LIFESTYLE
09/12/2015 14:12 CET | Aktualisiert 10/12/2015 11:12 CET

22 Probleme, die du nur kennst, wenn du aus Franken kommst

2015-12-08-1449555156-597177-ontour.jpg

"Gott sei Dank, ich bin a Frank": Franken wissen, dass sie in der schönsten Region Deutschlands zu Hause sind. Doch auch das Paradies hat seine Schattenseiten - fragt doch nur mal Adam & Eva! Auch die Franken haben es also nicht immer leicht und haben mit einigen ganz speziellen Problemen zu kämpfen. Eine Auswahl:

1. Die fränkische Sprache kann zu Verwirrungen führen: Vorzugsweise im Sommer geht der Franke „Auf'n Keller“. Ja, ihr habt richtig gelesen. Ein Keller – meist auf einer Anhöhe gelegen – ist das fränkische Pendant zum Biergarten. In Forchheim existiert gar ein ganzer Wald, in dem sich ein Keller an den anderen reiht. Einer der schönsten Keller ist der Spezial-Keller in Bamberg. Von dort aus hat man eine grandiose Aussicht auf die Weltkulturerbe-Stadt.

2. Noch ein Beispiel: Immer rund um Pfingsten fährt der Franke nach Erlangen und geht „Auf'n Berg“. Nein, Erlangen ist kein Hot-Spot für Freunde von gesunder Höhenluft. Jedes Jahr zu dieser Zeit steigt in der Stadt auf dem Burgberg die Erlanger „Bergkirchweih“ (fränkisch: Bergkerwa), das wohl beste Volksfest überhaupt.

3. Überhaupt sind die Franken keineswegs zu stur, wie oft behauptet. Der Franke weiß, wie man Feste feiert. „Kerwas“ gibt es in jedem noch so kleinen Dorf, die Bierpreise können dir Freudentränen in die Augen treiben.

4. Der Franke ist ein Freund der Verniedlichungen: Bestes Beispiel ist das Wort „Schäuferla“, demzufolge eine kleine Schaufel. Schäuferla, eines der fränkischen Nationalgerichte, ist die hiesige Variante des Eißbeins und wird meistens mit Kloß und Sauerkraut serviert. Seinen Namen erhielt dieses wohlschmeckende Stück Fleisch von der Schulter des Schweins, aus der es entnommen ist und die wie eine Schaufel aussieht. Aber Vorsicht: Trotz der hübschen Verniedlichung ist ein Schäuferla alles andere als ein Snack für zwischendurch, sondern ein ordentlicher Fleischberg, der erst einmal bezwungen werden muss.

5. Jeder glaubt, über Nürnberger Bratwürste mitreden zu können. Jeder hat diese kleinen Würstchen vermutlich schon einmal gegessen und meint deshalb ein Kenner zu sein. Wirklich? Dafür muss man die „Fränggische“ aus dem Ansbacher Landkreis probiert haben, oder die rauchige „Coburger“, die ganz traditionell über "Kühle" (also Kiefernzapfen) gebraten wurde.

6. Niemand weiß, dass es hier guten Fisch gibt. Franken ist ein echtes Karpfenland. Hier kann man den großen Fisch in den verschiedensten Variationen kosten – blau, gebacken, als Tartar... Nur leider gibt es die Köstlichkeiten nur in Monaten mit einem "r" im Namen.

7. Süß können die Franken aber auch, weiß nur keiner so recht. Jeder kennt Haribo und Katjes. Trolli ist unbekannter, aber eben (zugegeben nach Haribo) das größte Fruchtgummi-Unternehmen in Deutschland. 120.000 Leckereien produziert Trolli jährlich für 72 Ländern. Bekannter sind natürlich die Lebkuchen – und die gibt es in Nürnberg in den richtigen Fachgeschäften übrigens das ganze Jahr.

8. Franken wissen sehr wohl, dass sie Teil des besten Bundeslandes sind. Tief im Herzen wollen sie aber gar nicht zu Bayern gehören. Doch eine fränkische Unabhängigkeit ist aktuell wenig realistisch.

9. Franken müssen mit den ungeliebten Bayern "unter einem Dach leben". Das ist schon Problem genug! Daher versuchen sie die Bayern so gut es geht zu ärgern. Besonders im Fußball, ganz besonders wenn es gegen den FC Bayern geht. Der größte fränkische Sieg gegen den Münchener Renomierclub datiert vom 14. August 1994, als der TSV Vestenbergsgreuth den amtierenden deutschen Meister in der ersten Runde des DFB-Pokals mit 1:0 nach Hause schickte. Wohl kein anderes Spiel hat die ewige Fußball-Weisheit „der Pokal hat seine eigenen Gesetze“ so geprägt wie dieses.

10. Wenn man Franken und Sport denkt, kommen einem zu aller erst die in letzter Zeit nur mäßig erfolgreichen Traditionsvereine 1. FC Nürnberg und SpVgg Greuther Fürth in den Sinn. Leider. Dass fränkischen Vereine auch ganz vorne mitmischen können, zeigen die Brose Baskets aus Bamberg, die bereits seit einigen Jahren das absolute Aushängeschild des deutschen Basketballs sind.

11. Franken hat in seiner ruhmreichen Geschichte unzählige berühmte Persönlichkeiten hervorgebracht, trotzdem wird die Region stets als erstes mit Deutschlands begnadetstem aber gleichzeitig auch peinlichstem Ex-Kicker in Verbindung gebracht: Lothar Matthäus. Warum eigentlich? Hat es doch längst nicht nur "Loddar" aus dem beschaulichen Franken in die große weite Welt geschafft, man denke nur an Henry Kissinger, Dirk Nowitzki oder den Erfinder der Blue-Jeans, Levi Strauß. Wie hat es einmal ein bekannter fränkischer Kabarettist treffend auf den Punkt gebracht: „Ohne uns Franken würden die Amis immer noch nackt rumlaufen“.

