WIRTSCHAFT
02/12/2015 11:42 CET | Aktualisiert 26/01/2016 06:50 CET

Lidl lohnt sich nicht immer - mit diesen Produkten verarscht der Discounter seine Kunden

Hochglanzwerbung, Gourment-Produkte, Designer Filialen: Lidl legt sich richtig ins Zeug, um sein Image aufzupolieren. Der Kunde soll viel Qualität für wenig Geld bekommen – Lidl soll sich schließlich lohnen. Aber was ist an diesen Versprechen dran? Ist die Ware wirklich so frisch und hochwertig, wie der Discounter verspricht? Und sind die Produkte wirklich so günstig?

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Die Experten der SWR-Sendung "Marktcheck“ haben den Discounter-Riesen beim Wort genommen und die Werbeversprechen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Lidl-Produkte sind nicht immer die beste Wahl.

1. Billige Eigenmarken

"Lidl lohnt sich, vor allem wegen der guten Preise. Das weiß inzwischen jeder.“ So wirbt der Discounter auf seiner Webseite. Beim Preischeck wollten es die Experten der Sendung „Marktcheck“ genau wissen.

Sie kauften 40 Alltagsprodukte bei Lidl, dem Konkurrenten Aldi und den Supermärkten Rewe und Edeka ein – ausschließlich Eigenmarken.

Das Ergebnis: Fast alle getesteten Produkte haben den gleichen Preis. Zwischen den Einkäufen beim vermeintlich teuren Supermarkt Edeka und Lidl lagen nur 19 Cent.

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2. Industrielle Backwaren

Auch den Slogan "Wir backen täglich frisch" kennen viele Kunden. Der trifft aber nicht wirklich zu, haben die Recherchen von „Marktcheck“ ergeben.

Denn die Brote und Brötchen aus industrieller Fertigung nur aus der Tiefkühltruhe geholt und aufgebacken. Reine Industrieware, die nicht an echte Handwerksqualität rankommt.

Lidl sagt auf Anfrage der Huffington Post zu den Vorwürfen:

"In allen rund 3.200 Lidl-Filialen backen wir mehrmals täglich frisch. Dafür werden unsere Backwaren als Teiglinge oder schonend vorgebackene Produkte, die nicht fertig gebacken sind, in die Filialen geliefert. Sowohl unsere Brote und Brötchen als auch unsere Teiglinge werden in den Filialen von speziell geschulten Mitarbeitern in Backöfen - nicht in Backautomaten - fertig und damit frisch gebacken."

3. Fleisch unter Schutzatmosphäre

Auch das Lidl-Fleisch konnte im Test nicht überzeugen. Bevor es in die Schutzverpackung kommt, wird es mit Sauerstoff behandelt. Dadurch sieht Fleisch besonders frisch aus und bleibt länger haltbar - auch wenn es schon einige Tage alt ist.

"Für den Verbraucher hat dieser hohe Sauerstoffgehalt keinen Nutzen. Er täuscht ihm lediglich vor, dass das Produkt immer noch frisch ist wie kurz nach der Schlachtung“, sagt Experte Lothar Kröckel vom Max-Rubner-Institut in der SWR-Sendung. Außerdem würde darunter der Geschmack leiden.

Lidl hat dazu eine andere Meinung:

"Aus unserer Sicht gibt es beim Braten von unter Schutzatmosphäre verpacktem Fleisch keinen Unterschied im Bratverhalten gegenüber anderem Fleisch. Bei unter Schutzatmosphäre verpacktem Fleisch findet kein Tiefenaustausch zwischen der Schutzatmosphäre und dem Fleisch statt, daher ergibt sich auch keine Auswirkung auf den Farbverlauf während des Bratvorgangs."

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4. Frisches Obst und Gemüse

Bei Obst und Gemüse konnte der Discounter in den Stichprobentests überzeugen. "Wir haben überall ein gutes Angebot gefunden“, sagt Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in der Sendung. Die Produkte seien genauso frisch und überzeugend wie teurere Ware von Rewe und Edeka.

Außerdem gibt es bei Lidl mehr loses Obst und Gemüse als beim Konkurrenten Aldi. Dadurch kann der Kunde die Ware besser prüfen.

Das Fazit der Experten: "Lidl bietet weiterhin Massenware an, so günstig wie möglich produziert. Schlecht ist die Qualität deswegen nicht, mit den Edelprodukten aus der Werbung hat das aber wenig zu tun."

Auch auf HuffPost:

Video: Mit diesem einfachen Trick können Sie das Fleisch testen, das Sie bei Lidl und Aldi kaufen

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