LIFE
09/12/2015 13:43 CET | Aktualisiert 09/12/2015 14:08 CET

24 Dinge, die nur echte Ghettokinder verstehen

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In Deutschland gibt es viele Wohngebiete, die nicht gerade idyllisch sind. „Problemviertel“ nennt man sie, oder „soziale Brennpunkte“. Wenn du an so einem Ort aufgewachsen bist, weißt du, dass die meisten Vorurteile nicht stimmen und dass das Gerede vieler Experten einfach Quatsch ist.

Heute bist du stolz darauf, ein Ghettokind zu sein. Und ja, diesen Ausdruck meine ich ganz liebevoll, schließlich bin ich selbst eins. Deine Kindheit hatte keinen Zuckerguss, oft war es hart. Aber du hast Dinge fürs Leben gelernt, die dir keiner mehr nehmen kann.

Egal ob du in Marzahn, München-Westkreuz oder in einer rauen Kleinstadt aufgewachsen bist: Hier sind 24 Dinge, die nur echte Ghettokinder verstehen:

1. Das Gefühl, wenn deine Mutter im Kaufhaus am Wühltisch gekramt hat.

ICH? Nein, ich kenne diese Frau nicht. Ich stehe hier nur zufällig rum.

2. Du bist mindestens einmal mit einem Typen mitgefahren, der sein Auto illegal getunt hat.

Und jedes Mal, wenn die Polizei vorkam, hat er panisch sein vom TÜV verbotenes Unterbodenlicht ausgeschaltet.

3. So hast du NIE deinen Freitagabend verbracht. Na gut, maximal ein, zwei Mal:



4. Du weißt noch genau, was deine pubertierenden, männlichen Mitschüler mit dieser Figur gemacht haben:

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5. Dabei waren die Regeln doch so einfach:

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6. Deine Freunde und du, ihr habt den ganzen Tag auf der Straße gespielt.

Kein Ballerina-Kurs, keine Klavierstunden, kein Volleyballverein. Nur der Asphalt, eure brillante Fantasie und ihr.

7. Der Spielplatz war so abgewrackt, dass deine Eltern dich erst nach einem Vortrag über die Sicherheitsvorkehrungen dorthin gelassen haben.

Das hat dich und deine Freunde nie davon abgehalten, Spaß zu haben.

8. Du konntest schon mit fünf auswendig aufsagen, warum man mit Heroinspritzen nicht spielt, die man im Gebüsch findet.

9. Du hast dauernd diese Leute erlebt, die immer ein Schnäppchen machen wollen

Kundin will eine Tüte mit Brötchen kaufen.

Kassiererin zählt nach: "Wie viele sind das? Zwölf?"

Kundin: "Nein."

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Kassiererin zählt noch einmal nach. "Zwei, vier, sechs, acht, zehn, zwölf. Doch, es sind zwölf."

Kundin: "Achso, ok."

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9. Drei magische Worte: Lans, Großraumdisco, 99-Cent-Party.

10. Wenn du nach der Schule mit deinen Freunden durch das Viertel gezogen bist, hat immer irgendjemand einen Typen mitgebracht, den du davor noch nie gesehen hast.

Und den du danach auch nie wieder sehen wirst. Du hast keine Fragen gestellt.

11. Wenn jemand zu epileptischen Anfällen neigt, sollte er in der Vorweihnachtszeit lieber nicht durch dein Viertel gehen.

Dann blinkt es an den Fenstern wie bei einer Lasershow im Strip-Club. Und nein, playmobilblau ist KEINE besinnliche Farbe für eine Lichterkette.

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12. In deinem Viertel ist wirklich jeder in Weihnachtsstimmung.

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13. Vielleicht bist du irgendwann auf eine Schule in einem anderen Stadtteil gewechselt und dort gab es den einen Mitschüler, der auch in deinem Viertel wohnt.

In der Schule hattet ihr nichts miteinander zu tun. Aber wenn ihr euch in eurer Straße begegnet seid, habt ihr ein anerkennendes Kopfnicken ausgetauscht. Damit war alles gesagt.

14. Du hast eine natürliche Abneigung gegenüber Unterführungen.

Weil du nie weißt, was du diesmal darin findest.

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15. Du hast dich schon immer gefragt, welches stadtplanerische Genie Wohnblocks SO verschönern will.

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16. Wenn Besuch zu dir nach Hause finden wollte, musste er sich nur am Ghetto-Dreieck orientieren: Sonnenstudio, Spielcasino, Mucki-Bude.

17. So sah es aus, wenn du einen Tag im Grünen verbracht hast:

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18. Generell ist die Naturverbundenheit in deinem Viertel nicht besonders ausgeprägt.

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19. Früher konntest du nicht erwarten, aus diesem Viertel wegzukommen.

20. Heute kehrst du immer wieder gern dorthin zurück. Weil überall die Erinnerungen sind.

21. Und wenn du dann nach Jahren mal wieder daheim bist, merkst du: Die Gentrifizierung hat begonnen.

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22. Ich meine, ernsthaft: WTF, Penny??

luxus penny

23. Früher hast du die Kinder aus besseren Wohngegenden beneidet. Jetzt nicht mehr.

Inzwischen hast du gesehen, wie einige von ihnen schon mit Alltagsproblemen überfordert sind. Dich dagegen kann so schnell nichts mehr schocken.

24. Du hast die wichtigste Lektion schon früh gelernt: Es kommt nicht darauf an, wie du wohnst, sondern mit wem du zusammen bist.

familie


Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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