WIRTSCHAFT
01/12/2015 22:21 CET | Aktualisiert 02/12/2015 03:43 CET

"Sanierung überfällig": Um die Bahn steht es weit schlimmer als bekannt

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Ein Bahnangestellter im Ostbahnhof von Berlin

Panik bei der Bahn. Die Kunden sind unzufrieden, Fahrgäste wandern zu den Fernbussen ab und die Gütersparte schreibt Verluste. Wie die "Welt" und die "Süddeutsche Zeitung" berichten, ist die finanzielle Situation des Konzerns weit schlechter, als bislang bekannt. Nun soll ein Drei-Stufen-Plan das Megaunternehmen retten.

Diese Pläne des Bahnvorstands wurden am Dienstag an den DB-Aufsichtsrat verschickt. Darin zieht der Vorstand ein düsteres Resümee. Die Bahn von heute, heißt es in dem Gelbbuch, sei "nicht fit" für die Zukunft. "Der Weg zurück in die Erfolgsspur kann nur über eine deutlich verbesserte Produkt- und Leistungsqualität führen."

Die Bahn sei ihn Gefahr. Werde jetzt nicht gehandelt, bestehe das Risiko, "den Rückhalt in der Gesellschaft, bei Kunden und Eigentümern zu verlieren". Gleichzeitig kündigt die Bahn darin an, "die größten Ärgernisse über falsche und verspätete Informationen" 2016 abzustellen.

Hintergrund des Plans ist die finanzielle Situation der Bahn. Die ist deutlich angespannter, als das bislang in der Öffentlichkeit bekannt war. Das operative Ergebnis (Ebit) wird 2015 nach den vorläufigen Schätzungen nur noch 1,75 Milliarden Euro betragen. Ursprünglich waren einmal 2,2 Milliarden Euro geplant.

Unterm Strich wird die Bahn aber Verluste machen. Das liegt an den nun neu geplanten Abschreibungen im Zuge des Konzernumbaus in einem Gesamtumfang von mehr als 1,6 Milliarden Euro. Nach Zinsen, Steuern und Abschreibungen wird die Bahn daher eine Milliarde Euro im Minus liegen.

"Das Sanierungsprogramm ist längst überfällig", sagte ein einflussreiches Aufsichtsratsmitglied der "Welt". "Vor allem im Schienengüterverkehr ist die Situation inzwischen dramatisch." Sturm- und Flutschäden, die lange unterschätzte Konkurrenz der Fernbusse und die Folgen des Streiks der Lokführergewerkschaft hatten die Gewinne dahinschmelzen lassen. "Aber das allein reicht als Begründung nicht. Wir haben ein strukturelles Problem", heißt es im Aufsichtsrat.

Besonders oft wird die Bahn für ihre Unpünktlichkeit kritisiert. Nach dem "Gelbbuch" sollen die Züge daher künftig pünktlicher fahren. Derzeit schaffen es 74 Prozent der Fernzüge, nicht später als fünf Minuten nach der geplanten Ankunftszeit am Bahnhof einzutreffen.

2016 will die Bahn diese Quote auf 80 Prozent erhöhen. Langfristig sollen sogar mindestens 85 Prozent der Züge im Fernverkehr und 95 Prozent der im Regionalverkehr pünktlich sein.

Die Kunden sollen auch besser informiert werden. Geplant ist, die fast 100.000 Zugzielanzeiger an den Gleisen bis zum dritten Quartal 2016 umzuprogrammieren. Kunden sollen dort dann ablesen können, wann die nächsten drei Züge fahren. So können die Fahrgäste dann auch über die Anzeigetafeln auf kurzfristige Gleiswechsel aufmerksam gemacht werden.

Auch der Güterverkehr wird neu auf die Spur gesetzt. Die Sparte schreibt seit Jahren Verluste. Dort will die Bahn mit dem Fahrplanwechsel Ende 2016 ebenfalls eine Art Fahrplan anbieten. Die Geschäftskunden haben dann die Wahl, diese Züge zu buchen oder wie bisher Einzelfahrten zu bestellen. Die Bahn hofft dadurch, besser disponieren und die Nachfrage im Güterverkehr steigern zu können.

Trotz knapper Mittel soll investiert werden. Der Bahnvorstand will in den kommenden fünf Jahren 20 Milliarden Euro in die verschiedenen Sparten stecken. Den größten Teil mit 5,5 Milliarden Euro bekommt der Fernverkehr. Man werde zunächst weitere Gewinneinbußen bei den ICEs und IC-Zügen hinnehmen, um auf längere Sicht neue Kunden zu gewinnen, heißt es im Unternehmen. Zugleich will Grube dem Eigentümer Bund die vereinbarte Dividende von 850 Millionen Euro zahlen. Dafür nimmt der Vorstand einen Anstieg der Verschuldung von derzeit gut 18 Milliarden auf bis zu 22 Milliarden Euro in Kauf.

Auch Dividenden sollen an Aktionäre ausgeschüttet werden. Für 2015 sollen, wie vorgesehen, in Höhe von 850 Millionen Euro ausgezahlt. Laut dem Gelbbuch plant der Staatskonzern, die Dividende in den nächsten Jahren weiter zu steigern. Mit den Umbauplänen wird sich der Aufsichtsrat am 16. Dezember befassen.

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