WIRTSCHAFT
04/12/2015 16:38 CET | Aktualisiert 01/02/2016 13:01 CET

Das ist der Anfang vom Ende der Ölindustrie

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Die Ölindustrie steht an einem Scheideweg. Öl- und Gas-Giganten wie Royal Dutch Shell, ExxonMobil und BP machen immer noch gewaltige Profite mit dem Verkauf von Produkten, die dem Klima massiv schaden. Kein Wunder, dass die Konzerne, die fossile Rohstoffe fördern und verkaufen, zu den größten und deshalb mächtigsten der Welt gehören. Doch mit dem großen Geschäft könnte es bald vorbei sein.

Denn wenn die Klimakonferenz in Paris Erfolg hat, ist die Zukunft der Ölindustrie in Gefahr. Es gibt weltweit zwar reichhaltige Vorräte an Öl, Gas und Kohle und eine Nachfrage für diese Rohstoffe. Aber wenn die Auswirkungen der globalen Erwärmung gelindert werden sollen, müssen Politiker, CEOs und Bürger den Verbrauch der fossilen Rohstoffe eindämmen.

2015 als Wendepunkt

"Wir werden irgendwann in der Zukunft zurückblicken und 2015 als einen großen Wendepunkt für die Rohstoffindustrie sehen", erklärt Andrew Logan, Leiter des Öl- und Gasprogramms in der gemeinnützigen Organisation Ceres, die für erneuerbare Energien kämpft, der Huffington Post.

Weiter sagt er: "Entweder werden die Unternehmen das Warnsignal erkennen und verstehen, dass ihr Geschäft nicht mehr funktioniert - das wäre das positive Ergebnis - oder sie verdoppeln den Einsatz in ihrem bisherigen Geschäft und säen damit die Saat des eigenen finanziellen Untergangs."

Schon jetzt stecken die Unternehmen in massiven finanziellen Schwierigkeiten. Der Ölpreis war in diesem Jahr unberechenbar. Das Überangebot an Erdöl, hauptsächlich auf Grund der vermehrten Produktion der USA, ließ den Preis pro Barrel einbrechen. Der Preis der Ölsorte "West Texas Intermediate" lag am 1. Dezember bei 41,85 Dollar. Goldman Sachs warnte seine Investoren, dass der Ölpreis bis auf 20 Dollar pro Barrel fallen könnte. Noch vor rund einem Jahr lag der Preis bei weit über 100 Dollar.

Das Ende von "Big Oil"

Die sinkenden Profite in der Industrie zwingen die Öl-Riesen teure Forschungsprogramme zu kürzen. Royal Dutch Shell sagte im September Erkundungsbohrungen in der Arktis ab. „Wir befinden uns in einer Zeit in der Ölindustrie, in der die meisten Unternehmen immer noch viele Projekte in den Büchern haben, die älter und günstiger sind und zusätzlich viele Gewinne abwerfen," sagt Logan.

Im Klartext: Noch verdienen die Multis mit ihren alten Feldern, aus denen billiges Öl sprudelt, Geld. Das wird sich aber in Zukunft radikal ändern. Erdöl zu fördern, wird künftig teurer und schwieriger. Kommen noch strenge Klimaschutz-Gesetze hinzu, vielleicht mit Strafzahlungen für Umweltsünder, könnte das der Todestoß für die Industrie sein.

"Die Industrie muss sich also entscheiden, ob sie ihre Gewinne weiter in kohlenstoffhaltige, risikoreiche Anlagegüter investiert will, oder einen neuen Weg einschlägt und etwas anderes mit dem Geld macht", sagt Logan. Unternehmen, die das nicht tun, droht folgendes Szenario:

So ging zum Beispiel das US-Unternehmen Alpha Natural Resources im August pleite. Es förderte Kohle, die immer weniger gebraucht wird. Auch wenn der Konsum des Energieträgers in China hoch bleibt, versucht das Land, das für seinen Smog berüchtigt ist, den Verbrauch zu reduzieren. Eine immer weiter wachsende Zahl von Städten wie New York verbietet die Kohlenutzung völlig.

"Es ist der Anfang vom Ende", sagt Naomi Ages, eine Klimaaktivistin und Anwältin bei Greenpeace, der Huffington Post. "Das Business-Modell der Erdölindustrie rentiert sich nicht mehr. Die Unternehmen müssten in erneuerbare Energien investieren."

Trotz der Zusicherung von über 150 Ländern, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, ergeben Berechnungen der Internationalen Energieagentur, dass die Erdtemperatur bis 2100 auf 2,7 Grad Celsius über den Durchschnitt vor der Industrialisierung steigen wird. Viele Forscher sagen voraus, dass der Anstieg von mehr als 2 Grad das Leben auf der Erde grundlegend verändern würde.

Zwei-Grad-Marke als Grenze

"Die Wissenschaft sagt uns, dass es nur einen Weg gibt, uns einen gesunden Planeten und eine sichere und stabile Wirtschaft zu sichern. Und das ist das Ziel, die Zwei-Grad-Marke nicht zu überschreiten - das ist grundlegend", sagte Christina Figueres, Geschäftsführerin der United Nations Framework Convention (der Klimaschutz-Abteilung der Vereinten Nationen), bei einer Rede vergangene Woche.

Deshalb benötige man einen strengen Beschluss in Paris, der den Umbau zu einer CO2-armen Wirtschaft mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien wie Solar-, Wind- und Wasserenergie zu beschleunigt.

Dass es diesen Beschluss geben wird, ist nicht einmal unwahrscheinlich. Große Banken vergeben keine Kredite mehr an Unternehmen, die Kohle fördern. Die Zahl der Unternehmen, die dem eigenen CO2-Ausstoß einen Preis geben und sich dadurch einen finanziellen Anreiz zur Entwöhnung von den fossilen Brennstoffe schaffen, hat sich seit dem vergangenen Jahr verdreifacht.

Hinzu kommt, dass sich immer mehr Unternehmen verpflichten, ihre Energieversorgung vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen - darunter die Investmentbank Goldman Sachs, der Konsumgüterhersteller Johnson&Johnson, die Kaffeekette Starbucks und der Supermarktgigant Walmart.

Die Uhr für die Giganten der Öl-, Gas und Kohleunternehmen tickt also.

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