POLITIK
13/12/2015 13:03 CET | Aktualisiert 13/12/2015 18:25 CET

Warum so viele junge Franzosen rechts wählen

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Heute gehen die Franzosen erneut an die Wahlurnen - bei sehr unklaren Aussichten auf das Ergebnis der Abstimmung. Es ist die zweite Runde in den Regionalwahlen, deren erster Wahlgang vor einer Woche einen Rechtsruck offenbarte: Der rechtspopulistische Front National (FN) unter Parteichefin Marine Le Pen erzielte mit 27,7 Prozent das beste Ergebnis seiner Geschichte und übertrumpfte damit die Konservativen und die Sozialisten.

Spannend sind derzeit zwei Fragen. Erstens: Wie geht der heutige Urnengang aus, die Stichwahl, nachdem in der ersten Runde keine Partei die absolute Mehrheit erreicht hatte? Möglich ist, dass Parteien des linken Lagers ihre Kräfte in gemeinsamen Listen bündeln, um den FN doch noch auszustechen oder die gemäßigten republikanischen Kräfte um Ex-Präsident Nicolas Sarcozy triumphieren. Eine einfache Mehrheit genügt diesmal.

Zweitens: Wie konnte es soweit kommen? Wieso feiert eine Partei des rechten Lagers so große Erfolge? In etlichen europäischen Staaten sind ultrakonservative Politiker deutlich erstarkt - und zwar vor allem bei Jungwählern.

In Frankreich stimmten im ersten Wahlgang 35 Prozent der Wähler zwischen 18 und 24 Jahren für Le Pen und ihre Leute. Warum ist die Rechtspartei eine Junge-Leute-Partei? Das sind die wichtigsten Gründe:

1. Die Suche nach einer nationalen Identität

Fragt man junge Anhänger der Partei, hört man Sehnsüchte, die man von angeblich entwurzelten Jugendlichen nicht erwartet hätte: "Uns dürstet nach Frankreich, uns dürstet nach unserer Identität, uns dürstet nach Zukunft", sagt etwa ein Aktivist des FN, den die "Welt" befragt hat.

Identität ist ein ganz besonders wichtiges Stichwort - denn danach suchten junge Menschen immer, wie der ebenfalls befragte grüne Europaabgeordnete Jan-Philipp Albrecht in einer Studie herausgefunden hat. Darin heißt es: In der Globalisierung geht das Selbstbild verloren - und als Reaktion besinnen sich viele auf die nationale Identität. Ein zweifelhafter Weg.

2. Das große Zukunfts-Versprechen

Die zentrale Botschaft des FN im Wahlkampf lautet: Bei uns gibt es Lösungen. Die Partei verspricht das, was andere nicht realistisch anbieten können - nämlich eine gesicherte Zukunft. Die steht in vielen europäischen Ländern nämlich in Frage. Frankreich gehört zu den Staaten, die mit hoher Arbeitslosigkeit kämpfen - und zwar insbesondere unter Jugendlichen.

Darauf baut sich auch die Angst bei denen auf, die Arbeit haben: Sie konnten sich oft trotz Höchstleistungen kein Vermögen aufbauen - und leben stets mit der Gefahr des sozialen Abstiegs. Eine Emotion, die Parteien wie der FN bestens in ihrem Wahlprogramm aufzufangen wissen.

3. Nichtwähler spielen den Rechtspopulisten in die Hände

Rund 50 Prozent der Franzosen gingen vor zwei Wochen zur Wahl, diesmal ist die Beteiligung etwas höher. Unter jungen Franzosen allerdings liegt die Zahl weitaus niedriger: Hier wurden beim ersten Wahlgang nur rund 30 Prozent Beteiligung gemessen. Und eine niedrige Abstimmungsquote geht fast immer zugunsten der Rechten aus: "Die FN mobilisiert ihre Wähler besser als andere Parteien", sagt der Soziologe Sylvain Crepon von der Universität in Tours.

Bei der Wahl an diesem Sonntag haben die linken Parteien die letzte Stufe gezündet, um noch einmal so viele Wähler wie möglich in die Lokale zu bringen. Ob es ausreicht, den FN zu übertreffen, zeigt sich dann anhand von Hochrechnungen. Die ersten Umfrageergebnisse werden für 20 Uhr erwartet.

Mit Material von dpa

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