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10/12/2015 08:52 CET

14 Dinge, die du nur kennst, wenn du Dialekt sprichst

14 Dinge, die du nur kennst, wenn du Dialekt sprichst
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14 Dinge, die du nur kennst, wenn du Dialekt sprichst

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Dein Dialekt ist ein Teil von dir und das ist gut so. Er gibt dir Halt und Identität in einer Zeit, die immer hektischer wird. Er ist ein Stück Heimat, das du überall hin mitnimmst.

Auch wenn sich manche Leute über deinen Dialekt lustig machen, bist du froh, dass du ihn hast. Dazu hast du auch allen Grund. Wir haben uns mit der Sprecherzieherin Ariane Willikonksy unterhalten. Sie bringt Dialektsprechern Hochdeutsch bei und weiß trotzdem, wie wichtig Mundart ist. Falls dich also wieder eine Hochdeutsch-Nervensäge belehren will, sind hier ein paar Dinge, mit denen du antworten kannst:

1. Du bist ein Wortkünstler

Dialekt wirkt bäuerlich und ungebildet, heißt es oft. Doch das ist ein Trugschluss. Denn durch deinen Dialekt hast du einen großen sprachlichen Reichtum. „Jemand, der Dialekt spricht, kennt viel mehr Wörter“, sagt Ariane Willikonsky. „Er kann sich sehr viel genauer ausdrücken, es gibt tausend verschiedene Worte, die eine einzige Sache beschreiben.“

2. Du bist sympathischer

Kennst du das auch? Wenn du Menschen hörst, die deinen Dialekt sprechen, fühlst du dich ihnen sofort verbunden. Dazu ist Dialekt da. „Er schafft Nähe, er macht warm, man kommt in Kontakt“, sagt Ariane Willikonsky. Hochdeutsch wirkt dagegen sachlich und kühl.

3. Du flirtest leichter

Dialekt ist attraktiv - vorausgesetzt du sprichst den richtigen. Zwei Drittel der Deutschen fühlen sich von Menschen angezogen, die Mundart sprechen. Das ergab eine Umfrage der Partnerbörse Friendscout24. Am besten schnitten Bayerisch, Österreichisch und Norddeutsch ab. Am wenigsten attraktiv wirken Hessisch, Sächsisch und Pfälzisch.

4. Im Berufsleben wirst du manchmal nicht ernstgenommen

Dass du Dialekt sprichst, kann in bestimmen Situationen Nachteile haben. Zum Beispiel im Job. „Es ist schwierig, mit Dialekt ernst genommen zu werden und Kompetenz auszustrahlen“, sagt Willikonsky.

Sie erinnert sich an einen Vortrag einer Psychologin, bei dem sie einmal im Publikum saß. Hinterher sagte eine Zuhörerin zu der Referentin: „Ihr Dialekt ist ja so nett.“ Eigentlich ein Kompliment, aber trotzdem nicht besonders schmeichelhaft für die Psychologin. Sie wollte schließlich über das Thema ihres Vortrags sprechen, nicht über ihre Aussprache.

5. Dein Dialekt suggeriert bestimmte Eigenschaften

Ob du willst oder nicht: Dein Dialekt weckt Assoziationen. Wenn du schwäbisch sprichst, halten dich die Menschen vielleicht für penibel und pünktlich. „Beim bayerischen Dialekt denken die meisten an Freizeit, an Berge und Wirtshaus“, sagt Willikonksy. „Wahrscheinlich wird er deshalb immer zum beliebtesten Dialekt gewählt.“ Im Job kann das ein Problem sein. „Unbewusst denken manche dann: Der hockt wahrscheinlich lieber im Bierzelt als zu arbeiten.“

6. Hochdeutsch kann man lernen, Dialekt nicht

Wenn du Dialekt sprichst, können wir dich nur beglückwünschen. Denn du hast die Wahl: Du kannst entscheiden, wann du Hochdeutsch redest und wann Dialekt. „Man kann super Hochdeutsch lernen“, sagt Willikonsky. „Dialekt dagegen saugt man mit der Muttermilch auf.“ Entweder du kannst ihn oder eben nicht.

„Es gibt so viele verschiedene Klangeinfärbungen. Allein die verschiedenen Arten wie man die Silbe ‚ei’ aussprechen kann.“ Das hat etwas mit Lautverschiebungen zu tun, die unmöglich zu erlernen sind. Wenn jemand versucht, einen Dialekt nachzuahmen, klingt das für die Einheimischen immer albern. Willikonsky hört zum Beispiel oft von Kunden, die sich über den Tatort aufregen. Weil dort Schauspieler schwäbisch sprechen, die es nicht können.

