WIRTSCHAFT
03/12/2015 16:36 CET | Aktualisiert 03/12/2015 16:38 CET

Kampagne gegen Halal-Fleisch - Islamhasser triumphieren über Supermarktkette

Muslima beim Einkaufen.
thinkstock
Muslima beim Einkaufen.

Es war nur ein kurzes Experiment. Erst Ende November hatte die Supermarktkette Spar damit begonnen, in seinen Wiener Filialen testweise Halal-Fleisch zum Verkauf anzubieten.

Doch mit der Reaktion auf die neuen Produkte hatte die Supermarktkette offenbar nicht gerechnet. Zahlreiche Kunden beschwerten sich daraufhin massiv in den sozialen Netzwerken. Spar reagierte am heutigen Donnerstag dann und stellte den Verkauf von Halal-Fleisch ein.

Vor allem über Facebook und Twitter erntete der Einzelhändler einen regelrechten Shitstorm. „Wir hatten tausende negative Posts auf unseren Seiten“, sagt Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann auf Anfrage der Huffington Post. Ein großer Teil der Einträge sei „ganz offen islamfeindlich gewesen“.

So warf ein Kunde der Firma auf Facebook vor, sie unterstütze durch den Verkauf den Dschihad. „Da wurde dann etwa behauptet, wir sind miese Muslimfreunde“, erzählt die noch immer entsetzte Konzernsprecherin.

Viele Kritiker argumentierten aber auch mit Tierschutzaspekten. „Tiermörder“, war noch eine der harmloseren Beschimpfungen in den Foren. Dass das bei Spar angebotene Fleisch dem Konzern zufolge immer von Tieren stammt, die vor der Schlachtung betäubt worden sind, spielte für die Kritiker keine Rolle.

Eingestellt habe man den Verkauf von Halal-Produkten jedoch nicht wegen der Hass-Kommentare, sagt die Sprecherin. Gestern seien mehrere Spar-Verkäuferinnen „verbal massiv angegriffen“ worden. Für Berkman ist klar: „Da wurde eine Grenze überschritten.“ Das Unternehmen müsse seine Mitarbeiter schützen. Man sei traurig und schockiert über den Tonfall der Diskussion. Nun müsse man „Konsequenzen ziehen“.

Spar zufolge habe es zwischen den Halal-Produkten, die bei der Kette angebotenen wurden, und dem Fleisch aus konventioneller Herstellung, nur einen einzigen Unterschied gegeben: So sei für die Ware während der Schlachtung ein Gebet gesprochen worden.

Unternehmen gehen mit Hater-Kampagnen, wie sie Spar derzeit trifft, sehr unterschiedlich um. Die Rewe-Gruppe, zu der unter anderen Billa, Merkur und Penny gehören, musste schon im August 2013 einen Shitstorm für ihre Halal-Angebote aushalten. Das berichtet die österreichische Zeitung „Der Standard“. Der Konzern reagierte allerdings anders als Spar: Die in Österreich verbreitete Merkur-Kette verurteilte öffentlich die "rassistischen" Kommentare, die Halal-Produkte blieben in den Regalen.

Auch auf HuffPost:

Weihnachten: Tipps für mehr Weihnachtslust statt Weihnachtsfrust

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite