POLITIK
08/12/2015 01:17 CET | Aktualisiert 08/12/2015 03:23 CET

Dieser junge Dresdner hat einen großartigen Weg gefunden, sich gegen Pegida zu wehren

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Richard kommt aus Dresden. Er ist in der Stadt geboren und aufgewachsen, kommendes Jahr macht er dort Abitur. Dresden bedeutet für ihn Heimat - und er will nicht zusehen, wie ein Haufen Fremdenfeinde seine Heimat in den Dreck zieht.

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Während am Theaterplatz vor der Semperoper die Pegida-Anhänger Montag für Montag ihre Fahnen schwingen und ihre hetzerischen Parolen rufen, schließt sich Richard deswegen dem Anti-Pegida-Demonstrationszug an - Montag für Montag.

Er macht aber nicht mit, wenn andere Pegida-Gegner “Nazi-Schweine raus” oder “Pegida, wir haben euch zum Kotzen gern” skandieren. Der junge Mann mit der rot gerahmten Brille und dem zerzausten Bart hat seinen ganz eigenen Weg gefunden, sich gegen die fremdenfeindliche Bewegung zur Wehr zu setzen.

Sein Mittel gegen Fremdenhass ist die Musik.

Richard spielt Dudelsack. Die Melodien aus seinem imposanten Instrument sind sogar über den lauten Bass aus der Anlage des Busses hinweg zu hören, der den Protestzug begleitet. “Das ist meine Art zu zeigen, dass mir nicht passt, was Pegida macht”, sagt er. “Die Sprechgesänge werden schließlich auch nicht kreativer”, findet er. Und so recht identifizieren kann er sich mit den feindseligen Parolen eh nicht.

“Ich finde es immer besser, für etwas zu sein als gegen etwas. Mit meiner Musik will ich zeigen, dass ich für eine weltoffene, tolerante Gesellschaft bin”, erklärt er.

Normalerweise kommt der Dudelsack des jungen Sachsen in seiner Band Dresden Pipes and Drums zum Einsatz. Vor einiger Zeit aber kam er auf die Idee, ihn auf die Straße mitzunehmen.

“Ich will mit meinem Instrument ein Zeichen setzen”, sagt er.

Ein Zeichen auch gegen Gewalt. Vergangene Woche, so erzählt Richard, sind Pegida-Anhänger durch die Polizeiabsperrung gekommen, haben Steine auf den Musikwagen geworfen und die Lautsprecher auf dem Dach zerstört.

Jede Woche kommt es zu Zusammenstößen zwischen Pegida-Anhängern und -Gegnern. An diesem Montagabend nimmt die Polizei einen Gegendemonstranten fest, weil er angeblich einen Mann angespuckt hat - der offenbar neben dem Demonstrationszug lief und einen Stein auf ihn schleuderte.

"Freunde überlegen sogar, aus Dresden wegzugehen"

“Es sind weniger Touristen in der Stadt. Viele Leute haben einfach keine Lust mehr herzukommen. Auch zum Studieren. Einige meiner Freunde überlegen sogar, aus Dresden wegzugehen”, erzählt er. Pegida sei zum vorherrschenden Gesprächsthema in seiner Stadt geworden. “Nicht nur montags. Das beschäftigt alle hier ständig.”

Der junge Dresdner ist der Ansicht, dass bei vielen Menschen, die sich Pegida anschließen, einfach die Perspektive das Problem ist.

“Ich war in der zehnten Klasse ein Jahr in Finnland. Das hat meine Sicht auf Deutschland verändert - und mir gezeigt, wie gut es uns hier geht”, erzählt Richard. “Manchmal hilft eben der Blick von außen, um zu verstehen, was man hat.”

Wenn er mit der Schule fertig ist, will er auch erstmal weg. “Ich brauche mal wieder ein bisschen Abstand”, sagt der große junge Mann mit den blonden Haaren.

Bis dahin aber läuft er mit seinem Dudelsack am Montagabend durch die Straßen seiner Heimatstadt, in der Hoffnung, dass seine Melodien den Menschen die Wut und den Hass und das Misstrauen zumindest ein bisschen nehmen.

Ein Dudelsack gegen Intoleranz - das ist doch eine Botschaft, die es wert ist, verbreitet zu werden.

Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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