POLITIK
03/12/2015 18:01 CET | Aktualisiert 03/12/2015 18:16 CET

"Deutschland droht Spaltung": So rechnet ein US-Autor mit Merkels Politik ab

dpa

In den USA wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel lange beinahe kritiklos gefeiert. Dieses Jahr wurde sie wieder vom amerikanischen Forbes-Magazin zur mächtigsten Frau der Welt gekürt - und mit ihrer diplomatischen Art kam Merkel bei den Amerikanern immer besonders gut weg.

Doch Merkels umstrittene Flüchtlingspolitik wird nun auch jenseits von Europa zum Thema. Ein aktueller Kommentar der US-Tageszeitung "The Washington Post" sieht Merkel in einer ernsthaften politischen Krise. Für deutsche Leser ist das nicht unbedingt neu. Aber die Argumente des Autors E.J. Dionne sind auch für deutsche Leser interessant.

Diese fünf Thesen bringt der Autor vor:

1. Merkel steckt der schlimmsten Krise ihrer bisherigen Karriere

Der Autor erklärt, dass Merkels Entschluss, die Grenzen kurzzeitig zu öffnen, ein Paradoxon zur Folge hatte: Einerseits seien die Deutschen stolz darauf, für Humanität zu stehen, andererseits würden viele auch an der Fähigkeit Deutschlands zweifeln, so viele Menschen aufzunehmen – und Zweifel verwandele sich dann häufig in Wut. Die ist jeden Montag bei den vielen Pegida-Demos zu besichtigen.

2. Sie hat keine Rückendeckung von ihrer eigenen Partei

Auch das Zerwürfnis von CDU und CSU wird vom Autor thematisiert. Besonders die Auseinandersetzung mit Horst Seehofer auf dem CSU-Parteitag in München. Zitiert wird zudem Norbert Röttgen, der in einem Interview Merkels Politik für einen dramatischen Wählerverlust der CDU verantwortlich machte. Das Ergebnis: Merkel ist massiv geschwächt.

3. Ihre Politik stärkt die AfD

Auch der Anstieg der Popularität der AfD wird im Artikel angesprochen. Die rechte Partei würde von Merkels Schwäche profitieren.

4. Und trotzdem wird sie die Krise überstehen

Trotz aller Schwierigkeiten sieht man die Krise im Ausland optimistischer als hier. Der Autor schätzt Merkels 3-Milliarden-Euro-Deal mit der Türkei als taktisch kluge Entscheidung: So würden Flüchtlingsströme nach Deutschland begrenzt, ohne dass Merkel ihrer Pro-Asyl-Politik aufgeben müsse. Außerdem bemerkenswert: Der Autor sieht keine ernstzunehmende Konkurrenz für unsere Bundeskanzlerin. "Gegen Merkel zu wetten, lohnt sich fast nie", fügt er hinzu.

5. Die Flüchtlingspolitik könnte die deutsche Politik spalten

Am Ende kommt aber das wohl spannendste Argument von Dionne. In Zukunft könnte die Haltung der Deutschen in politischen Dingen, ähnlich wie in den vergangenen Jahren in den USA, immer weiter auseinanderdriften. Das Ergebnis kann sich niemand wünschen: Die USA ist derzeit so gespalten, dass wichtige politische Projekte liegenbleiben. Die radikale Tea-Party-Bewegung legt Washington lahm - die USA stecken in einer politischen Sackgasse.

Dionne sagt es nicht: Aber die AfD könnte so erfolgreich wie Tea-Party werden. Treibt sie dann die Union in die Enge, könnte auch Deutschland sich in politischen Grabenkämpfen verlieren.

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