POLITIK
03/12/2015 08:16 CET | Aktualisiert 03/12/2015 08:17 CET

Milliardengeschäft Zwangsprostitution: Wie Zuhälterbanden Mädchen in die Falle locken

dpa
Der Menschenhandel ist ein Milliardengeschäft

Tenancingo, eine Kleinstadt im Süden Mexikos. Skrupellose Schleuserbanden, die ihr Gewerbe in den letzten Jahrzehnten immer weiter professionalisierten, haben die Stadt zu einer Hochburg des Menschenhandels gemacht. Schon früh lernt man hier die typische Rollenverteilung:

Jungs werden in jungen Jahren dazu getrimmt, einmal ihren Lebensunterhalt als Zuhälter zu verdienen, Frauen und Mädchen werden zur Prostitution gezwungen. Auf der Straße, in örtlichen Bordellen oder in Bars in Mexiko oder gar in den USA müssen sie ihren Körper verkaufen. Sie und ihre Familien wurden zuvor mit Gewalt, Täuschung und Bedrohung gefügig gemacht.

Vom Freund in die Sex-Industrie gezwungen

Rosa war 17, wie "CNN" berichtet, als sie sich hals über Kopf in einen jungen Mann verliebte. Er erzählte ihr, dass er Kleidung verkauft. Bald wurden die beiden ein Paar und Rosa ging mit ihm nach Tenancingo. Als er ihr die schmucken Häuser der Stadt zeigt, sagte er ihr, dass sie eines Tages ebenfalls in einem solchen wohnen würden, wenn er sie zum Arbeiten in die USA begleiten würde.

Rosa stimmt zu, doch kaum waren sie in den USA angekommen, ging die Hölle los: Der Job, den ihr angeblicher Freund ihr versprochen gab es nicht. Stattdessen zwang er sie in die Prostitution. Gegen ihren Willen musste sie in Bordellen in New York und New Jersey anschaffen.

"Ich wünschte, Rosas Geschichte wäre ein Einzelfall, aber leider ist sie das nicht", erklärt Bradley Myles "CNN". Mylers ist Vorstandsvorsitzender von Polaris, einer Organisation aus Washington D.C., die gegen Menschenschmuggler kämpft.

Mehr als 21.000 Fällen in den USA

Im Jahr 2007 hatte Polaris in den Vereinigten Staaten eine nationale Menschenhandel-Notrufnummer installiert. Seitdem registrierte Polaris mehr als 21.000 Fälle.

Mylers ist sich sicher: "Ohne Zweifel sind die Geschichten der Zwangsprostituierten aus Tenancingo mit die herzzerreißendsten und schockierendsten Zeugnisse unserer Arbeit."

Erst vor Kurzem hatte der Fall einer anderen jungen Frau, Karla Jacinto, Entsetzen ausgelöst. Auch sie wurde nach Tenancingo gelockt und nach eigener Schätzung etwa 43.200 Mal vergewaltigt.

Ein Milliardengeschäft

Nach Schätzungen der International Labor Organisation sind weltweit mehr als 4,5 Millionen Menschen Opfer von Zwangsprostitution. Einem hochprofessionellen Gewerbe, das mit kriminellen Geschäften einen jährlichen Umsatz von mehreren Milliarden US-Dollar macht.

Trotzdem ist Bradley Myles zuversichtlich, dass der Kampf gegen die Menschenhändler gewonnen werden kann. Nicht nur die Fälle der moderneren Sklaverei sind in den vergangenen Jahren mehr geworden, immer mehr Opfer können sich aus den Klauen der Menschenhändler befreien und die Hilfe von Organisationen wie Polaris in Anspruch nehmen.

Die Behörden sind in der Pflicht

Um den Menschenhandel in Mexiko zu unterbinden, haben die dortigen Gemeinden noch einigen Nachholbedarf: "Sie müssen die Gewalt gegen Frauen bekämpfen, die Gleichheit von Mann und Frau proklamieren, für eine sichere Migration und für bessere wirtschaftliche Chancen sorgen, dann könnten die Menschenhändler ihre Opfer nicht mehr mit falschen Versprechungen in die Falle locken", so Myles. Außerdem müssten die Regierungen weltweit noch mehr für eine bessere Unterstützung der Opfer tun.

Myles ist sicher, dass die Geschichte von Rosa uns alle inspirieren kann: Ihr ist die Flucht aus der Hand ihrer Peiniger gelungen, mittlerweile hat sie in einer medizinischen Einrichtung in New Jersey eine Therapie absolviert, um die Schrecken ihrer Vergangenheit zu verarbeiten und ein neues Leben zu beginnen. Sie ist in den USA geblieben und hat sich dort ein neues Leben aufgebaut.

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