POLITIK
09/12/2015 05:03 CET | Aktualisiert 09/12/2015 10:06 CET

Beate Zschäpe packt vor Gericht aus - sie bestreitet von den NSU-Morden gewusst zu haben

Ein großer Tag im NSU-Prozess: Beate Zschäpe bricht ihr Schweigen und sagt nach einigen turbulenten Monaten vor Gericht aus. Ihr Anwalt Mathias Grasel liest ihre Aussagen vor. Zschäpe und dem NSU werden zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge zur Last gelegt.

Die Huffington Post dokumentiert die wichtigsten Punkte von Zschäpes Aussgae:

Laut Reportern im Gericht wirkt Zschäpe regelrecht aufgekratzt. Sie lächelt, flüstert ihren Anwälten Dinge ins Ohr und blickt aufmerksam in den Gerichtssaal. So kannten sie Beobachter bislang nicht.

Die Verlesung beginnt. Es geht um die Kindheit der Hauptangeklagten Zschäpe in der DDR, um Alkoholprobleme und Streitigkeiten mit ihrer Mutter. Von der Mutter habe sie so gut wie kein Geld bekommen, so dass sie sich an kleineren Diebstählen habe beteiligten müssen.

Wie war ihr Verhältnis zu den beiden anderen mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt? An ihrem 19. Geburtstag habe Zschäpe Böhnhardt kennengelernt. Sie habe sich in ihn verliebt, sei aber noch mit Mundlos zusammen gewesen. Kurz nach Mundlos' Wehrdienst hätten sie sich getrennt. Anschließend sei sie eine Beziehung mit Böhnhardt eingegangen. So sei sie stärker in Kontakt zu Böhnhardts Freunden gekommen, die nationalistischer eingestellt gewesen seien als die von Mundlos.

Zschäpe bestreitet, von den NSU-Morden gewusst zu haben. Laut ihrer Aussage hatten ihre Freunde Mundlos und Böhnhardt im September 2000 in Nürnberg den türkischen Blumenhändler Enver Simsek erschossen. Sie habe erst drei Monate danach davon erfahren, ließ Zschäpe erklären. Bis heute kenne sie das Motiv für den Mord nicht. Und sie versichert: Sie habe den beiden erklärt, dass sie sich der Polizei stellen wolle. Daraufhin hätten Mundlos und Böhnhardt mit Selbstmord gedroht.

Sie gesteht Brandstiftung. Und so kam es dazu: Im Radio habe sie im November 2011 gehört, dass ein Wohnmobil mit zwei Leichen entdeckt worden war. Ihr sei sofort klar gewesen, dass das ihre beiden Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sein müssen. Vor der Brandstiftung sei sie durchs Haus gegangen, um sicherzustellen, dass sich niemand mehr darin befinde.

Die vielleicht wichtigste Aussage: Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe war angeblich kein Mitglied des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). Sie lässt mitteilen: "Ich weise den Vorwurf der Anklage, ich sei ein Mitglied einer terroristischen Vereinigung namens NSU gewesen, zurück".

Zum Schluss eine Aussage, die Vertretern der Opfer besonders wichtig war: Die mutmaßliche Terroristin bat die Opfer der Terrorgruppe NSU um Entschuldigung. "Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Opfern und allen Angehörigen der Opfer der von Mundlos und Böhnhardt begangenen Straftaten".

(mit Material von dpa)