POLITIK
07/12/2015 03:37 CET | Aktualisiert 07/12/2015 10:46 CET

Dieses Land wird das nächste Opfer des IS - es liegt Europa gefährlich nahe

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Kämpfer des Nationalen Übergangsrates bei Gefechten in Sirte

Italien ist besorgt. Denn die Terrormiliz "Islamischer Staat“ (IS) breitet sich immer mehr in Libyen aus. Angeblich soll der IS planen, die Mittelmeerstadt Sirte zu einem Stützpunkt auszubauen - ähnlich der Stadt Rakka in Syrien.

Auf Youtube sind Videos zu sehen, die die Flaggen des IS in der libyschen Stadt zeigen. Seit die Miliz im Februar bekannt gab, dass sie Sirte eingenommen hat, treffen immer mehr Kämpfer und Anführer der Terrormiliz ein. Von Sirte aus planen sie Angriffe und Terroranschläge im Rest des Landes.

Ein Bericht der Vereinten Nationen warnt deshalb: Bereits mehr als 800 Kämpfer, die aus Libyen nach Syrien gereist waren, sollen wieder zurückgekehrt sein, um die Stellung der Miliz in dem nordafrikanischen Land zu sichern. Der Bericht geht davon aus, dass Libyen zu einem Ersatz-Stützpunkt werden soll, falls die Miliz aus Syrien vertrieben wird.

Sirte soll also ein neues Rakka werden. Und Italien ist, wie gesagt, nicht weit von Libyen entfernt. Nur 500 Kilometer liegen zwischen dem Bürgerkriegsland und der EU. Die Terroristen sollen sogar Kämpfer an Flugzeugen und einem Flugsimulator ausbilden, um Angriffe auf den Westen auszuführen. Das Ziel: die italienische Hauptstadt Rom.

Trotz dieser Gefahr will sich Italien nicht an einer militärischen Operation gegen den IS beteiligen. Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi hat ein militärisches Engagement seines Landes in Syrien vorerst ausgeschlossen. Das sagte er in einem Interview mit der Zeitung "Corriere della Sera" am Sonntag.

Er führt einen guten Grund an. Als Negativ-Beispiel für einen schlecht durchdachten Militäreinsatz nannte er die Luftschläge, die zum Sturz des libyschen Diktators Gaddafi führten. Und damit später dem IS den Aufstieg in dem Land ermöglichte.

"Was wir am wenigsten brauchen, ist eine Vervielfachung von Spot-Reaktionen ohne strategische Weitsicht." Wir können uns alles erlauben, außer ein Libyen Nummer zwei", sagte Renzi. Vier Jahre Bürgerkrieg in Libyen hätten gezeigt, dass das 2011 vom damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy vorangetriebene Militärengagement "keine glückliche Wahl" war.

Italien sei bereit, alle Formen des Terrorismus zu bekämpfen. "Wenn es eine klare Strategie gibt, sind wir dabei. Aber damit dies geschieht, ist es entscheidend, dass es in Wien ein Abkommen über Syrien gibt und in Rom eines über Libyen", sagte Renzi mit Blick auf die nächsten Sonntag in Rom geplante internationale Libyen-Konferenz.

Die Vorbereitungen für einen Angriff auf den IS in Libyen laufen scheinbar schon. Angeblich bereitet Frankreich bereits Militärschläge in dem Land vor. Französische Aufklärungsflugzeuge wurden über der Stadt Sirte gesehen - die Bomber könnten folgen.

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