POLITIK
05/12/2015 08:40 CET | Aktualisiert 05/12/2015 09:33 CET

Soldatin packt aus: "Der IS ist viel einfacher zu bekämpfen, als die meisten denken"

Die Kanadierin Hanna Bohman kämpft im Irak und in Syrien gegen den IS. Ihre Einheit unterstützt verschiedene kurdische Truppen im Kampf gegen die Terrormiliz. Während ihres Einsatzes stand Bohman bereits mehrmals IS-Kämpfern direkt gegenüber – und die haben die Kanadierin laut eigener Aussage nicht sonderlich beeindruckt.


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Bohman findet, dass die meisten IS-Kämpfer eine "Enttäuschung" sind. Im Interview mit "Business Insider" erklärte die Kanadierin, der IS sei gut darin, sich größer und gefährlich darzustellen, als er tatsächlich sei. Dabei sehe die Situation in der Realität ganz anders aus: "Zahlentechnisch scheinen sie nicht gerade viele zu sein und sie ergreifen schnell die Flucht", sagte sie. Sie vermutet, dass sich die meisten ausgebildeten Kämpfer in Mosul und Al-Raqqah aufhalten.


Laut der Kanadierin werden die Islamisten demnach überschätzt. IS-Kämpfer seien keine unaufhaltsame Macht, sondern lediglich "ein Haufen dreckiger, normal atmender, aber primitiver Schweine, die bei der kleinsten Form von Widerstand abhauen. Wirklich nichts weiter als ein Dorn im Auge".

Saying goodbye to the new lunatics.I mean, recruits.

Posted by Hanna Bohman on Freitag, 30. Oktober 2015


Eine viel größere Gefahr sieht die Soldatin in der Türkei. "Der echte Feind, das sind diejenigen, für die der IS kämpft", sagte Bohman weiter. Dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan wirft sie eine Zusammenarbeit mit den Terroristen vor. Er wolle die Türkei in eine Diktatur umwandeln, um letztendlich alle Kurden umzubringen.

Der Vorwurf der geheimen Zusammenarbeit zwischen Türkei und dem IS ist nicht neu. Ende November wurden zwei türkische Journalisten angeklagt, die beweisen wollten, dass der türkische Geheimdienst Waffen an die Terroristen geliefert hatte. Nach dem Abschuss des russischen Flugzeugs durch die Türkei äußerte Russlands Präsident Wladimir Putin erst kürzlich einen ähnlichen Vorwurf.

Bohman ist aus Überzeugung in Syrien. Bis zu ihrem ersten Einsatz in diesem Frühjahr hatte die 46-Jährige keinerlei Militärerfahrung - sie arbeitete zuvor als Model. Inspiriert wurde sie laut eigener Aussage von anderen Menschen aus dem Westen, die sich frei dazu entschieden hatten gegen den IS zu kämpfen. Im Interview erklärte sie: "Wir glauben daran, das Richtige zu tun und das Böse aufzuhalten, den Hilflosen zu helfen. Wir bringen die Veränderung, die wir sehen möchten".

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