POLITIK
05/12/2015 11:48 CET | Aktualisiert 05/12/2015 13:50 CET

Russland droht der Ruin - und dieses Land ist schuld daran

Lange hat er sich drohend angekündigt - jetzt steht Russland tatsächlich kurz vor dem Bankrott. Schuld daran ist der stetig fallende Ölpreis. Über den können sich Verbraucher zwar freuen, Förderländer aber bringt er in eine äußerst gefährliche wirtschaftliche Lage.

Die Bedrohung ist so akut wie noch nie. "Sollte der Ölpreis weiter nachgeben und über längere Zeit auf einem niedrigen Niveau bleiben, so steigt das Risiko fiskalischer und finanzieller Destabilisierung signifikant", sagte Sergej Narkewitsch, Analyst bei der PAO Promsvyazbank in Moskau, der “Welt”. Dazu kommt die hohe Inflation. Die "Zeit" zitierte bereits im Sommer die Wirtschaftsuniversität Moskau, derzufolge jeder vierten der 83 russischen Regionen der Bankrott drohe.

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Russlands Wirtschaft ist vom Erdöl abhängig. Das Land zählt zu den größten Energieproduzenten der Welt, 5,5 Prozent der weltweiten Reserven an Erdöl entfallen auf Russland. Im Jahr 2013 machte der Export von Rohöl und Ölprodukten gigantische 54 Prozent der gesamten russischen Exporte aus. Die Preise anderer Exportgüter wie die von Industriemetallen hängen ebenfalls am Ölpreis.

Russland gehen deswegen nun die finanziellen Reserven aus. Als Reaktion auf die wegbrechenden Einnahmen aus dem Ölgeschäft hat Putin in den vergangenen Jahren schon massiv Kosten im Land eingespart. Schon sehr bald aber wird es nichts mehr geben, das eingespart werden kann.

Schuld an dem aktuellen Absturz des Preises für Erdöl ist die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Wider Erwarten konnte sich die Organisation am Freitag nicht auf eine Förderquote einigen. Die Entscheidung sei auf kommendes Jahr verschoben worden, sagte Opec-Generalsekretär Abdalla Salem El-Badri in Wien. Die Folge: Wegen der unklaren Lage sank der Preis für Benzin, Diesel und Heizöl erneut. Die am meisten verbreitete Sorte WTI kostete am Freitag noch einmal 2,6 Prozent weniger, nämlich 40,22 Dollar pro Barrel.

Die Förderquote gibt an, wie viel Erdöl die zwölf Mitglieder des Ölkartells pro Tag aus dem Erdreich entnehmen sollen. Bei vergangenen Treffen hatte sich die Opec auf 30 Millionen Barrel pro Tag als Förderziel geeinigt. Zuletzt hatte das Ölkartell jedoch um die 32 Millionen Fass pro Tag gefördert und damit maßgeblich zu einem erheblichen Überangebot beigetragen. Solange die Förderquote also nicht niedriger wird, steigt auch der Ölpreis nicht wieder.

Dass es zu keiner Einigung innerhalb der Opec kommt, liegt vor allem an einem Land: Saudi-Arabien. Die Saudis haben die stärkste Stimme in dem Kartell. Ohne das Einverständnis der mächtigen Öl-Scheichs des Landes kann es also keine Einigung auf eine Förderquote geben - auf die speziell Russland so dringend angewiesen wäre.

Obwohl Saudi-Arabien so viel Macht in der Opec hat, steckt es ebenfalls in einer schwierigen Lage. Denn: Auch die Scheichs können sich ein derart niedriges Preisniveau für ihren Handel eigentlich nicht leisten. Auch sie haben ein Interesse daran, dass dem Absturz ein Ende bereitet wird.

Warum sie trotzdem verhindern, dass der Ölpreis steigt, hat mehrere Gründe:

1. Saudi-Arabien möchte seinen politischen Einfluss nicht verlieren. Den hat es in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut - dank der großen Ölvorkommen in dem Land. Diese Machtposition verschafft ihnen in diplomatischer Hinsicht in allen diplomatischen Fragen große Vorteile. Schließlich ist gerade der Westen wirtschaftlich von Saudi-Arabien abhängig.

Das Land will mit allen Mitteln Marktführer bleiben. Das bedeutet, dass die Position insbesondere gegenüber den USA verteidigt werden muss. Niedrige Ölpreise schaden den USA, denn dadurch sind viele Produktionsstätten nicht mehr rentabel und müssen geschlossen werden.

2. Saudi-Arabien will verhindern, dass der Iran an den internationalen Öl-Markt zurückkehrt. Schließlich ist der ein weiterer potentiell mächtiger Konkurrent auf dem Markt und vor allem traditioneller politischer Gegner in der Region. Lenken die Saudis nicht ein, wird der Iran den wirtschaftlichen Aufschwung unmöglich schaffen. Neben Russland ist kein Land so sehr auf einen steigenden Ölpreis angewiesen.

3. Die Scheichs wollen ihren Kunden weiterhin großzügige Rabatte geben können. Um ihren hohen Marktanteil halten zu können, haben sie Großkunden im vergangenen Jahr mehrmals Rabatte gegeben - einer der Ursachen für den rasanten Abfall des Ölpreises.

4. Die miserable Lage Russlands dürfte den Saudis zupasskommen. Denn das Verhältnis beider Länder ist angespannt. Saudi-Arabien hatte bereits 2011 gefordert, Syriens Diktator Baschar al-Assad müsse abtreten. Russland dagegen hatte entsprechende Resolutionen im UN-Sicherheitsrat verhindert und hat sich in den vergangenen Monaten demonstrativ hinter Assad gestellt. Außerdem wird Assad vom Iran gestützt - also von der Regionalmacht, die die Saudis möglichst klein halten wollen.

Die Opec liefert rund ein Drittel des weltweiten Rohöls. Das Kartell besitzt sogar drei Viertel der bekannten Reserven. Es wurde 1960 in Bagdad von Saudi-Arabien, dem Iran, dem Irak, Kuwait und Venezuela gegründet. Ziel war es, die Ölquellen selbst zu kontrollieren, statt es den Ölkonzernen zu überlassen, und mit Förderabsprachen auch den Ölpreis zu beeinflussen, um sich stabile Gewinne zu sichern.

Das Ölkartell hatte zuletzt 12 Mitgliedsländer, Indonesien wurde nun als 13. Mitglied aufgenommen. Das Land war bereits von 1962 bis 2009 in der Opec aktiv und liefert etwa 800.000 Barrel pro Tag.

mit Material der dpa

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