POLITIK
01/12/2015 02:19 CET | Aktualisiert 01/12/2015 02:41 CET

Physiker decken auf: Putin und Erdogan verschweigen die Wahrheit über den Kampfjet-Abschuss

Mathematik und Physik haben normalerweise eher selten etwas mit der weltpolitischen Lage zu tun. Zwei Astrophysiker der Katholischen Universität im belgischen Leuven wollen jetzt aber beweisen, dass sich der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei über Syrien unmöglich so zugetragen haben könne, wie von beiden Seiten behauptet.

Wie die Website "Motherboard" berichtet, haben die beiden Professoren auf dem Blog ihrer Hochschule sowohl die Behauptungen der russischen als auch der türkischen Seite widerlegt. Aussagen darüber, wie sich der brenzlige Vorfall wirklich zugetragen haben könne, gibt es von ihnen allerdings nicht.

Hier sind die drei Thesen der Wissenschaftler:

1. Die Absturzstelle kann nicht stimmen

Auf einer von der türkischen Regierung verbreiteten Karte ist zu sehen, dass der Jet ungefähr acht Kilometer von der Stelle am Boden aufschlug, an der er getroffen wurde. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der Jet diese acht Kilometer in nur 30 Sekunden zurückgelegt hat. Da der Sturzflug nur etwa eine halbe Minute dauerte, kamen die Physiker zum Ergebnis, dass die Maschine mit einer Geschwindigkeit von 980 Kilometer pro Stunde geflogen sein muss.

Doch wenn das Flugzeug wirklich so schnell unterwegs gewesen sein sollte, gibt es einen Haken: Die türkische Seite behauptete, dass sich die russische Maschine circa 17 Sekunden beziehungsweise zwei Kilometer in ihrem Hoheitsgebiet befunden habe. Aber: Ein 980 Kilometer pro Stunde schneller Jet schafft die geringe Strecke von zwei Kilometern nicht in 17, sondern in nur zwei Sekunden.

Das bedeutet laut den Forschern: Die von den Türken angegebene Absturzstelle ist nicht korrekt.

2. Die Türken kann nicht beweisen, dass sie die Piloten vor dem Abschuss gewarnt hat

Zudem behauptet die Türkei, dass sie den russischen Jet in ihrem Luftraum vor dem Abschuss innerhalb von fünf Minuten zehn Mal gewarnt habe. Ein Jet mit 980 Kilometer pro Stunde legt in fünf Minuten 80 Kilometer zurück, er muss sich also zur Zeit der Warnungen noch sehr weit weg von der türkisch-syrischen Grenze befunden haben.

Die beiden Wissenschaftler kamen zu folgendem Ergebnis: „Wie hätte die türkische Luftwaffe bereits vorhersehen können, dass das russische Flugzeug in den türkischen Luftraum eindringen würde? Militärjets sind sehr wendig und hätten theoretisch auch in letzter Sekunde noch abdrehen können".

Ob die russischen Piloten tatsächlich vom türkischen Militär gewarnt wurden, dafür gibt es bislang keinerlei Beweise. Allerdings veröffentlichte die Türkei Aufnahmen von den Warnhinweisen. Russland behauptet, diese seien gefälscht.

3. Die Russen haben nicht versucht, in den türkischen Luftraum einzudringen

Auf einer russischen Karte ist zu sehen, dass die Maschine nach dem Beschuss eine scharfe Kurve von 90 Grad hingelegt hatte. Doch so ein Manöver ist in einer solchen Situation nahezu unmöglich. „Eine Richtungsänderung von 90 Grad kann nur ein Objekt verursachen, das um ein Vielfaches schneller und schwerer als das Flugzeug ist“, schreiben die Physiker.

Das bedeutet: Entgegen der Meinung des Kremls hatte der Jets keineswegs versucht, dem türkischen Luftraum mit einem waghalsigen Manöver noch zu entgehen.

Das Fazit der Forscher: Die Schilderungen beider Seiten können nach den Gesetzen der Physik nicht stimmen. Ob jemals gekllärt wird, wie sich der Absturz wirklich zugetragen hat, bleibt abzuwarten. Bisher scheint keine der beiden Seiten daran ein Interesse zu haben.

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