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12/12/2015 14:35 CET | Aktualisiert 15/12/2015 10:37 CET

Ist das die Lösung aller Kinderbetreuungsprobleme in Deutschland?

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Ist das die Lösung aller Kinderbetreuungsprobleme in Deutschland?

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Es sind leere Gänge. Ab und zu kommt ein Senior mit Rollator vorbei. Ein steriler Geruch nach Krankheit und Alter liegt in der Luft.

Eine leblose Szene ohne Hoffnung.

So oder so ähnlich stellen sich viele Menschen ein Altersheim vor. Einen Ort, den niemand gerne besucht und jeder nach Kräften vermeidet. Besonders Kinder sollen das Leid des Alters nicht sehen.

Doch warum eigentlich? Sind Altersheime wirklich so trostlose Orte, die man Kindern nicht zumuten kann?

Zusammentreffen der Generationen

In einer bayerischen Seniorenresidenz wird diese Frage ganz klar beantwortet: Nein. In der Seniorenresidenz Sankt Benediktus im bayerischen Bad Kötzting begegnen sich Kinder und Senioren jeden Tag. Und dabei gehen sie ganz normal miteinander um.

Der Grund dafür: Die Kita “Montessori Glückskinder” zog im März 2015 auf den leerstehenden Dachboden des Seniorenheims.

Was eigentlich ganz zufällig entstand, ist nach fast zehn Monaten bereits ein erfolgreiches Projekt. “Wir sind jetzt schon 100% ausgelastet und haben eine lange Warteliste. Ein Traum, dafür, dass es uns erst so kurz gibt,“ beschreibt die Leiterin der Kita, Petra Freimuth.

Diese Lösung macht alle Generationen glücklich

In den USA gibt es schon seit mehreren Jahren Projekte, die Jung und Alt unter einem Dach vereinen. Der Zweck: Die Ältesten sollen ihre Erfahrungen an die Kleinsten weitergeben.

In Deutschland ist das Modell ein Experiment, das selten zu finden ist. Dabei ist es für Petra Freimuth die beste Erziehungsform “Jung und Alt profitieren davon, dass wichtige Werte vermittelt und der Respekt vor dem Alter gefördert werden.”

Das sei besonders in Zeiten, in denen die Großeltern meist bis ins hohe Alter arbeiten müssten und zunehmend weit von ihren Enkeln entfernt lebten, ein wichtiger Schritt.

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Früher Umgang mit dem Älterwerden

In einer Gesellschaft, in der die Angst vor dem Alter und vor dem Abbau der körperlichen Fähigkeiten weit verbreitet ist, lernen die Kinder hier eine wichtige Lektion: Sie setzen sich mit dem Prozess des Alterns auseinander und gehen ohne Berührungsängste an das Thema heran.

Dann passieren wichtige Dinge: Kinder sprechen die Erzieher an, erzählen ihnen, wie es den Senioren geht und was sie beobachten. "Sie lernen, dass man auf seinen Körper gut aufpassen muss und im Alter zerbrechlich werden kann."

Besonders berührend sei die Begegnung der Kinder mit der pflegebedürftigen Mutter einer Kollegin gewesen: “Sie sind ohne Vorurteile und sehr positiv auf sie zugegangen und ein Kind sagte sogar: ’Können wir das morgen wieder machen?’”

Auch die Senioren sind glücklich

“Ich bin glücklich, dass ich die unbeschwerte, kindliche Fröhlichkeit beobachten kann,” erzählt ein Senior. Das Zusammenleben mit den Kindern erlaubt den Rentnern, ihr Leben wieder aktiver zu gestalten und weniger isoliert zu sein. Dazu gehört etwa, gemeinsam zu singen - denn auch Demenzkranken gelingt es häufig, Liedtexte aus dem Gedächtnis abzurufen.

Möglich ist das Projekt allerdings nur durch das große Engagement aller Beteiligten. Eltern, Seniorenheim und Kita arbeiten für den reibungslosen Ablauf Hand in Hand zusammen. Das klappt so gut, dass manche Kinder gar nicht mehr nach Hause gehen wollen. Sie fühlen sich, als wären sie zuhause.

Petra Freimuth hofft deshalb, dass es bald viele Kitas geben wird, die ihrem Beispiel folgen: “Es ist auf alle Fälle ein Modell der Zukunft.”

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Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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