WIRTSCHAFT
14/12/2015 10:20 CET | Aktualisiert 15/12/2015 10:10 CET

Wirbel um Tchibo: Hunderte Nutzer fallen auf Facebook-Post herein

Wirbel um Tchibo: Facebook-Post will Skandal aufgedeckt haben
Screenshot Tchibo
Wirbel um Tchibo: Facebook-Post will Skandal aufgedeckt haben

Die Facebook-Seite der "Netzfrauen" will einem großen Skandal auf die Spur gekommen sein. Und Hunderte Nutzer sind in Aufregung. Denn der Skandal soll sich bei der beliebten Kaffee-Kette Tchibo zugetragen haben.

Zum Hintergrund: Am gestrigen Tag posteten die Netzfrauen einen Beitrag mit der Überschrift: “Vorsicht – ‪#‎Tchibo‬ hat Schlüsselanhänger “Echtpelz-Optik” im Angebot! Es steht kein Herkunftsland drauf.” In dem dazugehörigen Post wird auf einen Schlüsselanhänger im Sortiment von Tchibo verwiesen, der, so legt es der Beitrag nahe, aus Echtpelz bestehen soll.

Geheime Quellen und Krebsgefahr?

Außerdem wird vor gesundheitlichen Folgen gewarnt, falls es sich tatsächlich um Echtfell aus unbekannten Quellen handele. Denn neben dem Tierleid bei der Herstellung würden oft gefährliche und potentiell krebserregende Chemikalien in der Herstellung verwendet.

Vorsicht - #Tchibo hat Schlüsselanhänger "Echtpelz-Optik"im Angebot! Es steht kein Herkunftsland drauf. Online -...

Posted by Netzfrauen on Sunday, 13 December 2015

Für den Vorwurf gibt es ganz offensichtlich keinerlei Anhaltspunkte. Zumal sich Tchibo selbst verpflichtet hat, keine Produkte aus Echtfell zu verkaufen: "Mit unseren Kampagnen verfolgen wir ein klares Ziel: Wir wollen den Tieren helfen. Im Fall der Pelztiere geht das am besten über Aufklärung. Denn eines ist klar: Je mehr die Menschen über das grausame Schicksal der Pelztiere wissen, desto geringer wird die Nachfrage nach Pelz."

Tchibos Antwort ist deutlich

Die österreichische Aufklärungsseite "mimikama" sprach die Firma auf den Vorwurf an, Tchibo nimmt klar Stellung:

"Tierschutz ist uns sehr wichtig, daher verwenden wir seit über acht Jahren keinen Echtpelz mehr. Wir verkaufen keine Kleidung, keine Accessoires oder andere Produkte, die echten Pelz enthalten – und werden dies auch in Zukunft nicht tun. Mit dem Beitritt zum internationalen „Fur Free Retailer Program“ der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ haben wir unsere Selbstverpflichtung 2013 nochmals bestätigt. Anfang 2014 haben wir zudem entschieden, Produkte mit Angora nicht mehr anzubieten.

Um gewährleisten zu können, dass ausschließlich Kunstfasern verwendet werden, wird die Materialzusammensetzung unserer Produkte durch externe akkreditierte Prüfinstitute analysiert."

Stimmungsmache ohne Grund

Das Fazit: Die von den Netzfrauen recht brachial unterstellte These, bei den Schlüsselanhängern handele es sich um grausam hergestellte potentiell gesundheitsgefährliche Produkte, ist nicht zu belegen. Wieso ausgerechnet ein Unternehmen, dass sich bislang im Sinne des Tierrechts verhalten hat, zur Zielscheibe der Kritik wurde, ist nicht nachvollziehbar.

Die Netzfrauen reagieren auf die Kritik an ihrem Beitrag überaus dünnhäutig:

Sollen wir demnächst auch erst Nestlé fragen, ob der Konzern eine Abfüllanlage in Afrika hat - Sollen wir in Zukunft...

Posted by Netzfrauen on Monday, December 14, 2015

UPDATE (15.12.2015):

Eine Vertreterin der "Netzfrauen" hat sich mit einer Stellungnahme bei der "Huffington Post" gemeldet. Die "Netzfrauen" hätten im Rahmen ihres Posts eine entsprechende Anfrage an Tchibo gestellt. Die Sachlage werde derzeit geprüft, man habe Tchibo "nie unterstellt, dass es sich um richtiges Fell handelt".

Weiter heißt es: "Wenn man uns vorwirft, wir hätten veröffentlicht, dass Tchibos Kunstfell gar kein Kunstfell ist, dann ist dieses falsch. In unserem Beitrag, kommt nicht einmal das Wort Tchibo vor."

Hierzu möchten wir wiederrum feststellen, dass der Facebook-Beitrag der "Netzfrauen" das Wort "Tchibo" sehr wohl enthält, siehe oben, erste Zeile.

Aber falls ihr doch selbst einmal Zweifel in Bezug auf eure "Kunstfell"-Schätze habt: In dem Video unten findet ihr einige nützliche Tipps, wie man zwischen Echtfell und Kunstfaser unterscheidet. NB: Den Feuerzeug-Trick bitte nicht bereits im Geschäft durchführen....

Lesenswert:

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