WIRTSCHAFT
10/12/2015 13:00 CET

Revolution bei der Bahn: Managergehälter sinken bei Verspätungen

Bahnchef Grube: Weniger Geld für Verspätungen?
dpa
Bahnchef Grube: Weniger Geld für Verspätungen?

Es ist eine Meldung, die für Schlagzeilen sorgen wird: Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn will das Gehalt von Bahnchef Rüdiger Grube zukünftig an die Pünktlichkeit der Züge koppeln. Das berichtet die "WirtschaftsWoche" und beruft sich dabei auf Aufsichtsratskreise.

Einen entsprechenden Beschluss will der Rat in einer Sitzung in der kommenden Woche beschließen „Die Erfolgsprämien sämtlicher Vorstände sollen ab 2016 an Pünktlichkeitswerte geknüpft werden“, erklärte ein namentlich nicht bekannter Aufsichtsrat gegenüber der "WirtschaftsWoche". Solche Kriterien existieren bei der Bahn bereits, allerdings nur für die Vorstände im Personenverkehr und der Infrastruktur. Grube und die anderen Topmanager waren von solchen Regelungen bislang ausgeschlossen.

Der Aufsichtsrat stört sich schon länger am Salär der Topmanager des Konzerns. So erhält Rüdiger Grube ein Festgehalt von 900.000 Euro. Inklusive Erfolgsprämien kassierte er im vergangenen Jahr 2,4 Millionen Euro. Den Rätern ist aber keinesfalls die Höhe des Gehalts sondern die Art und Weise, wie die Erfolgsprämien bisher ausgezahlt wurden, ein Dorn im Auge.

Obwohl 2014 der operative Gewinn des Konzerns sank, verdoppelten sich die Boni für den Bahnvorstand auf sieben Millionen Euro. Die geplante Entscheidung der Aufsichtsräte sorgt auch auf der Seite der Arbeitnehmer für Zustimmung: „Die Eisenbahn in Deutschland zeichnete sich in der Vergangenheit durch kluge Vernetzung, ein von Jahreszeiten unabhängiges Beförderungsangebot und eine hohe Pünktlichkeit aus“, sagte Claus Weselsky, Chef der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), der "WirtschaftsWoche".

„Leider sind Netzqualität und Pünktlichkeitswerte derzeit absolut nicht akzeptabel“, so Weselsky. Um diesen Zustand wieder zu erreichen forderte der GDL-Chef ebenfalls, dass die Boni aller Vorstände an die Pünktlichkeit der Züge gekoppelt werden müssten.

Auch die Bahnkunden dürfte diese Meldung freuen: Im vergangenen Jahr häufte die Bahn allein im Fernverkehr 3,79 Millionen Minuten Verspätung an! Der Kleinkrieg, den sich die Bahn und die Lokführer auf dem Rücken der Kunden öffentlich lieferten, spielte bei den Verspätungen und Zugausfällen nur eine geringe Rolle.

Nicht nur die eigene Schlampigkeit macht Europas größtem Verkehrskonzern in letzter Zeit zu schaffen: Die Gütersparte schreibt Verluste, die Fahrgäste wandern in Scharen zu den Fernbussen ab. Die Bahn, so hieß es aus Aufsichtsratkreisen, sei nicht fit für die Zukunft. Um dies zu ändern und um den Rückhalt in der Gesellschaft zurückzugewinnen, wurde Anfang Dezember ein Drei-Stufen-Plan beschlossen. Der Plan, die Managergehälter zukünftig an die Pünktlichkeit zu knüpfen, könnte sich ebenfalls positiv auf das Image des Konzerns mit den zwei großen roten Buchstaben auswirken.

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