GOOD
15/12/2015 14:53 CET | Aktualisiert 15/12/2015 14:54 CET

Diese japanische Stadt ist auf dem besten Weg, gar keinen Müll mehr zu produzieren

Screenshot/Seeker Stories
Diese Stadt ist auf dem besten Weg, gar keinen Müll mehr zu produzieren

Unser Planet vermüllt. Der enorme Plastikberg, der die Erde bedeckt, wird mit jedem Tag höher, an dem wir nicht gegensteuern. In vielen Ländern versuchen die Menschen daher, weniger Müll zu produzieren.

An manchen Orten gelingt das besser als an anderen. Erfreuliche Nachrichten kamen zuletzt aus Frankreich, wo seit Kurzem ein Gesetz Supermärkten verbietet, Lebensmittel wegzuwerfen. Ein echter Vorreiter bei der Vermeidung von Müll aber kommt aus einer Region, die wohl keiner auf der Rechnung hatte.

Die Stadt Kamikatsu in Japan ist auf einem guten Weg, bald überhaupt keinen Müll mehr zu produzieren.

Müllfrei leben: Wie schafft die Stadt das?

Laut einem Dokumentarfilm von Seeker Network startete die 1700-Einwohner-Stadt in der Provinz Tokoshima ein striktes Recycling-Programm, nachdem sie das Ausmaß der umweltschädliche Wirkung von Müllverbrennung realisiert hatte.

Seit 2003 reinigen alle Bewohner von Kamikatsu nun ihren Müll und sortieren ihn anschließend - nach 34 Kategorien. Dieser aufwändige Prozess stellt sicher, dass 80 Prozent des Mülls recycelt, wiederverwendet oder kompostiert werden kann. Somit wandern die Materialien in den Produktionskreislauf zurück.

Derzeit landen noch 20 Prozent der Abfälle in der Mülldeponie. Bereits 2020 aber will die japanische Stadt überhaupt keinen Müll mehr dort abladen müssen.

Zum Vergleich: In Deutschland wurden laut Umweltbundesamt im Jahr 2013 69 Prozent aller Abfälle recycelt. Rechnet man zum Beispiel jene Abfälle dazu, die zur Energiegewinnung verbrannt wurden, kam Deutschland auf eine Verwertungsquote von 79 Prozent.

Bewohner bringen ihren Müll in das Recycling-Zentrum

In der Stadt gibt es keine Müllabfuhr. Das bedeutet: Jeder Bewohner ist selbst verantwortlich, alles, was er nicht wiederverwerten oder kompostieren kann, in das städtische Recycling-Zentrum zu bringen. Dort achten Angestellte darauf, dass nur Abfälle angenommen werden, die wirklich nicht recycelt werden können.

In dem Recycling-Zentrum zeigen Schilder an, wie genau jedes Teil, das dort ankommt, wiederverwertet wird und wie viel Geld die Stadt damit spart.

In abgeschwächter Form gibt es diese Art der Müllsammlung auch in vielen ländlichen Gebieten Deutschlands, wo die Bewohner zwar nicht ihren Restmüll, aber ihre Wertstoffe zu Sammelstellen außerhalb der Dörfer bringen müssen.

recycling

Die Bürger bringen ihre Abfälle selbst in die städtische Recycling-Station (Screenshot/Seeker Stories)

Was Kamikatsu in wenigen Jahren geschafft hat, erregt internationale Aufmerksamkeit und übertrifft alle Ziele, die sich Regierungschefs auf der ganzen Welt für ihre Länder je gegeben haben.

Im September diesen Jahres passten die UN ihre Ziele für nachhaltige Entwicklung an, von denen eines darauf ausgerichtet ist, die “internationale Zusammenarbeit bei Recycling und Wiederverwendung” bis 2030 massiv auszubauen.

Kamikatsu ist zum internationalen Vorbild geworden

Kamikatsu aber ist diesem Ziel schon einen entscheidenden Schritt voraus. Neben dem Recycling-Zentrum gibt es in der kleinen japanischen Stadt auch einen “kuru kuru”-Shop, der nach dem Tauschprinzip funktioniert. Kunden können Gegenstände in den Laden bringen, die sie nicht mehr brauchen, und im Gegenzug nehmen sie etwas anderes mit nach Hause.

Und die Wiederverwertung geht noch weiter: In einer Fabrik verarbeiten Angestellte alte Kleidung, Flaggen und Kimonos zu Teddybären, Taschen oder anderen nützlichen Sachen.

Die Bewohner der Stadt räumen in der Dokumentation zwar ein, das Programm sei “harte Arbeit”. Sie sprechen aber davon, die Vorteile ihrer Anstrengungen schon jetzt deutlich zu sehen. Sie hätten das Recyclen in ihre alltägliche Routine aufgenommen. “Am Anfang waren wir nicht begeistert von der Idee”, erzählt ein Bewohner von Kamikatsu in der Doku. “Doch dann haben wir uns daran gewöhnt und jetzt ist es ganz normal.”

Hier seht ihr die Doku in voller Länge:

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Video: Plastik-Müll: Er wirft eine Flasche weg. Gruselig, wie sie wieder zu ihm zurückkommt

Hier geht es zurück zur Startseite