POLITIK
13/12/2015 15:02 CET | Aktualisiert 14/12/2015 02:44 CET

Rechtsruck abgewendet? Front National unterliegt in französischen Regionalwahlen

Der Vorsitzende der französischen Konservativen, Nicolas Sarkozy, geht in Begleitung seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy an die Wahlurne.
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Der Vorsitzende der französischen Konservativen, Nicolas Sarkozy, geht in Begleitung seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy an die Wahlurne.

Der Rechtsruck in Frankreich scheint rückgängig gemacht: In der zweiten Runde der Regionalwahlen unterlag der rechtspopulistische Front National (FN) von Parteichefin Marine Le Pen ersten Umfragen zufolge dem Bündnis der Konservativen um Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

Der FN errang in keiner französischen Region die Mehrheit, wie die Zeitung "Le Monde" berichtet. Die Konservativen siegten demnach in fünf Regionen, die Liste der Sozialisten um den amtierenden Präsidenten Francois Hollande in mindestens vier Regionen.

Umkämpft waren vor allem drei Regionen. In denen hatten die Sozialisten ihre aussichtslosen Kandidaten zurückgezogen oder nicht mehr unterstützt . In Nord-Pas-de-Calais-Picardie, wo FN-Chefin Le Pen vergangenen Sonntag mit 40,6 Prozent klar vorn lag, musste sie sich nun mit 42,8 Prozent dem Republikaner Xavier Bertrand (57,2) geschlagen geben.

Auch in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur unterlag sie. Im ersten Wahlgang hatte die 26-jährige Marion Maréchal-Le Pen, Nichte der Parteichefin, ebenfalls mit knapp 41 Prozent vorn gelegen. Nun unterlag sie mit etwa 45,2 Prozent dem konservativen Kandidaten Christian Estrosi, der auf 54,8 Prozent kam.

In der Grenzregion Elsass trat der Sozialist Jean-Pierre Masseret zur Wahl an - trotz eines von der Parteiführung geforderten Rückzugs. Dennoch gewann der offiziell auch von den Sozialisten unterstützte Konservative Philippe Richert mit 48,4 Prozent gegen FN-Vize Florian Philippot, der bei 36,1 Prozent landete.

Bei der ersten Abstimmung vor einer Woche hatte der FN noch in sechs Regionen vorn gelegen und damit das beste Ergebnis seiner Geschichte errungen. Weil keiner Partei die absolute Mehrheit nach Stimmen gelang, kam es heute zur Stichwahl, in der eine einfache Mehrheit für den Sieg genügt.

Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 59 Prozent und damit höher als bei der ersten Abstimmung, bei der sich gut 43 Prozent beteiligt hatten. Der Front National hatte in der ersten Runde besonders gut bei jungen Franzosen abgeschnitten.

Regierungschef Manuel Valls sagte nach der Wahl, die Gefahr durch Rechtsextreme sei nicht gebannt. Deswegen gebe es weder Erleichterung noch Triumph. Nun müsse "schneller gehandelt werden, um schneller Ergebnisse zu bekommen". Als Beispiele nannte Valls Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und die Ausbildung junger Menschen. Die schlechten Wirtschaftswerte werden der Regierung angelastet.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich zufrieden über den Wahlausgang in Frankreich. "Trotzdem: Das Erstarken rechter und rechtsextremer Parteien in Europa bereitet mir große Sorgen. Ein Rückfall in nationale Abschottung ist das Letzte, was wir heute in Europa brauchen", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Denn das vergiftet nicht nur das Klima, schürt Hass und Zwiespalt zwischen den Menschen, sondern er verhindert zudem die Lösung drängender Aufgaben, mit denen Europa heute massiv konfrontiert ist."

Als möglicher Grund für den Erfolg des FN galten die Anschläge in Paris von Mitte November. Die Angst vor neuen Terrortaten könnte vielen Franzosen das Gefühl gegeben haben, dass die Rechtspopulistin Le Pen mit ihrem Anti-Asyl-Kurs richtig liegt.

Mit Material der DPA

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