POLITIK
02/12/2015 06:36 CET | Aktualisiert 03/12/2015 12:10 CET

In Brüssel wird gemunkelt: Deswegen schoss die Türkei den russischen Jet wirklich ab

Der Abschuss des russischen Kampfjets gibt noch immer Rätsel auf. Die türkische Regierung behauptet nach wie vor, die Piloten mehrmals gewarnt zu haben, bevor das Flugzeug angeblich türkischen Luftraum verletzte und schließlich im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen wurde. Russland dementiert, es habe weder eine Warnung noch eine Luftraumverletzung gegeben.

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Der Beweggrund der Türkei für den Abschuss steht nach wie vor infrage. War es wirklich nur die Luftraumverletzung - so es sie wirklich gab? Oder war da Absicht im Spiel, um den Ölhandel der IS-Terroristen zu schützen, wie Russlands Präsident Wladimir Putin behauptete? Innerhalb der Nato kursiert nun allerdings eine weitere Theorie.

Wollte die Türkei etwa ganz andere Verbündete schützen? "Es ist ganz klar, dass der Abschuss etwas damit zu tun hatte, dass die Russen auf der syrischen Seite der Grenze Turkmenen bombardieren“, heißt es hinter vorgehaltener Hand in der Bündniszentrale in Brüssel.

Der Grund für die Vermutung der Nato ist folgender: Die Türkei verstehe sich als Schutzmacht dieser Minderheit, die gegen den syrischen Diktator Baschar al-Assad kämpft. Russland dagegen stütze Assad weiter, hieß es am Dienstag in Brüssel.

Sorge bereitet auch eine Äußerung des litauischen Außenministers Linas Linkevicius. Der Vertreter des baltischen Staates, der ständig Provokationen durch die russische Luftwaffe ertragen muss, sagte: "Ehrlich gesagt hat die Türkei doch die Glaubwürdigkeit der Nato-Luftverteidigung unter Beweis gestellt." Er fände es anscheinend ganz gut, wenn hin und wieder mal ein paar russische Jets abgeschossen werden. Auch das Baltikum ist eine der Regionen, wo es leicht zu einem "Zwischenfall" kommen könnte.

In der großer Runde übt niemand Kritik an der Entscheidung der Türkei. Doch hinter vorgehaltener Hand gibt es ernste Zweifel an der offiziellen Darstellung. Diese besagt, dass der Jet allein in Reaktion auf eine Luftraumverletzung abgeschossen wurde.

Einer der wenigen, die offen Kritik üben, ist der griechische Regierungschef Alexis Tsipras. In Anspielung darauf, dass die Türkei selbst regelmäßig den griechischen Luftraum verletzt, twitterte er vor Kurzem: "An Ministerpräsident Davutoglu: Glücklicherweise sind unsere Piloten nicht so nervös wie eure gegenüber den Russen.“

Das Verhältnis der Türkei zu Russland ist seit dem Abschuss massiv angespannt. Putin hat Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei verhängt und weitere “ernste Konsequenzen” angekündigt.

Die Nato ist aufgrund der Eskalation zwischen den beiden Ländern höchst alarmiert. Bei einem Treffen am Dienstag in Brüssel wurde deutlich: Die Mitgliedsstaaten sind beunruhigt und fürchten, in einen Konflikt hineingezogen zu werden.

mit Material von dpa

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