen durch Hawala und vertrauenswürdige Kuriere verlassen", hieß es in einem Bericht der Regierung. Nur einen Monat nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde es in einem anderen Bericht der Financial Action Task Force, einer Organisation zum Kampf gegen Geldwäsche genannt.

Mohammed sagt, dass auch Dschihadisten zu ihm kämen, schreibt die "Welt". Daher sind die Geheimdienste und die Polizei hinter den Ein-Mann-Banken her. Vor nicht allzu langer Zeit gab es viele solcher Mohammeds in Amman, doch die meisten wurden geschnappt, andere haben aus Angst aufgehört, sagt er.

Zu ihm kämen Leute, die Geld an die Al-Nusra-Front schicken wollen - den syrischen Al-Kaida-Ableger. Er glaubt sie an ihren Bärten zu erkennen und den Regionen, in die das Geld fließen soll. Doch Männer mit Bärten schickt er immer weg.

Mit Dschihadisten will er nichts zu tun haben.

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