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04/12/2015 10:20 CET | Aktualisiert 04/12/2016 06:12 CET

"Tatort" aus München: So ist "Einmal wirklich sterben"

Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit Christine Lerch (Lisa Wagner) und Kalli (Ferdinand Hofer) im Kommissariat
BR/Bernd Schuller
Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit Christine Lerch (Lisa Wagner) und Kalli (Ferdinand Hofer) im Kommissariat

Der Hype um "Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" nahm sogar für "Tatort"-Verhältnisse, wo die Aufregung ja traditionell groß ist, ein beängstigendes Ausmaß an. Noch Tage danach schwärmten Journalisten, Kollegen und Eltern von diesem Lehrstück deutscher Krimi-Unterhaltung und dem genialen Lars Eidinger als Mörder. Nun nehmen am Sonntag die Ermittler aus München den Dienst auf. Die gute Nachricht für alle, denen diese ganze "Tatort"-Lobhudelei zuletzt ein bisschen zu weit ging, ist: "Einmal wirklich sterben", so der Name des aktuellen Films, dürfte keine tagelange Berichterstattung nach sich ziehen.

In einem Einfamilienhaus in München finden Batic und Leitmayr die tote Michaela Danzer und ihren angeschossenen, bewusstlosen Lebenspartner Daniel Ruppert. Quirin, der sechsjährige Sohn der Toten, ist verschwunden. Er ist anscheinend ein wichtiger Zeuge.

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Bewegendes Drama

Der angeschossene Daniel Ruppert, so stellt sich heraus, hat vor 15 Jahren versucht, seine Familie umzubringen. Er tötete seine Frau und seinen Sohn und versuchte anschließend, sich selbst das Leben zu nehmen. Doch er überlebte. Aber er war nicht der Einzige, der damals dem Familiensuizid entging: Seine Tochter Emma (Anna Drexler), die nun im Verdacht steht, sich an ihrem Vater gerächt zu haben. Doch die junge Frau ist verschollen - und sie scheint den kleinen Quirin in ihrer Gewalt zu haben.

Im Kern des Films steht weniger der aktuelle Mordfall. Zentrum und Ausgangspunkt ist die Familientragödie, die sich vor 15 Jahren ereignete. Ein Mann verliert seinen Job, und weil er Angst hat, nicht mehr für seine Familie sorgen zu können, tötet er diese lieber. Regisseur Florian Imboden inszeniert dieses eingangs bewegende Drama aus mehreren Perspektiven, blickt immer wieder auf das Geschehen zurück und lässt auch einen Kollegen von Batic und Leitmayr, der damals die Ermittlungen leitete, zu Wort kommen. Auch bei ihm hat das Unglück Spuren hinterlassen. In der Gegenwart dreht sich alles um die Frage, wie Emma, die damals von ihrem Vater verschont wurde, mit ihrem Trauma umgeht.

"Tatort" bewegt nicht

Leider verliert der Film nach dem vielversprechenden Auftakt an Schwung und Substanz. Nur sehr oberflächlich wird darauf eingegangen, wie das Leben von Emma nach dem Tod von Mutter und Bruder bis zu ihrem plötzlichen Auftauchen verlaufen ist. Es wäre auch interessant gewesen, wie es Daniel Ruppert gelungen ist, sich ein neues Leben aufzubauen, in dem Wissen, fast seine ganze Familie ausgelöscht zu haben. Doch auch hier bleibt es bei Andeutungen. Stattdessen muss man Batic und Leitmayr dabei zusehen, wie sie im Schneckentempo ermitteln und Emma nur sehr langsam auf die Spur kommen, obwohl von Beginn an klar ist, dass sie die Hauptverdächtige ist.

Die Münchner unterschreiten in "Einmal wirklich sterben" ihre eigene, hoch angesetzte Messlatte. Das Familiendrama zu Anfang bewegt, die restliche Geschichte nicht.

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