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04/12/2015 12:33 CET | Aktualisiert 04/12/2015 17:42 CET

Salz-Warnung in New York - Gastronomen protestieren

Essen kann ungesund sein. Damit das jedem klar ist, gibt es Warnhinweise. In New York jetzt auch bei zu salzigen Nahrungsmitteln. Und schon beginnt die Diskussion: Hilft das? Oder nervt das?

Im Grunde geht es ja nur um einen Teelöffel, dessen Inhalt ist aber gesalzen: New York hat dem "Sodium" (in Deutschland: Natrium) den Kampf angesagt und will seine Bürger, und deren Gäste, salzärmer ernähren. Künftig sollen Symbole in Restaurants auf Speisen hinweisen, die aus Sicht der Verbraucherschützer zu salzig sind.

Eine solche Warnpflicht wollen die Gastronomen jetzt aber kippen. Die National Restaurant Association hat mitgeteilt, sie habe eine Klage eingereicht. Die Begründung: Die Maßnahme werde Kunden verwirren und dazu führen, dass sie ungesündere Entscheidungen treffen, so der US-Gastronomieverband. Und ihrer Ansicht nach sei die geplante Anwendung inkonsequent, da sie nur einige Restaurants treffe. Zudem beruht die Warnung aus Sicht der Betreiber auf einer wissenschaftlich umstrittenen Meinung. Das berichtet "Spiegel Online".

Die Fakten: Nur 2,3 Gramm Salz soll ein Erwachsener pro Tag zu sich nehmen, sagen die Behörden der Stadt New York. Das ist ein Teelöffel und klingt viel, aber verteilt auf Mittagessen oder etwa Salami und Pastrami auf dem Brot, der Portion Pommes Frites um die Ecke oder der Wurst am Abend, ist es nicht viel. Deshalb nimmt jeder Amerikaner auch gut ein Gramm mehr zu sich - etwa 3,4 Gramm. Und das ist eine Ursache für Herz- und Kreislaufkrankheiten.

"Herz-Kreislauferkrankungen töten mehr Amerikaner als alle anderen Krankheiten zusammen", schlägt die New Yorker Gesundheitsbehörde Alarm. Deshalb sollen kleine Salzstreuer in einem Warndreieck künftig auf Speisekarten den Gästen signalisieren, wenn sehr viel Salz am Bacon-Hamburger, den "French Fries" oder dem Steak ist. "Sehr viel" ist es dann, wenn schon eine einzelne Speise den Teelöffel Salz erreicht. "Die Regel gilt vom 1. Dezember an. Vom 1. März 2016 an werden wir Strafen vollstrecken", heißt es von der Behörde.

Die Strafe ist milde: 200 Dollar (etwa 190 Euro) für einen Anbieter, der zu Salziges künftig nicht auszeichnet. Aber geht es trotzdem zu weit? New York ist stolz auf seine Toleranz, aber in vielerlei Hinsicht ist NYC die Stadt der unmöglichen Begrenztheiten: Rauchen? Außerhalb der eigenen Wohnung kaum noch erlaubt! Styropor-Teller? Nicht in New York! Kalorienreiche Getränke? Nicht in großen Bechern!

Die Becher-Regelung war zumindest der Plan des damaligen Bürgermeisters Michael Bloomberg, doch die Getränkeindustrie ging mit einer Werbekampagne ("Wollen Sie sich von Bürokraten vorschreiben lassen, was Sie zu trinken haben?") und per Gericht gegen die Becherregel vor. Sie fiel - obwohl manche Milchshakes mehr Kalorien enthalten, als ein erwachsener Mann den ganzen Tag über zu sich nehmen soll.

"Ist Salz wirklich New Yorks größtes Problem?", ereiferten sich Kritiker über die aktuelle Regelung im Internet. Dabei wird der Sinn der Regel gar nicht unbedingt infrage gestellt - aber ist es Aufgabe des Staates, sogar das Essen zu regulieren? "Das ist Sozialismus", wetterte einer und andere sehen schon einen "Salzkrieg". Der könnte kommen, will die Industrie die Reglementierung durch Bloombergs Nachfolger Bill de Blasio doch nicht einfach hinnehmen.

In der Tat kann man fragen, wie sinnvoll alles ist. Denn die Weltgesundheitsorganisation sieht die Grenze bei fünf Gramm und im deutschen Bundesgesundheitsministerium hält man sogar sechs für vertretbar. Frauen nehmen in Deutschland 8,4 Gramm Salz am Tag zu sich, Männer sogar 10 - sind da 3,4 Gramm wirklich ein Problem?

Für das gesundheitsbewusste New York schon. Fast wie der Hinweis auf Zigarettenpackungen steht auf Speisekarten künftig: "Warnung: Viel Salz kann den Blutdruck und die Gefahr von Herzinfarkten erhöhen." Wie sehr es tatsächlich abschreckt, wird sich zeigen.

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