POLITIK
09/12/2015 13:55 CET

Türkei erhebt schwere Vorwürfe: Putin soll in Syrien "ethnische Säuberungen" durchführen

dpa
Schwere Vorwürfe gegen den russischen Präsidenten

Es ist eine weitere Eskalationsstufe im Konflikt zwischen der Türkei und Russland: Bei einem Gespräch mit westlichen Medienvertretern in Istanbul hat der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu Russland ethnische Säuberungen in Syrien und eine indirekte Unterstützung der Terrormiliz des selbsternannten Islamischen Staats vorgeworfen.

"Russland versucht im Norden Latakias ethnische Säuberungen auszuführen. Sie wollen in diesem Teil Syriens keine sunnitisch-arabische oder turkmenische Bevölkerung haben. Sie wollen dieses Gebiet ethnisch säubern, damit die Basen des Regimes und Russlands in Latakia und Tartus geschützt werden", sagte Davutoglu. Er warnte vor einem Ansturm von Millionen neuer Flüchtlingen aus Syrien, sollten die russischen Bombardements dort fortgesetzt werden.

90 Prozent der russischen Luftschläge würden nicht dem IS, sondern der gemäßigten syrischen Opposition gelten. Davutoglu erklärte, Putins Luftwaffe bombardiere besonders die Region um Asas, eine Hochburg der moderaten Opposition. Doch die dortigen Oppositionskräfte würden nicht gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad, sondern gegen die Terrormiliz des Islamischen Staats kämpfen.

Die Türkei sei zutiefst verärgert über das russische Bombardement in Syrien. "Wenn das anhält, verlassen weitere drei Millionen Menschen die Region", warnte der nach Präsident Erdogan zweitmächtigste Mann der Türkei. Davutoglu lobte die Gastfreundschaft der türkischen Bevölkerung gegenüber den Flüchtlingen. "Wir hatten kein Pegida", sagte er.

Seit dem türkischen Abschuss eines russischen Bombers über Syrien herrscht Eiszeit zwischen den beiden Ländern: Die Provokationen hatten sich zuletzt immer weiter hochgeschaukelt. Wladimir Putin hatte der Türkei vorgeworfen, das Flugzeug abgeschossen zu haben, um den Ölhandel mit den IS-Milizen zu sichern.

Ungemach droht der Türkei nicht nur mit Russland, sondern auch mit dem Irak: Die Regierung in Ankara hatte 150 Soldaten und mindestens 20 Panzer in den Nordirak entsannt, um dort stationierte türkische Soldaten zu schützen und die Truppen der kurdischen Peschmerga im Kampf gegen den IS auszubilden.

Die irakische Regierung dementierte türkische Berichte, dass die Soldaten mit ihrem Einverständnis dort eingesetzt werden. Am Dienstagabend war ein 48 Stunden langes Ultimatum abgelaufen, dass Ministerpräsident Haidar Al-Abadi der Türkei zum Abzug der Soldaten gegeben hatte. Der Irak und auch Russland hatten gedroht, den Fall ansonsten vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen.

Mit Material von dpa.

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