POLITIK
11/12/2015 00:29 CET | Aktualisiert 21/05/2016 14:30 CEST

Talk bei Illner: Islamwissenschaftler will IS mit Humor bekämpfen

dpa
Talk bei Illner: Islamwissenschaftler will IS mit Humor bekämpfen

Das Misstrauen gegenüber Muslimen ist durch die Anschläge in Paris gewachsen. Dazu kommt, dass mehrere Terroristen als Flüchtlinge getarnt nach Europa eingereist sein sollen. Rechtspopulisten nutzen dieses Klima der Angst aus - in Deutschland die AfD, in Frankreich Marine Le Pen und in den USA Donald Trump.

Wie gefährlich ist die Lage? Bringen muslimische Flüchtlinge mehr Bedrohung? In der Einleitung ihrer Talkshow mit dem Titel "Grenzenloses Vertrauen - wen lassen wir ins Land?" fragte die Moderatorin Maybrit Illner: "Wer in dieser Situation weiter Tausende muslimische Flüchtlinge aufnimmt, ist der also ein naiver Gutmensch?"

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Das waren die Aussagen der Gäste im Überblick:

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden: "Nur nicht verrückt machen lassen"

Der Präsident des Zentralrats der Juden war besorgt, dass der Zuzug von Menschen aus islamischen Ländern auch zu einem Anstieg des Antisemitismus führen könnte. Angesichts dessen überraschte er aber mit einem Appell für Integration und einem Festhalten am Asylrecht. Er äußerte die Devise "nur nicht verrückt machen lassen" - so hätte man eigentlich das Motto der ganzen Sendung zusammenfassen können.

CDU-Vize Armin Laschet: "Wir brauchen mehr Europa im Kampf gegen Terror"

Er betonte, dass die Terroristen aus Paris in Europa geboren waren. Das größte Problem bei der Bekämpfung bei der Terrorismus-Bekämpfung sei, dass die Staaten noch viel zu nationalstaatlich arbeiten würden. "Die Terroristen arbeiten über Grenzen hinweg, viel europäischer als die ganzen Staaten", betonte er. "Wir brauchen eine Zusammenarbeit der Sicherheits- und Geheimdienste, so dass alle Informationen, die man hat, untereinander ausgetauscht werden", forderte der CDU-Politiker. "Wir brauchen mehr Europa im Kampf gegen den Terroristen", schloss er daraus.

Laschet forderte, dass jemand, der Deutscher werden wolle, auch die Sensibilität für die deutsche Holocaust-Vergangenheit entwickeln solle. Er wies aber auch darauf hin, dass von muslimischen Flüchtlingen viel Umdenken verlangt werde. Schließlich sei es auch in Deutschland vor ein paar Jahrzehnten noch nicht weit her gewesen - auch heute sei es ja nicht so, dass alle Deutschen geschlossen zum Christopher Street Day gingen.

Sevim Dagdelen von der Linkspartei: "Klare Kante gegen Salafisten"

"Angst ist Gift für die Gesellschaft", sagte die Außenpolitik-Sprecherin der Linken-Fraktion. "Wir dürfen auf gar keinen Fall in die Falle des IS tappen und unsere Freiheit aufgeben". Sie verlangte "klare Kante gegen Salafisten" zu zeigen.

Mahbuba Aykat, Realschullehrerin: "Integration in vielen Ballungsgebieten ist gescheitert"

Die Lehrerin aus Kaiserslautern berichtete davon, dass es an ihrer Schule bereits radikalisierte Muslime gebe. "Die Integration in vielen Ballungsgebieten ist gescheitert“, sagte die Pädagogin. Sie machte sich für ein Integrationspflichtgesetz stark. Sie forderte zudem, dass an Schulen staatlicher Islamunterricht angeboten wird, damit die Religion nicht von Radikalen missbraucht werden könne.

Younes Al-Amayra, Islamwissenschaftler: "IS mit Humor bekämpfen"

Der Islamwissenschaftler, der gleichzeitig Satire auf Youtube betreibt, sagte, dass die Terroristen es nicht schaffen dürfen, die Gesellschaft zu teilen. Er rief dazu auf, den Islamischen Staat zu "entmystifizieren" und ihn mit Humor zu bekämpfen. Schusters Befürchtungen vor einem importierten Antisemitismus entgegnete er, dass es diesen unter Rechtsextreme im Lande ja leider auch so schon gebe.

Peter Neumann, Terrorismus-Forscher: "Flüchtlinge sind keine Gefahr"

Der am Internationalen Zentrum für Radikalisierungs-Studien am Londoner King's College lehrenden Terrorismus-Forscher glaubt, dass Integration von Muslimen und Radikalisierung Probleme seien, die noch auf viele Jahre Herausforderungen für unsere Gesellschaft bleiben dürften.

Gelinge es nicht, die Zuwanderer zu integrieren, wachse tatsächlich die Gefahr, dass dadurch neuer Terrorismus erzeugt werde, sagte Neumann. Er wies aber darauf hin, dass die Flüchtlinge an sich nicht zu einer Gefahr beitragen: "Es gibt keine Hinweise darauf, dass der IS versucht, gezielt Flüchtlinge zu rekrutieren."

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