POLITIK
01/12/2015 13:07 CET | Aktualisiert 01/12/2015 13:35 CET

Schrecklicher Verdacht: Russland soll Phosphorbomben über Syrien abgeworfen haben

Um es vorweg zu nehmen: Bewiesen ist nichts. Aber die Vorwürfe wiegen schwer. Russland soll über Syrien Phosphorbomben abgeworfen haben.

Das berichtete die britische Zeitung „The Times“ kürzlich unter Berufung auf Zeugen aus der Stadt Idlib.

Im Internet kursiert außerdem ein Video einer Organisation, die sich „Step News Agency“ nennt, angeblich der syrischen Opposition nahesteht. Die Aufnahmen zeigen etwas, das wie eine Art Feuerwerk über dem Nachthimmel niederregnet und dann den Boden in Flammen setzt. Angeblich zeigen die Aufnahmen, die am 12. November hochgeladen wurden, Vorgänge über der Idlib.

Die britische Zeitung „Independent“ berichtet außerdem von einem Netzwerk syrischer Journalisten, das sich wiederum auf Berichte beruft. Darin sei vom Abwurf von Phosphorbomben auf die die syrische Stadt Rakka am 22. November die Rede, die als Hochburg der Terroristen des Islamischen Staates (IS) gilt. Wer die Bomben abgeworfen haben soll, ist nicht eindeutig.

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zeigte sich Ende November „tief besorgt“ über den Einsatz chemischer Waffen in Syrien – je nach Definition können Phosphorbomben in diese Waffenkategorie fallen. Ob der OPCW Informationen über die Phosphorbomben-Meldungen in Syrien vorliegen, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage der Huffington Post blieb bislang unbeantwortet.

Der Einsatz von Brandwaffen ist nach internationalem Recht nur eingeschränkt zulässig. Die sogenannte UN-Waffenkonvention von 1980 sieht in ihren dritten Protokoll vor, dass Brandwaffen nicht in dicht von Zilvilisten besiedelten Gebieten eingesetzt werden dürfen. Genau das soll aber in Syrien passiert sein, wie ein Zeuge namens Ahmad zu „The Times“ sagte. Allerdings gehen laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW( einige Staaten davon aus, dass Phosphorbomben nicht unter diese Konvention fallen. Obwohl sie extrem gefährlich sind.

HRW beschreibt, wie grausam die Phosphorbomben wirken: Weißer Phosphor reagiert mit Sauerstoff schon bei 30 Grad Celsius und brennt so lange, bis aller Sauerstoff verbraucht ist. Kommt wieder Sauerstoff hinzu, kann sich Phosphor erneut entzünden. Die entstehende Hitze ist gigantisch, um die 815 Grad Celsius, außerdem entsteht Rauch. Auf der Youtube-Seite der „Step News Agency“ diskutieren User deswegen darüber, ob es sich bei den gezeigten Aufnahmen wirklich um Phosphor handeln könne, weil man kaum Rauch sieht.

Weißer Phosphor verbrennt menschliches Fleisch sofort, bis hinunter zum Knochen. Die Verletzungen heilen kaum. Außerdem kann Phosphor ins Blut gelangen und Organversagen auslösen.

Brandwaffen sind im syrischen Bürgerkrieg schon oft eingesetzt worden. Von November 2012 bis November dieses Jahres hat HRW mindestens 60 Angriffe mit Brandwaffen in 14 Gouvernements in Syrien dokumentiert. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Regierungstruppen sollen die Waffen eingesetzt haben – ob auch andere Gruppen sie verwendet haben, ist unklar. Laut HRW haben 29 Staaten mindestens 182 Arten von Brandwaffen produziert, darunter Waffen mit Phosphor.

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