7. Du bist intelligenter

Laut Hirnforschern haben Kinder mit Dialekt ähnliche Vorteile wie Kinder, die zweisprachig aufwachsen. Ihr Sprachzentrum im Gehirn wird besser ausgebildet. Dialekt stärkt die Analysefähigkeit und das abstrakte Denken. Außerdem hat eine Studie der Universität Oldenburg ergeben, dass dialektsprechende Kinder 30 Prozent weniger Rechtschreibfehler machen.

8. Dialekte, die vorne im Mund gebildet werden, sind beliebter

Norddeutsch kommt fast überall in Deutschland gut an. Das liegt auch daran, weil es weiter vorne im Mund gebildet wird. Das wirkt offen und direkt. Bayrisch und Österreichisch werden breit gesprochen, auch das wirkt offen. Schwäbisch und sächsisch dagegen klingt für Außenstehende eher lustig. "Beide Dialekte sind rückverlagert", sagt Ariane Willikonsky. Das kommt verschlossen und distanziert rüber.

9. Du bist am Puls der Zeit

Dialekt und Tradition galten früher als verstaubt. Mittlerweile hat die Jugend sie wiederentdeckt. „Meine Kinder schreiben sich auf WhatsApp lustige schwäbische Nachrichten“, sagt Willikonsky. „Sowas haben wir früher nicht gemacht.“

10. Reines Hochdeutsch ist ein Mythos

Kennst du diese Leute, die immer behaupten, sie würden das reinste Hochdeutsch sprechen? Tja, sie reden Blödsinn. Denn Deutsch ist eine sehr bewegliche Sprache, die sich dauernd ändert. „Der Duden orientiert sich am alltäglichen Sprachgebrauch. Er nimmt alles auf, was die Leute sagen“, erklärt Willikonksy. „Damit hat er eine ganz andere Einstellung als zum Beispiel das Sprachinstitut in Frankreich. Dort geht es eher darum, die alte Sprache zu bewahren.“

Es gibt auch in Deutschland Institutionen, die sich das zum Ziel gesetzt haben. „Sie orientieren sich an der Sprache, wie sie zum Beispiel klassische Nachrichtenmoderatoren wie Jens Riewa sprechen.“

11. Und wenn überhaupt, dann kommt Hochdeutsch aus Süd- und Ostdeutschland

Es ist ziemlich unfair: Norddeutsche brüsten sich gern damit, dass sie besonders sauberes Deutsch sprechen. Dabei hat das Hochdeutsche seine Einflüsse eigentlich aus Württemberg, Sachsen, Hessen, Thüringen, Franken und der Pfalz. Für Menschen, die Plattdeutsch sprechen, war die Umstellung auf Hochdeutsch dagegen besonders schwierig.

"Nachdem sie das einmal konnten, war ihnen sozusagen der Sprung in den alten Dialekt zu groß, und sie blieben beim Hochdeutschen", sagt Jürgen Erich Schmidt von der Universität Marburg der "Welt". "Im Süden war der Abstand zwischen Dialekt und Schriftsprache viel kleiner, weshalb sich der Dialekt besser erhalten konnte."

12. Deinen Dialekt verlernst du nie

Gute Nachrichten: Dein Dialekt bleibt dir für immer. Willikonsky sagt; „Man kann ihn nicht abtrainieren. Genauso, wie man das Schwimmen oder Fahrradfahren nicht verlernen kann.“

13. Dein Dialekt ist ein Spiegel deiner Erfahrungen

Es ist faszinierend: Die Menschen, mit denen du zu tun hast und die Orte, an denen du bist, prägen deine Sprache. Deshalb können sogar Sprachforscher bei wenigen Menschen auf die Region genau sagen, wo sie herkommen.

„Einen ganz reinen Dialekt spricht nur jemand, der sein ganzes Leben in einem Ort bleibt.“, sagt Willikonsky. „Aber schon wenn dieser jemand einen einzigen Freund aus einem anderen Ort hat, verändert sich seine Sprache.“

14. Du bist der Hüter eines bedrohten Schatzes

Neben all den frohen Botschaften gibt es auch eine schlechte Nachricht: Zwar bleibt der Klang von Dialekten auch in der heutigen Zeit erhalten, aber ihr Wortschatz geht laut Willikonsky immer mehr verloren. Nicht nur im Dialekt, auch im Deutschen allgemein. „Wir sind eher international als regional aufgestellt. Alte deutsche Worte verschwinden, dafür kommen Anglizismen dazu.“ Ein Grund mehr, deinen Dialekt zu pflegen.


Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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