ELTERN
08/12/2015 03:52 CET | Aktualisiert 08/12/2015 03:52 CET

Kinder zu Küssen und Umarmungen zu zwingen, schadet ihrem Kind auf vielerlei Weise

Small boy kissing his grandmother
Thanasis Zovoilis via Getty Images
Small boy kissing his grandmother

Wer kannte das nicht als Kind? Die ganze Vorweihnachtszeit ist bereits erfüllt von einer subtilen Aufregung, die sich immer weiter steigert, je näher Weihnachten rückt. Alles ist festlich geschmückt, das ganze Haus duftet nach Plätzchen und Tannengrün.

Doch da gibt es eine Sache, die den Weihnachtszauber ein wenig trübt. Aufdringliche Verwandte. Auch wenn wir kaum eine Ahnung haben, wer diese Menschen eigentlich sind und wir sie auch nur dieses eine Mal im Jahr zu Gesicht bekommen, stehen sie mit ausgebreiteten Armen plötzlich in unserer Haustür und wollen uns nicht nur feuchte Küsse aufdrücken, sondern erwarten eine ähnliche Hingabe auch von uns.

Auch wenn man damals als Kind oft wenig bis gar keine Lust auf diese Form der Liebesbekundung hatte, gab uns unsere Mutter vielleicht doch mit eindeutigen Blicken und Worten zu verstehen, dass wir besagter Tante, Onkel oder Oma jetzt diesen Gefallen tun sollten.

Wir sind uns sicher, dass Mama es nicht böse gemeint hat und der Verwandtschaft lediglich demonstrieren wollte, dass ihr Nachwuchs keine trotzigen, unhöflichen Gören sind.

Aber es gibt einige Gründe, warum es tatsächlich keine gute Idee - offen gesagt sogar eine ziemlich dämliche Idee ist - seine Kinder zu zwingen, Leute zu umarmen oder küssen, wenn es das nicht möchte:

Es schädigt die Beziehung zwischen Eltern und Kind

Es ist sehr wichtig für ein Kind zu wissen, dass seine Eltern immer hinter ihm stehen. Dieses Urvertrauen sorgt dafür, dass sie auch mit Problemen, Sorgen oder Wünschen zu ihnen kommen und sich ihnen anvertrauen. Eltern und Kinder sollten immer Verbündete sein.

Es mag übertrieben klingen, aber zu sehen, dass die Eltern die Wünsche oder das Wohlbefinden der Tante oder einer anderen Person über das eigene stellen, kann dazu führen, dass Zweifel gegenüber ihrer Verbundenheit entstehen. Natürlich hat man nicht jedes Fehlverhalten eines Kindes prinzipiell zu unterstützen. Aber sein Kind zu zwingen, den alten Onkel zu umarmen, obwohl es deutlich gesagt hat, dass es das nicht möchte, vermittelt ihm den unterschwelligen Eindruck, die Bedürfnisse des Onkels wären den Eltern wichtiger, als seine eigenen.

Es vermittelt ihrem Kind einen falschen Eindruck von Körperlichkeit

Die Entscheidungsgewalt über den eigenen Körper sollte niemand anderes, als man selbst besitzen. Selbst wenn man erst drei Jahre alt ist. Wenn man also sein Kind zwingt, gegen seinen Willen körperliche Zuneigung zu bekunden, bringt man ihm bei, lieber die eigenen Gefühle zu ignorieren, um andere glücklich zu machen.

Ein Kind, das früh lernt, dass ein "nein" auch "nein" bedeutet, ist ein selbstbestimmtes Kind. Natürlich gibt es Situationen, in denen es niemandem ein Bein bricht, höflicher zu sein, als man es gerne wäre. Aber es gibt Grenzen und es ist wichtig, schon früh zu lernen, Grenzen zu respektieren. Und eine verläuft ganz klar dort, wo die körperliche Autonomie eines Menschen beschnitten wird.

Es verschlimmert die Situation noch

Natürlich möchten Eltern, dass ihre Umwelt ihre Kinder genau so wahrnimmt, wie sie selbst: als liebenswerte, kuschelige kleine Geschöpfe. Sie wollen nicht, dass die Oma oder Tante denkt, das eigene Kind sei ein bockiges, verzogenes Balg. Und sie wollen nicht, dass die Gefühle der Oma oder Tante verletzt werden, weil das Kind die Form der Zuneigung verweigert, die sie sich erwünschen.

Das Problem ist nur, dass man diese Situation durch Diskussionen und "erzwungene Küsschen" nicht besser macht, sondern ihr dadurch eher noch mehr Bedeutung verleiht, als eigentlich angebracht wäre. Manchmal haben Kinder einfach keine Lust. Vielleicht empfindet es nicht die gleiche Verbundenheit zu Opa, wie er das tut. Was auch immer die Gründe seien: es macht die Situation nicht weniger peinlich und unangenehm für alle Beteiligten.

Stattdessen machen Sie lieber einfach witzige Bemerkung á la, "Wenn wir so süß aussehen würden, würden wir vermutlich auch in die andere Richtung rennen", oder sagen Sie den Verwandten schon im voraus, dass Ihr Kind nicht sofort auf Kuschelkurs gehen möchte und erstmal seine Zeit braucht.

So kann auch ihre Weihnachtszeit so friedlich, wie möglich verlaufen.

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