POLITIK
11/12/2015 01:56 CET | Aktualisiert 14/12/2015 04:18 CET

Bamf-Mitarbeiter attackieren ihren Chef Weise

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ist die wichtigste Behörde in der Flüchtlingskrise. Läuft es dort nicht rund, bleiben Akten liegen, entsteht Frust bei Flüchtlingen und Bevölkerung, wächst Chaos.

Und genau in diesem Amt droht nun die Eskalation. Bekannt ist, dass sich dort Hunderttausende Akten türmen, dass es an Personal und Ausstattung fehlt. Und jetzt droht eine Revolte des Personals gegen die neue Führungsspitze unter Frank-Jürgen Weise. Das berichtet das Magazin "Focus" unter Berufung auf Redemanuskripte einer Personalversammlung von vor wenigen Tagen.

Die Bamf-Mitarbeiter werfen ihrem Chef vor, sich auf ihre Kosten medial zu profilieren. So kritisierte die Gleichstellungsbeauftragte des Bamf, Tanja Biesen, Weise direkt: "Wie haben wir es nur bisher geschafft, ohne eine Person an unserer Spitze, die in jedes sich bietende Mikrofon wiederholt, welch unglaublich unfähigen Haufen er da unter seine weisen Fittiche genommen hat?"

Offenbar stellen die Mitarbeiter Weise direkt infrage. Seit der Übernahme der Bamf-Leitung durch Weise, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist, werde die BA "als Heilsbringer" angepriesen. Bisher sei man aber auch ohne eine "Hausleitung" ausgekommen.

Personalrat Gernot Hüter sagte, den meisten Mitarbeitern ist die konkrete Hierarchie in der Amtsleitung nach wie vor ein gewisses Rätsel". Hüter wandte sich vehement gegen die Reformpläne Weises in der Personalpolitik nach dem Vorbild der Bundesagentur für Arbeit (BA): "Die BA ist die BA und das Bundesamt ist das Bundesamt – und so soll es auch bleiben", mahnte er. Weise leitet das Bamf zusätzlich zur BA seit Mitte September.

Zudem soll Geld verschwendet worden sein. Biesen kritisierte, dass die Unternehmensberatung McKinsey für Millionen Euro angeheuert worden sei, um "offenkundige Erkenntnisse" zu erhalten wie zum Beispiel, dass das BAMF

zu wenig Personal habe.

Die Stimmung jedenfalls ist am Boden. Personalrat Hüter beschrieb das Bamf als Behörde in einer "schier aussichtslosen Situation". Die Stimmungslage im Bundesamt sei so schlecht, wie er es seit seinem Dienstantritt 1993 nicht erlebt habe.

Weise dagegen richtete im "Focus" die unmissverständliche Forderung an seine Mitarbeiter: Er erwarte von jedem, dass er sich verantwortlich fühle, "nichts beschönigt und die Aufgabe angeht".

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