12. Dass der fränkische Dialekt einige Besonderheiten hat, ist hinreichend bekannt. Doch das dem Franken die Buchstaben "t“ und "k“ gänzlich unbekannt sind, ist ein plumpes Vorteil, mit dem endlich einmal aufgeräumt werden muss. Denn: Seine Bratwürste ist der Franke am liebsten mit „Senft“. Sein Auto stellt er in die Garage, also: „nei die Karasch“!

13. Und noch eine Anmerkung: “Passt scho!” Nicht-Franken glauben, dass dies eine ausweichende Antwort sei oder gar abwertend gemeint wäre. Doch so sind die Franken nicht. “Passt scho” ist schließlich das höchste Lob, das wir kennen. Getreu dem Motto “Nicht geschimpft, ist gelobt genug“.

14. Solche Besonderheiten hätte der werte Fernsehzuschauer auch dieses Jahr vielleicht zu hören bekommen. Doch offenbar glaubt irgendwer Fränkisch klingt wie Bairisch. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass in der Event-Triologie „Tannbach – Schicksal eines Dorfes“ die Protagonisten bairisch reden – und das obwohl die Geschichte des oberfränkischen Dorfes Mödlareuth erzählt wird?

15. Franken haben nicht nur einige ganz spezielle Probleme, sie wissen auch, was zu tun ist, um Probleme zu vermeiden. Ohne eine fränkische Erfindung wären Millionen Kinder auf der ganzen Welt weitaus weniger glücklich: Die Rede ist von Playmobil.

16. Jeder verbindet Bayern mit Bier. Aber um eines klar zu stellen: Die Franken lieben Bier wirklich, brauen das beste Bier und trinken sehr viel davon. Und die kleine Gemeinde Aufseß im Landkreis Bayreuth kann mit der höchsten Brauerei-Dichte der Welt aufwarten und hat es deswegen gar ins "Guiness Buch der Rekorde" geschafft: Auf 1321 Einwohner kommen vier Brauereien. Eines der bekanntesten und schmackhaftesten Biere ist das „Schlenkerla Rauchbier“ aus Bamberg. „Schlenkerla“ schmeckt gut – um Längen besser etwa als die „Modebrühe“ aus dem irischen Guiness – sieht gut aus und macht schön. Da können auch noch so viele Preußen daher kommen und behaupten, Rauchbier würde so schmecken, als hätte eben noch eine Zigarre im Bier geschwommen.

2015-12-09-1449686697-174565-IMG_438912266461317.jpeg

17. Dass die schönste Region keineswegs nur Bier sondern auch hervorragenden Wein zu bieten hat, vergisst man leider viel zu oft: Im Würzburger Raum reifen Trauben für edle Tropfen heran.

18. Franken ist groß und hat weitaus mehr zu bieten als die Metropolregion Nürnberg, die Weinstadt Würzburg oder Bayreuth mit seinen weltberühmten Wagner-Festspielen. Die Altstadt vom Bamberg ist nicht umsonst bereits seit mehr als 20 Jahren Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Auch Rothenburg ob der Tauber ist auf Grund seiner bestens erhaltenen mittelalterlichen Bebauung ein lohnendes Reiseziel (gerade auch zu Weihnachten!). Oder die Naturparadiese Fichtelgebirge & Fränkische Schweiz ...

19. Nun ist es an der Zeit, um etwas klar zu stellen: Man liest in den Medien immer wieder von Franken, vor allem in den letzten Jahren gerne auch mit dem Zusatz „Skandal“. Um etwaige Verwechslungen auszuschließen: Franken sind in Deutschland keine Währung, sondern (menschliche) Originale.

20. Auch Frankenstein und sein Monster sind keine Franken – vielleicht wären sie es ja gerne und haben daher diesen Namen?

21. Apropos Kostüme. Jeder schaut im Karneval nach Köln, Düsseldorf oder Mainz. Nur die Franken vermutlich nicht, denn die haben die Fastnacht in Franken, die mindestens genauso amüsant ist, wie ihr rheinisches Pendant. Und das ist in ganz Bayern wohl kein Geheimtipp mehr: Dieses Jahr sahen 27,4 Prozent der 14- bis 49-Jährigen die Prunksitzung – also jeder vierte lachte mit. Und mal ganz ehrlich: Wo bitte findet man hübscher verkleidete Politiker als auf der alljährlichen Prunksitzung in Veitshöchheim? Richtig, nirgends!

22. Abschließend nochmal Politik: Das politische Können von Franken wird gerne belächelt oder aufgrund fehlender Relevanz nicht einmal wahrgenommen. Der bayerische Finanzminister Markus Söder (aus Nürnberg) machte zuletzt mit mehr oder weniger klugen Flüchtlingsaussagen von sich reden und an den Hersbrucker Günther Beckstein erinnert man sich, weil er der Ministerpräsident mit der kürzesten Regierungszeit seit 1946 war. Nicht sehr schön. Vor allem weil der zweite Bundeskanzler Deutschlands, Ludwig Erhard, Fürther war. Und der oben erwähnte Henry Kissinger (auch ein Fürther) hat es immerhin zum amerikanischen Außenminister gebracht.

Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

Die neuesten Texte der HuffPost-Tour: