POLITIK
13/12/2015 03:56 CET | Aktualisiert 13/12/2015 04:00 CET

Klimagipfel in Paris: 7 gute Nachrichten zum dem Vertrag, der die Welt retten soll

anyaberkut via Getty Images
architecture of Paris, France, traditional buildings and streets

Bei Ministern und Klimaschützern herrscht Begeisterung: Läuft alles nach Plan, dann haben die Staaten auf dem Klimagipfel in Paris die Erde vor einer künftigen Klimakatastrophe bewahrt. Zugleich läuteten sie das Ende der fossilen Energien Kohle, Öl und Gas ein. Gestern stimmten mehr als 190 Staaten einem neuen Vertrag zum Klimaschutz zu.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bezeichnete Weltklimavertrag als "historischen Wendepunkt". "Wir haben heute alle zusammen Geschichte geschrieben", erklärte die SPD-Politikerin am Samstagabend. Milliarden Menschen hätten lange darauf gewartet, dass die Weltgemeinschaft handelt. "Zum ersten Mal machen sich alle Länder dieser Welt gemeinsam auf den Weg, den Planeten zu retten. Wir haben lange gekämpft und heute ein starkes Abkommen erreicht"

"Wir haben ein Ziel, das in Einklang mit der Wissenschaft ist", sagt der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber. Die Politiker, Industrie und Bürger haben es nun jedoch in der Hand, ob der Beschluss auch umgesetzt wird. Daher hat der Klimavertrag Stärken und Schwächen.

7 Dinge, über die wir uns freuen können:

1. Die Staaten vereinbarten, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf klar unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad. Das Zwei-Grad-Ziel soll die schlimmsten Folgen des Klimawandels abwenden, auch die G7-Staaten hatten sich explizit nochmal dazu bekannt.

2. Zudem sollen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als sogenannte CO2-Senken, also zum Beispiel das Pflanzen von Wäldern, ausgleichen können. "Das ist ehrgeiziger als das Ziel der G7-Staaten, von Kohle, Öl und Gas wegzukommen, weil es alle Treibhausgase, also auch Methan und Lachgas, umfasst", sagt Malte Meinshausen von der australischen Universität Melbourne.

3. Der Vertrag habe zwar keinen Sanktionsmechanismus, "aber man hat es sich gegenseitig in die Hand versprochen", sagte Schellnhuber. "Es wurde Zwang durch Moral ersetzt, was ja oft besser ist." Ähnlich sieht es der Forscher Meinshausen. "Wir hoffen, dass die Staaten mehr machen, als in ihren Klimazielen steht."

4. Johan Rockström, Leiter des Stockholm Resilience Centre, nannte das Abkommen einen Wendepunkt in Richtung 1,5- bis 2-Grad-Ziel, sagte aber zugleich: "Paris ist ein weltweiter Startpunkt." Nun müssten Taten folgen, die im Einklang mit der Wissenschaft bis 2050 zu einer Abkehr von Kohle, Öl und Gas führen. Demnach muss es einen schnellen Strukturwandel bei der Energieerzeugung geben. Es dürften keine Kohlekraftwerke mehr gebaut werden.

5. Ab 2020 müssten zudem die Staaten alle fünf Jahre neue Klimaschutzpläne vorlegen. "Für diese Pläne gilt das verbindliche Prinzip, dass sie nicht abgeschwächt werden dürfen, sondern immer ehrgeiziger werden müssen", sagt Umweltministerin Hendricks. Außerdem müsse jedes Land über seine Treibhausgasemissionen berichten, "damit die Fortschritte nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch der Realität entsprechen".

6. Darüber hinaus enthalte das Abkommen "das feste Versprechen", die Entwicklungsländer beim Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen, lobte Hendricks. Das Abkommen überwinde damit die veraltete Zweiteilung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

7. Anders als bisher ist der Abbau von Treibhausgasen künftig Aufgabe aller Staaten und nicht nur der Industrieländer. Laut Vertrag soll der Ausstoß von Treibhausgasen möglichst bald sinken. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sollen dann nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als an anderer Stelle - zum Beispiel durch Neuanpflanzung von Wäldern - absorbiert werden können.

Was uns Sorgen machen muss:

1. Die vorgelegten nationalen Klimaziele reichen allenfalls, um die Erdtemperatur auf rund drei Grad zu begrenzen. Und das Abkommen schreibt nicht vor, die Klimaschutzpläne schnell zu verbessern. "Wenn diese aber nicht verschärft werden, ist zumindest das 1,5-Grad-Ziel schon begraben", sagt Jan Kowalzig von Oxfam. Die EU etwa solle sofort anfangen, ihr Ziel zu verbessern, von 1990 bis 2030 den Treibhausgasausstoß um 40 Prozent zu senken. "Denn jetzt wird das Ziel in nationale Gesetze umgesetzt, dann ist es erstmal fest. Die EU wird damit mit zum Totengräber des 1,5-Grad-Zieles."

2. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erfüllen, dürften gerechnet von 2011 an nur noch etwa 1000 Gigatonnen CO2 in die Atmosphäre gelangen. "Wenn man die derzeitigen Selbstverpflichtungen der Staaten zusammenrechnet, werden bis 2030 schon 800 Gigatonnen ausgestoßen", sagte Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Es gibt dann nur ein winziges Fenster, um unter zwei Grad zu bleiben, und die Tür zu 1,5 Grad ist dann geschlossen."

3. US-Präsident Barack Obama hat den nach zähem Ringen beschlossenen Klimavertrag von Paris gewürdigt. Die Teilnehmer des Treffens in der französischen Hauptstadt hätten gezeigt, "was möglich ist, wenn die Welt als Einheit zusammensteht", sagte Obama am Samstag in Washington. Zugleich mahnte er, der Vertrag sei nicht perfekt. Selbst wenn alle anfänglichen Zielsetzungen erfüllt würden, sei das Problem noch nicht gelöst. "Wir können daher nicht selbstzufrieden sein", so Obama.

Mit Material der dpa

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