POLITIK
03/12/2015 04:04 CET

Der deutsche Geheimdienst warnt vor einem Land, das gerade kaum jemand auf dem Schirm hat

Ungewöhnliche Offenheit: Warum dieser Politiker dem BND große Sorgen bereitet
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Ungewöhnliche Offenheit: Warum dieser Politiker dem BND große Sorgen bereitet

Der Bundesnachrichtendienst (BND) warnt vor einem gefährlichen destabilisierenden Faktor in der arabischen Welt: Saudi-Arabien. "Die bisherige vorsichtige diplomatische Haltung der älteren Führungsmitglieder der Königsfamilie wird durch eine impulsive Interventionspolitik ersetzt", heißt es in einer Analyse des deutschen Auslandsgeheimdienstes.

Besondere Sorge bereitet dem Dienst ein Mann: der neuen Verteidigungsminister der größten Golfmonarchie, Mohammed bin Salman. Die wirtschafts- und außenpolitische Machtkonzentration auf den Vize-Kronprinzen "birgt latent die Gefahr, dass er bei dem Versuch, sich zu Lebzeiten seines Vaters in der Thronfolge zu etablieren, überreizt".

Von der Weltöffentlichkeit wenig beachtet führt Saudi-Arabien bereits Krieg im Jemen. Seit Ende März beteiligt sich die Golfmonarchie an einer internationalen Koalition zur Unterstützung der jemenitischen Regierung gegen die Huthi-Rebellen. Der Konflikt hat das ärmste Land in der Region noch weiter destabilisiert, zudem gibt es immer wieder Berichte über saudische Luftangriffe auf jemenitische Zivilisten.

Mutmaßliches Ziel des saudischen Einsatzes im Jemen: Mit dem Militäreinsatz in seinem Nachbarland würde Saudi-Arabien ein erhebliches militärisches, finanzielles und politisches Risiko eingehen, um im Kampf um die Vormachtstellung in der Region gegenüber dem Iran nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Auch in Syrien liefere sich Saudi-Arabien mit dem Iran einen Stellvertreterkrieg. Während die iranische Regierung als wichtigster Verbündeter von Syriens Machthaber Baschar al-Assad gilt, ist dessen Ablösung das wichtigste Ziel der saudischen Außenpolitik.

Zuletzt sorgte die Ankündigung des Regimes, an nur einem einzigen Tag mehr als 50 Menschen enthaupten zu lassen, für Entsetzen. Doch während die Terroristen des selbsternannten Islamischen Staat für ihre mittelalterlichen Hinrichtungsmethoden geächtet werden, gelten die Saudis weiterhin als wichtigster Verbündeten des Westens in der Golfregion.

"Es ist ebenso mutig wie ungewöhnlich, dass sich der Bundesnachrichtendienst öffentlich und derart kritisch über ein Land äußert, das zumindest offiziell noch immer ein enger wirtschaftlicher und politischer Partner Deutschlands ist", kommentierte die Zeitung "Die Welt" den Bericht am Donnerstag. Und doch sei es "bemerkenswert, wie genau die Analyse des Auslandsgeheimdienstes im Ziel liegt".

Mit Material der dpa.

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