POLITIK
03/12/2015 23:10 CET | Aktualisiert 04/12/2015 04:07 CET

Eine dramatische Entdeckung lässt das Attentat in Kalifornien in einem anderen Licht erscheinen

AP
Das Fluchtfahrzeug nach der Schießerei in San Bernardino

Nach dem Amoklauf im kalifornischen San Bernardino rätseln die Ermittler. War dies ein terroristischer Anschlag mit islamistischem Hintergrund - oder ein persönlicher Streit unter Arbeitskollegen, der tödlich endete? Anscheinend handelten die Täter nicht im Auftrag einer Terrororganisation - doch eine islamistische Radikalisierung könnte bei der Tat durchaus eine Rolle gespielt haben.

Die Behörden machten eine wichtige Entdeckung. Einer der Angreifer unterhielt über soziale Medien Kontakte zu Extremisten, die dem FBI bekannt waren. Dies teilte ein Geheimdienstbeamter am Donnerstag mit.

Der Artikel geht nach dem Video weiter

351 tödliche Schießereien in 334 Tagen: Schießerei in Kalifornien war gestern nicht das einzige Blutbad in den USA

Die Tat schockierte die USA. Der 28-jährige Syed Rizwan F. und seine ein Jahr jüngere Frau Tashfeen M. stürmten am Mittwoch ein Sozialzentrum in San Bernardino und töteten dort 14 Menschen. 17 weitere wurden verletzt. Später wurden sie bei einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen. Zuvor hatte das Paar seine sechs Monate alte Tochter zu deren Großeltern gebracht - das Paar sagte, es habe einen Termin beim Arzt.

attentat kalifornien taeter Der Täter hat eine sechs Monate alte Tochter

Sicher ist, dass die Täter ausgestattet waren wie Terroristen. Das Paar war mit zwei automatischen Gewehren und zwei Pistolen bewaffnet - die Waffen waren legal erworben. In dem Sozialzentrum hinterließen sie drei Rohrbomben, die mit einem ferngesteuerten Zünder versehen waren, der aber anscheinend versagte. Als die Polizei sie stellte, hatten sie noch 1600 Schuss Munition bei sich. In ihrer Wohnung fanden die Ermittler später zwölf weitere Rohrbomben.

Der Mann pakistanischer Abstammung war ein gläubiger Muslim. Vor zwei Jahren reiste er auf einer Pilgerfahrt nach Saudi-Arabien. Dort traf er seine später Frau Tashfeen M., eine Pakistanerin, die mit einem Verlobungsvisum im letzten Jahr in die USA einreiste.

Jetzt versuchen Ermittler herauszufinden, ob der Täter Kontakt zu Terrororganisationen hatte. Die Personen, mit denen F. im Netz kommuniziert habe, seien im Visier des FBI gestanden, jedoch "keine wichtigen Akteure auf unserem Radar" gewesen. Zudem lägen dessen Online-Kontakte schon länger zurück, und es gebe keine Hinweise auf eine "Zunahme" der Kommunikation im Vorfeld der Gewalttat in San Bernardino.

Das Ehepaar sei dem FBI vor der Tat nicht aufgefallen. Zwar seien F. Online-Kontakte ein "potenzieller Faktor." Doch bedeute eine "Verbindung zu Personen, die Gegenstand von Ermittlungen sind, nicht an und für sich, dass man ein Terrorist ist."

Noch Rätseln die Ermittler über das Motiv. "Wir wissen nicht, ob dies ein Streit am Arbeitsplatz war, etwas Größeres oder eine Kombination von beiden", sagte Generalstaatsanwältin Loretta Lynch in Washington. Auch der US-Präsident Barack Obama sagte gestern: "Wir wissen nicht, was das Motiv war."

Es könnte sein, dass es bei der Tat um einen Streit über den Islam ging. Vor zwei Wochen gab es eine Auseinandersetzung zwischen F. und einem Kollegen, dem 52-jährigen Nicholas T., der jetzt unter den Toten ist. Sie sprachen über den Islam, sagte Kuuleme Stephens, eine Freundin des Opfers. Sie rief T. zufällig an, während er sich mit F. stritt. In der Diskussion sei es darum gegangen, ob der Islam eine friedfertige Religion sei oder nicht. F. habe gesagt, dass Amerikaner den Islam nicht verstünden.

Nicholas T. war ein Jude, der den Islam sehr offen kritisierte. Seine Facebook-Seite war gefüllt mit islamkritischen und oft sarkastischen Kommentaren über "Turbanköpfe", in denen er dem Islam unterstellte, eine antisemitische und gewalttätige Religion zu sein.

nicholas t facebook

In Posts wie diesen wetterte Nicholas T., ein Kollege des Täters, gegen den Islam

Ermittler prüfen jetzt, ob dieser Streit über Religionen der Auslöser für das grausame Attentat war.

Verdacht fällt auf Nordkorea: Wie kommen die Geisterschiffe mit Leichen an Japans Küsten?

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite