POLITIK
13/12/2015 08:49 CET | Aktualisiert 13/12/2015 12:16 CET

Gefährlicher Putin-Kult: Warum Populisten von einem Europa unter russischer Führung träumen

AP
Europas neuer "Führer"?

Egal, wie die zweite Runde der französischen Regionalwahl am heutigen Sonntag ausgeht, eines ist gewiss: Mit dem rechtsextremen Front National (FN)muss in Frankreich auch auf der ganz großen politischen Bühne gerechnet werden. Doch wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) meint, hat die Chefin des Front National Marine Le Pen ihren aktuellen Höhenflug vor allem einem Mann zu verdanken: Wladimir Putin.

Als der FN im vergangenen Jahr knapp bei Kasse war, erhielt die Partei von einer russischen Bank einen Kredit in Höhe von neun Millionen Euro. Dabei soll es sich um den ersten Teil eines Gesamtkredits in Höhe von 40 Millionen Euro gehandelt haben. Bei französischen Kreditinstituten waren die Rechtsextremen zuvor abgewiesen worden.

Wie viele andere europäische Rechte gilt auch Marine Le Pen als eine große Bewunderin des russischen Präsidenten: Mehrfach lobte sie ihn dafür, dass er sich nicht "der internationalen Homosexuellen-Lobby" unterwerfe, schreibt die "FAS". Putin sei ein "echter Patriot", der die christliche Zivilisation vor dem Untergang retten könne. Russland sei "auf die Rückbesinnung und auf die Werte der Familie und des Patriotismus" gegründet, ein Lebensmodell, das in der liberalen westlichen Welt nahezu ausgestorben sei. Le Pen will die EU am liebsten abschaffen und durch ein Europa der Vaterländer ersetzten, Russland soll in diesem Gebilde einen wichtigen Platz einnehmen.

Um Europa zu spalten, ist dem Kreml jedes Mittel recht: Getreu nach dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" hat Putin eine große Zahl Bewunderer vom rechten Rand um sich geschart. Als Putin-Fans outeten sich neben dem französischen FN die rechtspopulistische FPÖ aus Österreich, die offen antisemitische ungarische Partei Jobbik, die neonazistische Goldene Morgenröte aus Griechenland oder die "unabhängigen Briten" von Ukip.

In Deutschland nimmt diese Rolle die Alternative für Deutschland (AfD) ein: Deren Vize-Chef Alexander Gauland macht sich schon länger für eine deutsch-russische Achse ganz in der Tradition von Otto von Bismarck für ein engeres Verhältnis zu Russland stark. Gauland zitierte den einstigen preußischen Reichskanzler: Europa gehe es nur gut, wenn Deutschland und Russland an einem Strang ziehen. Auch auf den Veranstaltungen der Pegida-Bewegung wurden immer wieder russlandfreundliche Stimmen laut.

Dass die russische Führung keine Berührungsängste gegenüber der äußersten Rechten kennt, zeigte sich im März 2015 in St. Petersburg. Dort trafen sich 300 europäische Rechtsextremisten zum "Internationalen Russischen Konservativen Forum". Unter den Teilnehmern war auch der NPD-Europaabgeordnete Udo Voigt. Zu diesem "illustren Treffen" eingeladen hatte der Parteichef der nationalistischen russischen Partei Rodia, Dnitrij Rogosin. Er ist heute Putins Vize-Premierminister.

Doch nicht nur in rechten Kreisen stößt Putins Kurs auf Zustimmung: Auch die Linkspartei hat sich bereits kurz nach der völkerrechtlich höchst umstrittenen Annexion der Krim symbolisch hinter Wladimir Putin gestellt. Als sich die russische Führung die "Eroberung" der Krim durch ein umstrittenes Referendum legitimierte, erklärte Fraktionschefin Sahra Wagenknecht, das Referendum sei akzeptabel und müsse daher so hingenommen werden. Das hätten auch Europas rechte Populisten ähnlich gesehen.

In einer durch Flüchtlingskrise und Terrorangst turbulenten Zeit sehnen sich viele Europäer nach einer "harten Hand" und nach einem "Europa der Nationalstaaten". Dies gibt den rechten Kräften Auftrieb. Vorbild ist für sie Putin. Ein Mann, der es ganz alleine mit den USA und der EU aufnimmt. Ein Mann, der - wie am Beispiel Syrien zu sehen ist - nicht nur redet, sondern handelt.

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