POLITIK
07/12/2015 03:38 CET | Aktualisiert 07/12/2015 10:49 CET

"Ein Schuss ins Bein": Münchner Unternehmer laufen Sturm gegen Burkaverbot

Dass es im Bundestag zu einer Abstimmung über ein deutschlandweites Burkaverbot kommt, wird immer wahrscheinlicher. Zuerst forderte die CSU auf ihrem Parteitag ein Verbot der Verschleierung (worunter auch der Niqab fällt, der Gesichtsschleier), dann sprangen immer mehr CDU- und SPD-Politiker auf und forderten ein Burkaverbot.

Allerdings gibt es rechtliche Hürden, die ein Burkaverbot wie in Frankreich oder dem Schweizer Kanton Tessin unwahrscheinlich machen. Jetzt gehen in München aber auch die Händler gegen ein Burkaverbot auf die Barrikaden. Der Hintergrund: Sie fürchten, dass die zahlungskräftige arabische Kundschaft wegbleibt.

So sagte Bernd Ohlmann, der Geschäftsführer des Handelsverbandes Bayern gegenüber der "Süddeutschen Zeitung": "Das Burkaverbot ist ein Schuss ins Bein, imagemäßig". Ähnliche Bedenken von Wirtschafts- und Tourismusverbänden gibt es auch beim Burkaverbot im Tessin.

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der CSU-nahen Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, sagte gegenüber der "SZ": "Ein Burka-Verbot würde sich negativ auf Teilbereiche der Wirtschaft, insbesondere Handel und Tourismus, auswirken."

Rund die Hälfte des Geldes, das arabische Touristen in Deutschland ausgeben, lassen sie in München. Dass ausgerechnet die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ein Burkaverbot explizit auch für Touristinnen fordert, sorgt deshalb in München für Kopfschütteln.

Wie sehr München von den arabischen Gästen profitiert, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Die "SZ" zitiert eine Studie der BBE Handelsberatung, wonach Touristen aus Saudi-Arabien pro Tag in München knapp 370 Euro ausgeben und knapp zwei Wochen bleiben.

Allein von Anfang des Jahres bis Ende September haben rund 170.000 arabische Gäste in München übernachtet. Die Touristen aus dem arabischen Raum sind mittlerweile die zweitstärkste Besuchergruppe in München. Aigners Vorschlag eines Burkaverbots scheint vor diesem Hintergrund tatsächlich ein Schuss ins Bein.

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